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Konzert-Bericht
 
Aufs Herz gezielt

Thalia Zedek Band

Köln, Sonic Ballroom
28.03.2017

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Thalia Zedek Band
Die beste Musik ist oft die, die ohne Umwege über den Kopf direkt aufs Herz zielt. The Cure sind viele Jahre die ungekrönten Meister dieser Disziplin gewesen, aber auch Thalia Zedek, der Bostoner Verfechterin des Neo-Psychedelic-Chamber-Folkrock, gelingt es seit Jahrzehnten, immer wieder Songs zu schreiben, die mitreißen, die aufwühlen und in ihrer zeitlosen emotionalen Ehrlichkeit doch etwas Beruhigendes, etwas Tröstendes haben. Früher, etwa bei ihrer legendären Band Come, brauchte sie dabei oft ungefilterte Rock-Wucht, auf "Eve", der aktuellen Großtat ihrer Thalia Zedek Band, sind es dagegen vor allem die subtilen Momente voller Intimität, die die größte Kraft besitzen. Ende März startete sie ihre diesjährige Gastspielreise durch Europa mit einem ausgezeichneten Auftritt im Kölner Sonic Ballroom.
Das Konzert in der Ehrenfelder Punkrock-Kneipe ist eine Premiere im doppelten Sinne, denn es ist nicht nur der erste Auftritt der Tournee, sondern auch die Feuertaufe für Zedeks neu zusammengestellte Band aus amerikanischen und deutschen Musikern. Neben ihrem langjährigen Sidekick David Michael Curry an der Viola und Mel Lederman am Piano ist auch Sascha Steinfurth am Bass dabei, der in den 90ern eine Weile bei Come spielte und nun erstmals seit 20 Jahren wieder mit Zedek auf der Bühne steht, und am Schlagzeug sitzt Claas Großzeit, der zuletzt u.a. im Umfeld von Jochen Arbeit und Schneider TM aufgetaucht war. Premierenfieber ist für die Debütanten allerdings offenbar ein Fremdwort, denn obwohl die beiden Berliner Quereinsteiger innerhalb weniger Tage 19 musikalisch oft ziemlich ambitionierte Songs mit vielen Drehungen und Wendungen lernen mussten, stimmt hier vom ersten Ton an (fast) alles.

Zusammen tauchen die fünf Musiker ab in Zedeks Gefühlswelt und schöpfen gemeinsam eine geradezu triumphierende Freude aus Traurigkeit und Verletzlichkeit aus ihren oft bittersüßen Geschichten von Liebe und Verlust. Vielleicht liegt es nur an der auf Punkrock ausgerichteten Hausanlage des Sonic Ballrooms, wo die Silhouetten der Ramones über die Musiker auf der Bühne wachen, aber viele der Songs von "Eve", die an diesem Abend den Löwenanteil des Programms ausmachen, klingen im Live-Kontext um einiges druckvoller als in den oft feingliedrigen Studioversionen, doch das erzeugt genau die richtige Spannung, die aus guten Konzerten großartige macht. Anders als auf der Platte, wo ihre Musiker gewissermaßen hinter Zedek spielen, herrscht live echtes Bandfeeling auf Augenhöhe. Sogar "All I Need", auf "Eve" noch ein Solo Zedeks, wird in Köln zu einer Nummer für die ganze Band. Zu den neuen Songs gesellen sich ausgewählte alte wie "Fell So Hard" und "Stars", das nach 70 Minuten für ein furioses Finale des Mainsets sorgt.

Den einzigen Schnitzer erlaubt sich die neue Rhythmusfraktion dann ausgerechnet am Ende der letzten Zugabe, "Walk Away", aber wer's nicht weiß, hat das verfrühte Ende durchaus auch für eine gewollte dramatische Pause halten können, zumal die beiden bravourös und blitzschnell wieder ihren Weg zurück in den Song finden. Da das Menschsein und die damit verbundenen kleinen Unzulänglichkeiten aber irgendwie ein typisches Zedek-Thema sind, stört der kleine Faux-pas letztlich überhaupt nicht. Das kleine, aber sehr präsente Publikum spendet deshalb am Ende lang anhaltend wohlverdienten Applaus.

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Surfempfehlung:
facebook.com/ThaliaZedekBand
www.thrilljockey.com/artists/thalia-zedek
thaliazedek.bandcamp.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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