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Konzert-Bericht
 
Zerbrechlichkeit und Stärke

Lisa Hannigan
Saint Sister

Köln, Die Kantine
07.04.2017

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Lisa Hannigan
Im Spannungsfeld von Zerbrechlichkeit und Stärke fühlt sich Lisa Hannigan offenbar am wohlsten, denn schon mit ihren feinen ersten beiden Solowerken unterstrich die irische Folk-Heroine, dass sie eine Meisterin der langsam schwelenden Melancholie ist. Auch die Songs ihres umwerfenden aktuellen Albums "At Swim" umgibt oft ein sinisteres Knistern und ein Gefühl des Verlorenseins, doch ihr mit bezaubernden Gänsehaut-Momenten gespickter Auftritt in der Kölner Kantine ist ob ihres stillen Charmes dennoch ungemein positiv gestimmt. Dabei setzt sie auf einen betont handgemachten, halbakustischen Sound voller einschmeichelnder Sanftheit und erreicht damit eine Perfektion, die man selten hört, wenn alles "echt" ist.
Ganz leise schleichen sich im Vorprogramm auch Gemma Doherty und Morgan MacIntyre von Saint Sister in die Herzen des Publikums. Auf persönliche Einladung Hannigans zelebrieren die beiden jungen Irinnen mit Harfe (!), Synth und zwei engelsgleichen Stimmen einen ambitionierten Brückenschlag zwischen althergebrachter keltischer Volksmusik und dem Electro-Pop des Hier und Jetzt. Gebannte Stille während des gesamten halbstündigen Auftritts und kaum enden wollender Applaus am Schluss unterstreichen eindrucksvoll, dass Saint Sister mit ihrem anspruchsvollen Sound nicht nur die Headlinerin begeistern.

Als Lisa Hannigan im November zum letzten Mal in Köln Station machte, platzte das Studio 672 aus allen Nähten. Kaum eine Armlänge trennte sie damals auf der gerade einmal kniehohen Bühne des kleinen Clubs unter dem Stadtgarten von der ersten Reihe. Das sieht bei ihrer Rückkehr in die Domstadt etwas anders aus. Nicht nur die Bühne in der Kantine ist ungleich höher und geräumiger, auch die Distanz zum Publikum ist größer - selbst im übertragenen Sinne. Denn auch wenn man während der Songs in den Gesichtszügen der sympathischen Sängerin mit der kreideweichen Stimme ablesen kann, wie viel Leidenschaft, wie viel Herzblut sie in jedes einzelne ihrer Lieder steckt, ist der Auftritt, eine halbe Welttournee später, doch spürbar routinierter. So gibt es dieses Mal deutlich weniger Interaktion zwischen den (perfekt eingespielten) Musikern, und auch bei den Ansagen hält sich Hannigan mehr zurück. Ein Zwischenrufer fordert sie irgendwann sogar lautstark auf, doch bitte ein paar Worte ans Publikum zu richten. "Was ich zu sagen habe, steckt in meinen Songs", verteidigt sie sich merklich irritiert. Der dennoch folgende Schlagabtausch ist für beide Seiten eher unangenehm.

Musikalisch kann Hannigan derweil auch dieses Mal restlos begeistern. Bemerkenswert ist auch in der Kantine vor allem die Leichtigkeit, mit der die 35-Jährige gemeinsam mit ihren Mitstreitern die Albumarrangements ihrer dunkel funkelnden Lieder oft völlig umkrempelt und ihnen rhythmusbetont neue Facetten abgewinnt. Dabei muss sie dieses Mal ohne Heather Woods Broderick als gesangliche Sparringspartnerin auskommen. Die Aufgaben der amerikanischen Multiinstrumentalistin, die sie auf der letzten Tournee stimmlich so brillant ergänzt hatte, verteilt sie zu gleichen Teilen auf ihre drei Musiker und ihren Roadie, der nicht nur der Protagonistin die Saiteninstrumente anreichen darf, sondern bei einigen Stücken selbst zur Stromgitarre greift.

Dem Jazz bisweilen näher als ihren Folk-Wurzeln, hat Hannigan inzwischen für ihre oft stärker auf die Melodiösität und Musikalität als auf die Texte konzentrierten Songs eine ganz eigene Nische gefunden, in der sich alte Highlights wie "Lille" oder das wiederentdeckte "Pistachio" genauso zu Hause fühlen wie die seelenvolle Ballade "Ora" gleich zu Beginn oder das unglaublich intensive "We, The Drowned" als dramatischer Höhepunkt kurz vor Ende des 80- minütigen Auftritts. Die heimlichen Highlights des Abends sind aber dennoch die reduziertesten Lieder mit deutlicher Folk-Prägung. Ganz allein ("Die Jungs brauchen mal eine Pause!", sagt sie mit einem Lachen) singt sie zur Mitte des Konzerts "Little Bird" und "Passenger" und unterstreicht gerade mit letzterer Nummer, wie viel unterschwelliger Humor sich in ihren auf den ersten Blick doch zumeist eher traurig gestimmten Liedern verbirgt.

Auch bei der Zugabe erzielt Hannigan mit minimalen Mitteln maximale Wirkung, als sie - mit zum Heulen schönen Harmoniestimmen der beiden Mädels von Saint Sister - zuerst "Anahorish" a cappella singt und dann auch noch ihre Musiker um das einsam aus dem Boden ragende Mikro versammelt, um bei "Fall" mit einer Akustikgitarre und sechs Stimmen für einen letzten Gänsehautmoment zu sorgen. Spätestens da ist klar: Eine wie Lisa Hannigan gibt's kein zweites Mal!

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Surfempfehlung:
lisahannigan.ie
facebook.com/lisahannigan
www.saintsisterband.com
facebook.com/Saint.Sister.band
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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