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Konzert-Bericht
 
Nackt im Regen

Sofia Talvik

Köln, Die Lichtung
15.06.2017

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Sofia Talvik
Um es gleich zu sagen: Natürlich stand die in Berlin lebende Schwedin Sofia Talvik bei ihrem Konzert in der Kölner Lichtung nicht wirklich nackt im Regen - zum einen, weil es an diesem Tag nun wirklich nicht regnete (obwohl diese angesichts des drückend schwülen Hochsommerwetters angesagt gewesen wäre) und zum anderen, weil sich auch das Publikum nicht wirklich entblößen wollte, obwohl Sofia dieses durchaus dazu ermunterte. Aber: Sofia schreibt Songs zu Themen wie Nacktheit ("Beautiful Naked") oder Regen ("Florida" und viele andere auch). Sie schreibt überhaupt Songs zu einer Vielzahl von Dingen, über die sich geringere vielleicht nicht mal Gedanken machen: Autos, die richtigen Geschenke, Geister, Freudenfeuer, Kirmes, kalte Füße oder Erlkönige. Insofern ist Sofia schon so etwas wie eine ideale Songwriterin - denn nur, wer über den eigenen Tellerrand schauen kann, vermag es schließlich - wie sie - eine unübersehbare Masse hochklassiger Songs aus dem Ärmel zu schütteln, die eben nicht alle gleich klingen.
Aber noch mal von vorne: Sofia Talvik gehört zu jener Spezies von Musikerinnen, die sich jenseits der allgemeinen Business-Gepflogenheiten und ohne die Unterstützung eines großen Labels oder gar der Industrie, alleine durch die eigene harte Arbeit ihren Traum vom Musikantendasein erfüllt haben. Im Falle von Sofia bedeutet das, dass sie ihren Lebensunterhalt durch rastloses Touren - ungefähr zur Hälfte in den USA und zur Hälfte in Europa - bestreitet. Dass sie in den letzten zehn Jahren auch ungefähr zehn CDs veröffentlicht hat (und zur Zeit an wenigstens drei weiteren arbeitet), spricht zudem für ihre Produktivität. Das bedeutet dann auch, dass es ihr als Performerin mühelos gelingt, einen Konzertabend mit einem Potpourri aus alten und neuen eigenen Songs, gelegentlichen Coverversionen (an diesem Abend eine grandiose, mitreißende Version von Buffy Sainte Maries "Starwalker") und klassischen schwedischen Folksongs zu gestalten, bei dem tatsächlich jeder Song sein eigenes musikalisches Mäntelchen trägt. Obendrein besitzt Sofia als Performerin die Gabe, das Publikum mit einer sympathischen Aufdringlichkeit und Souveränität für sich einzunehmen, die so gar nicht kalkuliert, distanziert oder aufgesetzt rüberkommt. Selbst aufgezwungene Singalongs oder Gesten, wie bei der Zugabe durch das Publikum zu wandeln und während des A-Cappella-Vortrages eines abschließenden schwedischen Folksongs einzelne Zuschauer an der Hand zu nehmen oder zu berühren, nimmt man ihr nicht übel. Ganz im Gegenteil: Sofias Performances machen offensichtlich glücklich. Jedenfalls waren am Ende überproportional viele lächelnde Gesichter im Publikum zu beobachten. Und dass Sofia des Weiteren in der Lage ist, aus ihrem Repertoire wirklich interessante und von den ursprünglichen Versionen abweichende Live-Versionen herauszuschälen, zeichnet sie zudem als geborene Performerin aus. Das tut sie, indem sie etwa das Tempo oder den Rhythmus gegenüber der Studioversionen variiert oder alleine oder im Zusammenspiel mit ihrem Kölner Cellisten David Floer extended Versions ihrer Tracks konstruiert - übrigens mit durchaus überschaubaren, aber effektiven Mitteln, wie z.B. ein um den Fuß geschnallter Schellenkranz, mit dem sie auf einer Fußmatte stampfend einen Rhythmus erzeugt. Zwischen den Stücken unterhält sie das Publikum dann mit den Geschichten, die zu den Songs führten, den Übersetzungen der schwedischen Folksongs oder Späßen, die teilweise auf Deutsch und teilweise auf Englisch vorgetragen werden.
Abschließend darf dann noch festgehalten werden, dass der von ihrem Ehemann Jonas an diesem Abend erzeugte Sound sogar besser war, als jener ihrer selbst veröffentlichten Live-Aufnahmen "Drivin' & Dreaming" und "Live At Pittsburgh Winery". Kurzum: Das war dann ein akustischer Singer-Songwriter-Abend, wie er sich abwechslungsreicher, charmanter und sympathischer kaum hätte gestalten lassen. Schade nur, dass die auf der Setlist aufgeführte Coverversion von Jimmy Webbs "Wichita Lineman" nicht zur Aufführung gelangte...

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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