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Konzert-Bericht
 
Wehmut, Leidenschaft, Verzweiflung

Lee Fields And The Expressions

Essen, Zeche Carl
17.07.2017

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Lee Fields
Lee Fields hat sie alle kommen und gehen sehen, die großen Soulmen der 60er und 70er. Die meisten der alten Giganten sind heute längst tot, im wohlverdienten Ruhestand oder tingeln mit weichgespülten Lounge-Versionen ihrer alten Hits durch die Casinos der USA. Der kleine Mann mit der großen Stimme aus North Carolina dagegen lässt auch mit Mitte 60 bei seinen Auftritten immer noch (oder besser gesagt: inzwischen wieder) den Geist einer vergangenen Musikepoche aufleben: spröde, warm und herzlich.
Seine allererste Single, "Bewildered", nahm Lee Fields bereits 1969 auf, doch spürbaren Erfolg als Solist hat der Soul-Veteran erst, seit der Erfolg von Amy Winehouse vor rund zehn Jahren das Interesse am klassischen Funk und Soul wieder neu entfacht hat. Mit den sechs weißen Musikern seiner schwer groovenden Band The Expressions, von denen keiner die 60er miterlebt hat, die aber trotzdem so authentisch klingen, als hätten sie schon vor 50 Jahren mit Aretha Franklin oder Otis Redding gespielt, liefert Fields auch in Essen eine Performance ab, die viele im Saal zurücktransportiert in eine Zeit, in der Songs noch echte Seele, noch echte Emotionen hatten. Mal gibt er den Love Man, dann das Arbeitstier und manchmal auch den Mahner und Träumer, der sich eine bessere Welt wünscht: "We can make the world better, if we come together", ist seine eindringliche Botschaft, die zu Beginn seiner Karriere genauso wahr gewesen ist wie heute. Die Songs zwischen Wehmut, Leidenschaft und Verzweiflung, die er an diesem Abend singt, klingen ausnahmslos uralt, stammen aber tatsächlich allesamt aus den Comeback-Werken der letzten Jahre, mit dem innerhalb kürzester Zeit unsterblich gewordenen "Faithful Man" als großem Höhepunkt gegen Ende des 75-Minuten-Auftritts.
Gekleidet in einen silbermetallisch glänzenden dreiteiligen Anzug, den nur schwarze Soulsänger und mexikanische Gameshowmoderatoren ungestraft tragen dürfen, tut Fields in der für einen Montagaband in den Sommerferien gut besuchten Zeche Carl alles dafür, seinem Ruf als "Little JB" gerecht zu werden. Als echte Rampensau tigert er wie einst James Brown schweißgebadet, aber unermüdlich von einer Bühnenseite zur anderen, dreht Pirouetten, singt und kreischt, reißt die Augen weit auf und ist dabei stets nah am Publikum. Trotz alledem ist seine Show höchst ökonomisch, weil er geschickt mit genretypischen Klischees spielt. So schickt er seine je nach Sichtweise arschcool oder latent gelangweilt dreinschauende Band - Gitarre, Bass, Schlagzeug, Orgel, zwei Bläser - zu Beginn und vor der Zugabe erst einmal für eine Nummer allein auf die Bühne, um sich dann stilecht ausufernd und unter tosendem Applaus von seinem Bassisten ansagen zu lassen, und auch sonst nehmen die Publikumsanimationen ordentlich Raum ein. Den Menschen in den ersten Reihen immer wieder die Hände entgegenzustrecken oder es wortreich zum Mitklatschen zu animieren, ist verständlicherweise weniger kraftraubend, als stimmlich den ganzen Abend auf dem gleichen Niveau wie "The Hardest Working Man In Show Business" zu agieren. Nach fünf Jahrzehnten im Geschäft sei ihm das natürlich herzlich gegönnt, zumal der Funke beim Essener Publikum trotzdem überspringt: Am Ende wollen die begeisterten "Zugabe"-Rufe selbst dann nicht verstummen, als das eingeschaltete Saallicht und die Musik aus der Konserve längst klarmachen, dass das Konzert vorüber ist...

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Surfempfehlung:
leefieldsandtheexpressions.com
facebook.com/leefieldsandtheexpressions
en.wikipedia.org/wiki/Lee_Fields
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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