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Konzert-Bericht
 
Energische Traumtänzerin

Juanita Stein
Hugh Macdonald

London, Thousand Island
02.08.2017

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Juanita Stein
Leider wird Juanita Stein, die in London ansässige Frontfrau (und neuerdings auch Solo-Künstlerin) der bis auf weiteres "geparkten" australischen Band The Howling Bells nicht so schnell in Deutschland auftreten. Grund genug, sie also in ihrer Heimatstadt aufzusuchen. Das Thousand Island ist ein kleiner Club oberhalb des legendären The Garage, der nur über eine Treppe zu erreichen ist, deren Stufen so schief und winkelig sind, dass selbst gestandene Seeleute hier ins Schwanken kommen. Eigentlich keine schlechte Grundlage für ein zünftiges Rock-Konzert. Denn - bei aller musikalischen Zurückhaltung, die sich Juanita Stein auf ihrem brillanten Solo-Debüt-Album "America" musikalisch auferlegte: Im Live-Kontext geriet das dann tatsächlich auch zu einem Rock-Konzert.
Zunächst durfte der Lokalmatador Hugh Mcdonald die Show mit einigen eigenen Songs eröffnen. Der sympathisch zurückhaltende Songwriter (der übrigens nicht zu verwechseln ist mit dem leicht anders geschriebenen Bon Jovi Bassisten Hugh McDonald) hat sich dabei ganz auf das klassische Männerschmerz-Theme eingelassen - wie er auch freimütig einräumte und andeutete, dass er seine Songs von seinen Beziehungsdramen inszeniert würden. Zum Glück gehört er dabei dann nicht in die Kategorie der Trauerklöße, sondern vermag es, seine Songs leichtfüßig und eben nicht unnötig depressiv anzurichten und erwies sich dabei als kompetenter Gitarrist und geschickter Songschmied. Und er hat noch einen Kniff gefunden, sein Spektrum zu erweitern. Angeregt durch eine Dokumentation über Glen Campbell (der an Alzheimer erkrankten Country-Legende), schrieb er einen Song über das Leiden des Mannes aus der Sicht eines Angehörigen. Kann man alles machen.
Schließlich betraten dann Juanita und ihre Mannen die Bühne. Dabei überraschte dann zweierlei: Dass Juanita nämlich auf einen hauptamtlichen Gitarristen verzichtete (bis auf einige Gastbeiträge ihres Bruders Joel Stein) und diesen Part somit selbst übernahm - und dass Ganze dann auch noch ein rein elektrisches Set wurde. Denn - und das muss man wissen - Juanitas bittersüsse Hommage an "America" ist - anders als die Howling Bells-Elaborate - kein Rock-Album, sondern eine klassische Singer-Songwriter-Scheibe, auf der Juanita zusammen mit Produzent Gus Seyffert eine Art Dreampop-Variante klassischer US-amerikanischer Country-Musik entwickelte. Davon blieb bei der Live-Umsetzung nicht viel übrig. Prinzipiell wurden alle Songs, die Juanita an diesem Abend spielte, zumindest mit Druck und Power dargeboten. Dabei verzichtete sie von vorneherein auch auf jegliche Howling Bells-Referenzen, beschränkte sich aber keineswegs ausschließlich auf die Stücke von "America", die sich sowieso für ein rockigeres Treatment angeboten hätten - wie z.B. "Florence" oder "Dark Horse", sondern verlieh auch den eher balladeskeren Stücken wie dem Titeltack "America" den notwendigen Punch. Interessant dabei war dann auch, dass sie nicht etwa diese, sondern die Torch-Song-Balladen "Shimmering" und "Not Paradise" aus dem Programm heraus ließ. Stattdessen gab es ein neues, leicht bluesiges Stück namens "Broken Bones", das aber auch nicht wirklich als Ballade durchging - auch wenn Juanita den Haustechniker bat, das Licht etwas zu dimmen (was aber gar nicht ging, da die Bühne sowieso nicht wirklich professionell ausgeleuchtet war).

Die Melancholie der Balladen von "America" verwandelte sich im Live-Kontext also in eine Art erdiger Düsternis - wobei die melodiösen Aspekte durchaus nicht kurz kamen, denn Juanita ist schon eine sehr einfühlsame Performerin. Aufgrund ihrer Howling Bells-Erfahrungen hat sie natürlich auch keine Mühe, sich gegen eine ganze Band als Sängerin zu behaupten. So zerbrechlich wie die Scheibe "America" vermuten lässt, ist Juanita keineswegs. Auch als Musikerin hat sie keine Probleme, sich zu präsentieren, sondern agierte zusammen mit ihrer Band - und überließ dann Joel Stein das eine oder andere Solo. "Habt ihr 'Paris Texas' gesehen?", fragte Juanita ins Publikum, als sie den Songs "Stargazer" ankündigte. "Ja, warum?", fragte jemand zurück. "Ach nur so - ich mag den Film und wie sein Charakter, Travis, durch die Gegend läuft und dabei wie ein Traumtänzer in den Himmel schaut. Er hat 'Stargazer' inspiriert." Geschichten wie diese bildeten aber die Ausnahme bei dem kurzen Set, das Juanita ansonsten ganz im Sinne ihrer Songs (die eigentlich dann auch selbsterklärend sind) als No-Nonsense-Veranstaltung konzipiert hatte. Mit diesem Ansatz nahm sie übrigens vorweg, was sie für ihre nächste CD geplant habe: Etwas energischer aufzuspielen und mit mehr Up-Tempo-Elementen zu arbeiten, nämlich. Gut unterhalten fühlte man sich als Zuschauer - dank Juanitas selbstverständlicher und überhaupt nicht aufdringlicher Bühnenpräsenz - am Ende durchaus; und das, obwohl sie sich weigerte, eine Zugabe zu geben. Dafür stand sie dann allerdings den Fans nach der Show noch rede und Antwort. Und zuguterletzt versicherte sie auf Nachfrage dann auch, dass sie Ende des Jahres doch mal den Weg auf unsere Bühnen zu suchen gedenkt. "No worries" also - wie der Australier zu sagen pflegt...

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Surfempfehlung:
www.juanitastein.com
facebook.com/msjuanitastein
facebook.com/hughsmusic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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