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Unnahbar!

She Past Away

Essen, Grend
21.04.2017

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She Past Away
Ein bisschen sehen Volkan Caner und Doruk Ozturkcan so aus, als seien sie gerade auf dem Weg zu einem Konzert der "Pornography"-Tour von The Cure, und tatsächlich kann man beim Hören der Musik des türkischen Duos durchaus auf die Idee kommen, dass She Past Away direkt aus dem Jahre 1982 zu uns kommen. Die beiden allenthalben hoch gelobten Alben der Band aus der Metropole Bursa, "Belirdi Gece" von 2012 und "Narin Yalnizlik" von 2015, sind in einer pechschwarzen Welt zu Hause, in der das musikalische Spektrum von düsterem Synth-Pop über finsteren Darkwave bis hin zu kühlem Gothic Rock, aber kein Stück weiter reicht. Mehr brauchen She Past Away allerdings auch nicht, um das Publikum im gut gefüllten Essener Grend vom ersten Ton an auf ihre Seite zu ziehen.
Viele Worte machen die zwei Türken bei ihrem Abstecher ins Ruhrgebiet nicht, dabei hätte es wenige Tage nach dem Verfassungsreferendum in ihrer Heimat doch eigentlich genug Gesprächsstoff gegeben. Doch ihr unnahbares, betont introvertiertes Auftreten passt natürlich bestens zu ihrer Musik, die mit Ozturkcans archetypischen Synth-Sounds und minimalistischen Beats - mal aus der Konserve, mal auf einem kleinen Drum-Pad manuell erzeugt - sowie Caners ultra-melodiösen Gitarrenriffs und tiefstmöglicher Grabesstimme auf kein Genre-Markenzeichen verzichtet und sich da einsortiert, wo die Musikhistorie zwischen Sisters Of Mercy, The Cure und Clan Of Xymox noch eine kleine Lück gelassen hat. Selbst die grobkörnig verfremdeten Einspieler, die hinter den beiden während der Songs über die Leinwand flackern, sind schulbuchmäßig, doch trotz der klaren Rückbezüge auf die frühen 80er klingen She Past Away im Grend gar nicht so altbacken, wie man das ob der Vorzeichen eigentlich hätte vermuten können. Vielleicht liegt das an den türkischen Texten, vielleicht ist aber auch einfach der Zeitgeist derzeit gnädig mit dem Duo. Schließlich ist momentan alles, was man auch nur halbwegs guten Gewissens mit dem Hashtag #postpunk versehen kann, schnell in aller Munde, und aus "altmodisch" wird "zeitlos".
Doch auch wenn die Performance der beiden während ihres 80-minütigen Sets recht statisch bleibt - treffenderweise spielen sie bei der Zugabe auch ihren heimlichen Hit "Monoton" - , sorgt die treibende Rhythmik vieler Songs doch für einige Bewegung im Publikum, während die langsamen Momente von "Narin Yalnizlik", die auf dem Debüt noch vollends gefehlt hatten, zeitlos schöne, wohlig warme Melancholie verströmen. So gelingt es She Past Away mit erstaunlicher Leichtigkeit, den schwarz-(weiß)en Sound von vorgestern in die Gegenwart zu katapultieren.

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Surfempfehlung:
facebook.com/shepastaway
shepastawayofficial.bandcamp.com
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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