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Courtney Marie Andrews
Laura Gibson

Nijmegen, Doornroosje
08.09.2017

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Courtney Marie Andrews
Da hatte endlich mal jemand mitgedacht: Eigentlich hätte Laura Gibson am gleichen Abend wie Courtney Marie Andrews in einem anderen Club im niederländischen Nijmegen spielen sollen - bis dann auffiel, dass sich die potentielle Zielgruppe beider Acts reibungslos überschnitten hätte, so dass es durchaus Sinn machte, sowohl Laura als auch Courtney zusammen zu buchen. Das war auch noch aus einem anderen Grund sinnvoll: Beide Acts befinden sich im Abschluss der Touren zu den jeweils letzten Tonträgern (im Falle von Laura "Empire Builder" und im Falle von Courtney "Honest Life") und waren bereits zum wiederholten Male in den Niederlanden diesbezüglich unterwegs gewesen.
Aber während Laura weiland mit Band aufgetreten war, war Courtney damals alleine unterwegs gewesen - und dieses Mal war es genau umgekehrt. Laura spielte also ihr akustisches Solo-Programm, in dem sie die Songs insbesondere ihrer letzten beiden Alben (die dortselbst ja zunehmend abenteuerlicheren arrangementstechnischen Experimenten unterworfen sind) wieder auf ihre folkige Ursprungs-Gestation zurück. Bzw. erweckte sie an dem Abend den Eindruck, dass sie im Laufe der schon längere Zeit andauernden "Projekt-Abschiedstournee", die sie ja vor einigen Monaten auch nach Deutschland geführt hatte, wieder eine gewisse Freude daran gefunden hat, sich auf ihre folkigen Roots zu beziehen und demzufolge Tracks wie z.B. den Titeltrack von "Empire Builder" wieder in einem gediegenen Folksetting auflegte - was die Perspektive auf diese Songs dann auch dementsprechend veränderte und z.B. das Ohrenmerk wieder stärker auf die Texte legte. Unterbrochen von durchaus charmanten Ansagen zur Herkunft der Songs (die sich oft auf Lauras Herkunft und Lebenssituation beziehen), die bei der letzten Tour krankheitsbedingt hatten ausfallen müssen, konzentrierte sie sich also ganz auf die erzählerischen Strukturen ihres Materials und - wie gesagt - auf die letzten beiden Tonträger. Angereichert wurde das Set durch einen neuen Track - denn zwischenzeitlich hat Laura begonnen an neuem Material für das (vermutlich im Laufe des nächsten Jahres) kommende Album zu arbeiten. Dieser Track war dann auch ziemlich folky und spieltechnisch durchaus anspruchsvoll - leider aber noch nicht ganz fertig und insbesondere noch namenlos.
Bei Courtney Marie Andrews ist die Gemengelage eine andere, denn ihr Set bestand wenigstens zur Hälfte aus brandneuen Tracks. "Gleich nach dieser Tour werden wir ins Studio gehen, und die neuen Songs für ein neues Album einspielen", erklärte Courtney, "ihr werdet euch vielleicht fragen, warum ich schon wieder ein neues Album aufnehmen will, wo das alte doch gerade erst erschienen ist. Nun, das liegt daran, dass wir dieses bereits vor drei Jahren aufgenommen haben. Ich habe es ein Jahr lang herumgeschickt, ohne eine Resonanz zu bekommen und erst dann ist es vor anderthalb Jahren in den USA erschienen und dann dieses Jahr auch endlich in Europa. Deswegen wollen wir heute die neuen Songs testen. Das ist dann sozusagen unsere Vorproduktion." Nicht, dass sich irgendjemand über diese Strategie hätte beklagen wollen. Denn erstens bekommt man so etwas ja nicht oft geboten und zweitens waren die neuen Songs wirklich allesamt brillant. In der Tat könnten es sich Courtney und ihre Musiker leisten, die Songs ohne irgendwelche Änderungen in dieser Art einfach live im Studio einzuspielen - denn da saß wirklich jeder Ton dort, wo er hingehört. Dadurch, dass Courtney nun einer kompletten Band vorstand, ergaben sich auch stilistisch neue Möglichkeiten. Schon bei den Interviews zu "Honest Life" hatte sie angedeutet, dass sie nicht unbedingt bis in alle Ewigkeiten Country-Songs machen wolle - und so überraschte sie dann in Nijmegen dadurch, dass die auf ihren letzten drei Tonträgern - und auch auf der vorangegangenen Solo-Tour - dominierenden Country Elemente vollkommen in den Hintergrund traten. Mal abgesehen davon, dass sie als letzte Zugabe dezidiert den Country-Rausschmeißer "Tonight I'll Be Staying Here With You" spielte, ging es ansonsten eher soulig/rockig zur Sache.

Der Vergleich hinkt zwar ein wenig, aber in den Momenten inspirierten Zusammenspiels - insbesondere dann, wenn die brillante Gitarristin CMA selbst zur E-Gitarre griff -, erinnerte die Sache in Bezug auf die lockeren Grooves durchaus an The Band oder gar Van Morrison. Dieses auch, weil erstens keine klassischen Country-Instrumente (wie Steel-Guitar oder Fiedel) zum Einsatz kamen und zweitens, weil sie auch einen Keyboarder mit an Bord hatte, der mit seinen Hammond- und Piano-Sound zusätzlich für soulige Elemente sorgte. Dazu passend sind die neuen Tracks wie z.B. "Long Road Back To You", "Kindness Of Strangers" oder das als Zugabe eingestreute, solo vorgetragene "Rough Around The Edges" entsprechend ambitioniert angelegt und überraschen mit einer gewissen Grandezza und Dynamik, die man so von Courtney bislang noch nicht unbedingt gewohnt war. Neben den neuen Tracks standen die Highlights von "Honest Life" und dem vorletzten Album "On My Page" (das nun auch in einer Vinyl-Version vorliegt) auf dem Programm, die Courtney mit für ihre Verhältnisse ausführlichen Erläuterungen versah und gerne auch mal in knappen Solo-Versionen auf den Punkt brachte. Für "Paintings From Michael" - ein Song über Bilder, die ihr ein Onkel, den sie persönlich nie gesehen hatte aus dem Gefängnis schickte - setzte sie sich gar ans Piano. Hierzu hatte sie sich erst vor kurzem durchringen können. Abgerundet wurde die Sache durch ein Paar Tracks, die Courtney im Umfeld der "Honest Life"-Aufnahmen geschrieben hatte. Zwei davon - "Sea Town" und eine Studio-Produktion von "Near You" (live einer der Höhepunkte des Sets) sind soeben auf einer 7"-Single erschienen und den politisch motivierten Protestsong "Heart and Mind" hatte sie an ihren Geburtstag geschrieben - der zufällig mit der Wahlnacht in den USA zusammen fiel, unter deren Eindruck dann dieser Song zum Thema "Woman's Lib" entstand. Kurzum: Oft sind solche "Wiederholgungs-Dates" ja nur etwas für absolute Hardcore-Fans. In diesem Fall war das Ganze dann aber eine grandiose Überraschungsparty mit vielen neuen Aspekten. Schade also, dass es in dieser Konstellation bei uns nur einen einzigen Termin in Berlin geben wird...

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Surfempfehlung:
www.courtneymarieandrews.com
www.facebook.com/CourtneyMarieAndrews
www.lauragibsonmusic.com
www.facebook.com/lauragibsonmusic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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Mehr über Courtney Marie Andrews:
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