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Konzert-Bericht
 
Der Sinn des Lebens

Luke Sital-Singh
Joseph & Maia

Köln, Blue Shell
29.05.2017

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Luke Sital-Singh
Grob gesagt könnte man den Engländer Luke Sital-Singh wohl als eine Idealform eines musikalischen traurigen Clowns betrachten. Jedenfalls dann, wenn er auf der Bühne steht und mit seinem Image als sensibler Melancholiker kokettiert. Das hat sich auch nicht geändert, seit er auf seiner aktuellen CD "Time Is A Riddle" musikalisch auf ein Mal konkreter, lauter und poppiger geworden zu sein scheint. Auf der kurzen Solo-Tour zum Anlass der Veröffentlichung machte er denn auch immer wieder deutlich, dass selbst seine fröhlichen Stücke keineswegs fröhlich sind - auch, wenn sie mal mit Dur-Akkorden daherkommen. Auch die Songs, die der Meister am Piano vorträgt, gehören nicht zu seinen fröhlichen Songs, wie er immer wieder gerne erklärte - weil er einfach nicht fröhlich musizieren könne. So richtig glücklich ist Luke Sital-Singh eigentlich auch nur dann, wenn ihm jemand aus dem Publikum zuruft, dass seine Songs so richtig schön traurig machten.
Zu diesem Thema passte es dann auch, dass das neuseeländische Duo Joseph & Maia zunächst den Abend entsprechend stimmungsmäßig vorbereitete. Das Pärchen aus dem Küstenort Mount Maunganui von der Nordinsel Neuseelands hält den Kontakt zur fernen Heimat (die nicht zu Australien gehöre, wie Maia betont deutlich erklärte) quasi durch die Songs aufrecht, die ebendort entstanden sind - obwohl Joseph Thompson und Maia Poitier schon seit einiger Zeit als moderne Troubadoure durch die Welt reisen und dabei schon mehrfach auf den Straßen der Domstadt zu Gast gewesen waren und dort - sofern sie nicht von der Polizei aufgefordert wurden, ihr Tun zu beenden - als Straßenmusiker ihr Glück versucht hatten. Dass die von wunderschönen Gesangsharmonien getragenen Balladen des Duos dabei besonders anrührend, authentisch und glaubwürdig rüberkommen, hat einen ganz einfachen Grund, denn in den Songs beschreiben Joseph & Maia einfach ihr Leben - wie Maia nach dem Konzert erläuterte. Dabei hat das Paar schon eine wechselvolle Geschichte hinter sich, die unter anderem beinhaltet, dass ein Major-Label einen Pop-Act aus dem Duo machen wollte - was beide für eine schlechte Idee hielten und so die Sache in die eigene Hand nahmen und ihre Debüt-CD "Sorrento" im Studio von Neil Finn in Auckland dann doch lieber in Eigenregie als klassisches Hippie-Folk-Album im besten Sinne in Eigenregie produzierten. Die kommende CD, von der Joseph & Maia zur Zeit erste Stücke online verfügbar machen, wird dann durch eine Crowdfunding-Aktion realisiert werden und ist für den Herbst angedacht. Aber zurück zum Thema: Eben weil Josephs und Maias Songs so anrührend rüberkommen, sind sie natürlich auch ihrer Natur nach eher melancholisch angelegt. Und sie beschäftigen sich auf ihre eigene Art mit dem Sinn des Lebens - genau wie jene von Luke Sital-Singh das wohl auch tun.
Jedenfalls behauptete der Meister scherzhaft, dass es ihm mit Songs wie "Bottled Up Tight" gelungen sei, den Sinn des Lebens zu ergründen. Das ist jedoch eher seine Art, mit der Tatsache zurecht zu kommen, dass seine Songs eine zwar philosophische Ader besitzen, er aber dann doch auch keine Lösungen parat hat, sondern eher Fragen aufwirft (was ja eigentlich auch einen guten Philosophen auszeichnet). Dabei hält er durchaus viel von Selbstironie. So erläuterte er etwa, dass es schon befremdlich sei, wenn die eigenen älteren Stücke heutzutage immer noch dieselbe Relevanz haben wie zu jener Zeit, in der sie entstanden - was ja bedeute, dass er sich nicht wesentlich weiter entwickelt habe. Luke hatte jedoch eine Lösung für dieses Dilemma parat: Er bat einfach das Publikum, bei den neuen Tracks wie "Innocence" oder der Quasi-Pop-Hymne "Oh My God" besonders laut zu applaudieren - denn das sei dann ein Indiz für ihn, dass sich seine Karriere in die richtige Richtung entwickele. Als das Publikum dieses dann sogleich umsetzte, musste Luke noch mal bremsen: "Ihr macht das schon ganz richtig", erklärte er, "aber ihr müsst bitte warten, bis ich den Song gespielt habe und erst nachher klatschen." Musikalisch setzte Luke alles daran, das Material im zur Verfügung stehenden Rahmen so abwechslungsreich wie möglich zu präsentieren und wechselte zwischen elektrischer und akustischer Gitarre sowie gelegentlich - wie z.B. für den älteren Track "Nearly Morning" ans Piano. Auch wenn sich Luke durch seine selbstironischen Späße alle Mühe gab, dem Vortrag eine Art fatalistische Note angedeihen zu lassen: Das gelang ihm dann doch nicht, denn obwohl er die Show mit dem neuen Track namens "Cynic" eröffnete - ein Zyniker ist Luke Sital-Singh keineswegs, denn dafür sind seine Songs einfach zu aufrichtig.

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Surfempfehlung:
www.lukesitalsingh.com
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josephandmaia.com
www.facebook.com/Josephandmaia
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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