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Zwischen Pop und Aggressionen

Cloud Nothings
Apostille

Köln, Luxor
09.03.2017

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Cloud Nothings
Mit mehr Melodien, mehr Drive und ohne Scheu, die Lo-Fi-Anfänge ein gutes Stück hinter sich zu lassen, haben es Cloud Nothings nicht nur hier bei Gaesteliste.de mit "Life Without Sound" zur Platte der Woche gebracht, die Amerikaner um Mastermind Dylan Baldi haben mit ihrer aktuellen LP-Großtat praktisch allenthalben offene Türen eingerannt und aus einer Band, die zuvor ziemlich hardcore war, mit viel Mut zur Eingängigkeit etwas gemacht, das größer ist, als man sich das je hätte vorstellen können. Wenige Wochen nach der Albumveröffentlichung bewiesen sie bei ihrem Tourstopp in Köln allerdings auch, dass die lauten, wilden Cloud Nothings alles andere als tot und begraben sind.
Zunächst steht aber eine schräge Ein-Mann-Band auf der Bühne - Lowest Form- und Please-Gitarrist Michael Kasparis alias Apostille. Obwohl er an diesem Abend für eine waschechte Punkband eröffnet, hat der DIY-Verfechter aus Glasgow nur einen Haufen elektronisches Gedöns dabei, um das zu diesem Zeitpunkt noch spärliche Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen. Den bisweilen eher introspektiven Sounds aus der Steckdose stellt Kasparis dabei eine arschcoole Bühnenshow - wer sonst bringt sich schon Snacks mit auf die Bühne? - und ein betont expressives Auftreten entgegen, wenn er immer wieder zum Bühnenrand tigert, um dem Publikum seine Texte direkt ins Gesicht zu schreien. Primitiver Pop? Explosiver Synth-Punk? Wie man es auch nennt, ziemlich abgefahren ist der Auftritt auf jeden Fall.
Anders als bei Apostille, bei dem die Show die halbe Miete ist, geht es bei Cloud Nothings nur um die Musik. Im Herzen mögen Dylan Baldi, Jayson Gerycz, TJ Duke und Chris Brown wahre Punkrocker sein, auf der Bühne aber sind sie Shoegazer, deren Aktionsradius an diesem Abend kaum Bierdeckelgröße übersteigt. Viel Zeit zum Hingucken verschwenden die meisten im Publikum allerdings eh nicht. Viele verbringen den Großteil des Auftritts damit, die Fäuste in die Luft zu recken, mit geschlossenen Augen und aus tiefster Seele die Texte mitzusingen oder sich gleich wild gegenseitig durch den Moshpit zu schubsen. Dabei kann man allein an den Reaktionen durchaus ablesen, ob die Songs aus "Life Without Sound" oder aus den Vorgängern "Here And Nowhere Else" und "Attack On Memory" stammen: Bei den neuen wird mehr in die Höhe gehüpft, bei den alten in die Breite gepogt...

Dabei ist der klangliche Abstand zwischen den neuen und den alten Liedern live nicht so groß wie auf Platte, genauer gesagt: Die Übergänge von eingängigen Indie-Hymnen zu räudigem Hardcore-Gepolter sind fließend. Denn auch wenn längst nicht nur der brillante Nirvana-meets-Green-Day-Ohrwurm "Enter Entirely", sondern auch viele andere Songs von "Life Without Sound" unterstreichen, dass sich Punk besser mit Pop verträgt, als die meisten das freiwillig zugeben würden, klingt das Quartett aus Cleveland im Luxor - zumindest ganz vorne - doch deutlich krawalliger als bei den ausgetüfelten Studioversionen. Vor allem Vordenker Baldi macht mit vom ersten Ton an heiserer Stimme gar nicht erst Anstalten zu singen und brüllt die Texte nicht nur bei alten Heulern wie "Psychic Trauma" oder "Fall In", sondern auch bei neuen Songs wie "Darkened Rings" ungebremst heraus. Anders ausgedrückt: Wenn ein Kollege in seiner Besprechung des neuen Albums von "brutalem Instrumental-Wutausbruch, schreiender Unzufriedenheit und zauberhafter Gitarrenwand-Glückseligkeit" schrieb, spielt Letzteres in Köln nur eine untergeordnete Rolle.

So schöpfen Cloud Nothings das auf "Life Without Sound" offenbarte Potenzial live nicht in seiner ganzen Bandbreite aus, sorgen aber mit altbekannter Knarzigkeit und wuchtiger Intensität dafür, das nach 75 Minuten und zwei Zugabensongs (allerdings ohne das epische "Wasted Days") alle im Saal zufrieden den Heimweg antreten.

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Surfempfehlung:
www.cloudnothings.com
facebook.com/cloudnothings
apostille.bandcamp.com/music
facebook.com/ApostilleofGlasgow
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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