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Konzert-Bericht
 
Bodenständig

Kitty, Daisy & Lewis
L.A. Salami

Berlin, Privatclub
20.06.2017

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Kitty, Daisy & Lewis
Ein sommerliches Überraschungsei hatten sich Kitty, Daisy & Lewis für die treuesten Fans ausgedacht: Ganze drei Monate vor der Veröffentlichung des neuen Albums "Superscope" nutzten sie den im Berliner Privatclub angesetzten (und im Nu ausverkauften) Showcase, insbesondere das neue Material im intimen Club-Rahmen zu testen - lange bevor es Ende des Jahres dann wieder auf Tour durch die "normalen", wesentlich größeren KDL-Venues geht. Überraschend als Support Act hinzugekommen war noch der kommende Labelkollege L. A. Salami aus London. Der merkwürdige Stage-Name des Mannes mit der akustischen Gitarre ergibt sich aus seinem richtigen Namen, Lookman Adekunie Salami.
Beim Gig im Privatclub beschränkte er sich bei der Präsentation von wenigen, wortreichen, überlangen Folkballaden auf seine Erfahrungen als klassischer Folk-Songwriter (bei seinen Studio-Produktionen kommen dann noch Soul, Rock und Funk-Elemente hinzu). Dabei nahm der Meister das mit den Folk-Traditionen etwas zu genau, verzichtete auf ein Pick-Up für seine akustische Gitarre und spielte diese demzufolge alleine durch ein einsames Mikro - bzw. daran vorbei, weil er sich des Häufigeren beim Vortrag zur Seite drehte. Das führte beim Publikum zu Unmut und dazu, dass aufgrund des extrem lauten Plapperfaktor auch seine - sicherlich interessanten - Lyrics kaum zu verstehen waren. Die undankbare Aufgabe als ungeliebter Anheizer, der nichts zum Anheizen dabei hatte, erledigte er dann auch eher unbegeistert.
Über mangelnde Begeisterung brauchten sich Kitty, Daisy & Lewis natürlich nicht zu beklagen. Nachdem das neue Album trotz Daisys Babypause schon zwei Jahre auf das von Mick Jones produzierte Album "The Third" folgt, schien das Geschwistertrio geradezu unter einer Entzugserscheinung in Sachen Live-Auftritten zu leiden. Denn obwohl die Geschwister Durham gerade einen zweitägigen Interview- und Promotion-Marathon hinter sich hatten (und am Nachmittag noch einen eher ermatteten Eindruck gemacht hatten), stürzten sie sich - mit Unterstützung ihrer Eltern Graeme und Ingrid an Rhythmusgitarre bzw. Bass - mit einer Hingabe und Begeisterung ins Geschehen, die ansonsten nicht einmal hyperaktive Newcomerbands an den Tag legen. Newcomer sind Kitty, Daisy & Lewis heutzutage natürlich nicht mehr. Und ein wenig geht es auf dem neuen Album auch darum, zu demonstrieren, dass man zwischenzeitlich erwachsen geworden ist: Die neuen Songs entstanden nämlich zwar wieder im heimischen Familienstudio in Kentish Town - aber ohne die Zuhilfenahme externer Produzenten und ganz alleine ohne die Eltern. Mit einer gewissen Genugtuung berichtete Kitty z.B. vor der Show, dass das Trio den Eltern nach Abschluss der Aufnahmen erst ein Mal die Bass- und Rhythmus-Parts beibringen mussten, die diese nun auf der Bühne zu performen haben. Die familiären Vorzeichen haben sich also heutzutage mit Sicherheit in gewisser Weise umgekehrt.

An der Dynamik der Live-Auftritte ändert das freilich nichts. Das Programm lief nach dem bewährten Schema ab, nachdem die Autoren der jeweiligen Tracks diese auch entsprechend vortrugen und die anderen sich dann an den restlichen Instrumenten abwechselten. (Kitty an Gitarre, Mundharmonika und Drums, Daisy an Drums, Piano und als Solo-Sängerin und Lewis an Gitarre, Piano und Gesang.) Das Programm bestand dabei gut zur Hälfte tatsächlich aus den neuen Songs - die die Fans natürlich legalerweise noch gar nicht kennen dürften, die aber von dem Trio dennoch als regelgerechte Live-Versionen aufgebohrt wurden, bei denen insbesondere Lewis als Gitarrist kaum ein Halten kannte und mit seinen R'n'B-Tiraden auch immer wieder die anderen anregte, mit ihm zusammen auf instrumentale Exkursionen zu gehen. Ein wenig erstaunlich war das schon, denn das neue Material ist dezidiert als vergleichsweise poppiges, kurzweiliges und vor allen Dingen kurzes Potpourri ausgelegt. Und als Party-Scheibe, denn gleich mehrere der neuen Tracks - wie z.B. "The Game Is On" - beschäftigen sich mit dem Thema, dem Alltagsleben den Stinkefinger zu zeigen und eine gute Zeit zu haben. Aber nicht ausschließlich: In Kittys "Team Strong" geht es um das Thema Freundschaft, Daisys "Black Van" handelt von dem schwarzen Van über den sie ihren Typen kennen gelernt hatte und Lewis beschäftigt sich in seinen Songs gerne mit Beziehungseinordnungen. Aber natürlich fanden auch beliebte Gassenhauer wie "No Action" den Weg auf die Setlist. Der Sound des ganzen Konzertes kam - dem Anlass entsprechend - zugleich entschlackt, bodenständig und ruppig daher. Das lag einfach daran, dass sich hier Musikanten mit mächtig Spaß an der Freude in einem eher intimen (und aufgrund des sommerlichen Wetters saunatauglichen) Rahmen in Rage spielten. Besonders deutlich wurde das gegen Ende der Show, als im Zugabenblock Canned Heats "Going Up The Country" als Sprungbrett für eine viertelstündige Jam-Session genutzt wurde, im Verlaufe derer Kitty sich mit ihrer Mundharmonika ins Publikum begab und Lewis immer wieder mit seinen Riffs das Geschehen ankurbelte. Keine Frage: "Superscope" ist tatsächlich aus jenem Party-Stuff gemacht, den seine Erschaffer im Blick hatten. Jedenfalls nach diesem Bühnenauftritt zu urteilen.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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