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Konzert-Bericht
 
Nichts als echte Emotionen

Emma Ruth Rundle
Jaye Jayle

Münster, Gleis 22
04.05.2017

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Emma Ruth Rundle
Minimalistisch, eindringlich und ungeschminkt - in den Liedern von Emma Ruth Rundle geht es um Schmerz, Trauer oder Zorn, doch bei aller Melancholie versinkt die zuvor bei Red Sparowes und Marriages aktive Kalifornierin nie in Selbstmitleid, sondern sucht in ihren Songs mit urwüchsigen Arrangements und großer Musikalität nach Katharsis. Nachdem sie letzten Herbst mit ihrer an dieser Stelle zur Platte der Woche gekürten zweiten Solo-LP, "Marked For Death", eine der intensivsten und besten Platten des Jahres abgeliefert hatte, machte sie nun für ein phänomenales Gastspiel im Münsteraner Gleis 22 Station.
Wie schon auf der jüngst veröffentlichten Split-EP "The Time Between Us" teilt sich Emma Ruth Rundle auch in Münster das Rampenlicht - bzw. in diesem Falle eher das Halbdunkel - mit Jaye Jayle. Der herrlich ungeschönte Sound des Quintetts aus Louisville, Kentucky, vereint verwaschenen Psychedelic Rock, das Repetitive des Krautrock, die emotionale Wucht des Bluesrock und die sinistere Seite von Nick Cave And The Bad Seeds zu einem finsteren Gloom-Rock, zu dem der schleppende Südstaaten-Tonfall von Mastermind Evan Patterson genauso ausgezeichnet passt wie der dezente Schmuddellook der Band - lange Haare, struppige Bärte und große Brusttattoos inklusive. In Münster zelebrieren Jaye Jayle - bei einer Nummer sogar gemeinsam mit Rundle an Stimme und Percussion - einen oft geradezu gespenstisch anmutenden Sound, der weniger rau und aggressiv als bei Pattersons anderem Projekt Young Widows ist und so manchem Zuschauer wohlige Schauer den Rücken hinunterjagt.
Als Emma Ruth Rundle nur wenige Minuten später die Bühne betritt, hat sie zunächst nur eine Akustikgitarre dabei. Doch mehr braucht die sympathisch schüchterne Amerikanerin auch nicht, um die inzwischen dicht gedrängt vor der kleinen Bühne stehenden, andächtig lauschenden Zuschauer mit ihrer markant-einnehmenden Stimme in ihren Bann zu ziehen - und das, obwohl sie zunächst einmal auf ältere Songs zurückgreift. Doch auch wenn "Arms I Know So Well" aus Rundles Solodebüt "Some Heavy Ocean" noch näher am Indie-Folk orientiert ist als viele Songs auf ihrer letztjährigen LP-Großtat "Marked For Death”, ist auch diese Nummer ungefiltert emotional, aber dennoch nicht niederschmetternd oder gar erdrückend, und genau diese klangliche Offenheit macht Rundle zu einer solchen Ausnahmeerscheinung unter den unzähligen Singer/Songwriterinnen, die derzeit ihr Leben vor dem Publikum ausbreiten.

"Das nächste Lied macht mich glücklich, und ich hoffe, ihr könnt das spüren", kündigt Rundle passenderweise das nächste Lied an. "Geheim" nennt sie es, denn "London Town" stammt von ihrer anders als Red Sparowes und Marriages nicht groß wahrgenommenen Band The Nocturnes. Dann bittet sie die Mitglieder von Jaye Jayle zurück auf die Bühne und gemeinsam stürzen sie sich in das erschütternde Material von "Marked For Death". Live steigern sie die unglaubliche, Hall-getränkte Intensität der Studioversionen sogar noch, und auch wenn der dicht gewobene Sound bisweilen apokalyptisch anmutet, schafft es Rundle dennoch spielend, sich stimmlich trotz bisweilen turmhoher Gitarrenwände und einer wie eine Welle über die Songs hereinbrechenden Rhythmusgruppe gegen die Band durchzusetzen. Manchmal scheint das Gleis 22 fast zu klein zu sein für die ungeheure Wucht von Rundles Songs, etwa beim gewaltigen "Protection" oder beim fast schon unerwartet eingängigen "Hand Of God". Der ungeheure Druck kommt dabei gewissermaßen aus den Songs selbst, denn anders als viele ähnlich gestrickte Künstler setzt Rundle in Münster weder auf ohrenbetäubende Lautstärke noch auf eine besondere Brachialität, sondern bringt schlicht und ergreifend ihre innersten Gefühle zum Ausdruck. "Was ich mache, ist keine Show", erinnert sie das Publikum deshalb, bevor sie mit "Shadow Of My Name" noch eine Nummer solo elektrisch spielt.

Es ist allerdings beruhigend zu sehen, dass Rundle die Ernsthaftigkeit, mit der sie zwischen den Songs von ihrer Musik spricht, auch mal abschalten kann. Als sie nach all den Runterbringer-Nummern zuvor das letzte Lied, "The Distance", augenzwinkernd als Liebeslied ankündigt, huscht ihr ein Lächeln übers Gesicht. Ganz am Ende stehen dennoch noch einmal düstere Emotionen. Für "Real Big Sky" braucht sie weder Mikro noch Verstärker und setzt vollkommen unplugged ganz auf die heilende Kraft der Musik. Ein echter Gänsehaut-Moment, oder besser gesagt, der letzte von vielen. Was für ein Auftritt!

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Surfempfehlung:
www.emmaruthrundle.com
facebook.com/emmaruthrundle
emmaruthrundle.bandcamp.com
facebook.com/jayejayle
sargenthouse.com/jaye-jayle
jayejayle.bandcamp.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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