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Kann passieren!

Leslie Clio
Lee MacDougall

Köln, Luxor
06.10.2017

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Leslie Clio
"The Only Way Up Is Down" singt Leslie Clio auf dem Track "Darkness Is The Filler" von ihrem aktuellen Album "Purple". Um genügend Ecken gedacht, hätte dieses auch das Thema ihrer aktuellen Live-Show gewesen sein können - denn hier setzte Leslie im Gegensatz zu ihren vorangegangenen Touren nicht etwa noch mal eins drauf, sondern präsentierte sich im sparsamen Trio Format mit Drums, Keyboards und sich selbst. Und klar: In diesem Schritt zurück und der damit verbundenen Besinnung auf das Wesentliche liegt dann sicherlich auch der Kern künftiger Entwicklungen - denn darauf lässt sich ja wieder aufbauen. Bevor das Ganze aber vollkommen ins Hypothetische abdriftet, sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass das Thema des Abends ja gar nicht der Rückbau gewesen war, sondern das, was alles passieren kann. Mit "Kann passieren!" erklärte Leslie Clio nämlich im Kölner Luxor so ziemlich alles, was mit den Stories hinter ihren Songs zu tun gehabt könnte - von dem Umständen ihrer sinnbildenden Reise nach Hawaii über die Zufälle, die beim Songwriting so alle eine Rolle spielen können, bis hin zu der abenteuerlich haarsträubenden, und mit phantastischen Details ausgemalten Geschichte über jenen Tag an dem so ziemlich alles schiefging, dass das Resümee daraus einfach nur hatte lauten können: "I Couldn't Care Less" - zufällig auch der Titel von Leslies zweiter Single und somit einer ihrer alten Gassenhauer.
Einhergehend mit der musikalischen Beschränkung - und dem eher düsteren Grundtenor des "Purple"-Albums - war auch die Bühnenpräsentation seitens Leslies zurückgefahren worden. Auf er erstaunlich leeren Bühne präsentierte sich Leslie mit zwei Mikrophonen zwischen ihren Musikanten stehend im Halbdunkel. Denn mit dem spärlichen Bühnensetting kam auch eine entsprechend spärliche Beleuchtungsdramaturgie hinzu. Wogegen eigentlich nichts zu sagen gewesen wäre - denn diese war mit auf dem Boden liegenden Lichtleisten und ausgefeiltem Farbschema durchaus durchdacht - ABER: Das Kölner Luxor ist aufgrund seiner schlauchartigen Konstruktion und der extrem niedrigen Bühnenanordung ja nicht eben als anwenderfreundlich für kleinere Konzertbesucher (aus denen Leslies Publikum großteils besteht) verschrien. Und da Leslie auch nicht besonders groß ist und zudem dann eben teilweise kaum beleuchtet wurde, war die Sache zumindest optisch für einen Großteil des Publikums kein besonderer Genuss. Das schien Leslie auch irgendwann klar zu werden und so gab sie sich Mühe, zumindest am Bühnenrand das Publikum einzubeziehen und erlaubte sich später auch diverse Ausflüge ins Auditorium (einen davon allerdings hauptsächlich, um ein Handy zeitweise zu beschlagnahmen).

Zum Glück geht es ja aber auch um die Musik bei solchen Veranstaltungen. Und da bekam das Publikum dann einiges geboten - jedenfalls der Teil des Publikums, der echte Live-Musik und nicht eine 1:1-Reproduktion des Studio-Albums erwartet. Aufgrund dessen, dass Leslie das Material von Purple stark collagiert erabeitet hat (so ihre Bezeichnung der Technik), mussten die Stücke für eine Live-Präsentation relativ stark umarrangiert werden. Und hier kam man dann auf die Idee, verstärkt mit Keyboards (inklusive E-Bass) zu arbeiten und die Rhythmen durch allerlei Gedöns (Rasseln, Triangel, Samples und ein Drum-Pad für Leslie selbst) entsprechend aufzubohren. Aufgebohrt wurden dabei auch die Songstrukturen selbst: Mehr als ein Mal narrte Leslie zum Beispiel das Publikum, indem sie in einen bereits zu Ende geglaubten Song noch mal einstieg oder aber mit unerwarteten Jam-Parts überraschte. Und dann wurde mittels der erwähnten Mittel auch mächtig an der Dynamik (und Dramatik) gedreht. Ein gutes Beispiel hierfür war z.B. der neue Track "Game Changer". Dieses ist ein besonderes Stück für Leslie. "Das ist mein Lieblingsstück von meiner eigenen Platte", erklärte sie, "jeder hat nämlich ein Lieblingsstück - und diejenigen, die sagen, sie hätten keines, die lügen." Schon als sie dden Song geschrieben habe, habe sie sich gedacht, dass dieses ja mal ein schönes Stück sei und dass dieses sie wohl von nun an auf ewig begleiten werde. Mal sehen - aber auf jeden Fall gaben sich Leslie und ihre Jungs alle Mühe, dieser Empfindung musikalisch Nachdruck zu verleihen und inszenierten den Song als eine sich steigernder Mini-Operette mit mitreißendem Crescendo-Finale. Zweifelsohne war das ein Highlight der Show. Natürlich war nach dem Reduktions-Prinzip auch das andere Extrem - die melancholisch-bluesige Solo-Nummer - möglich; wie z.B. im Fall der zweiten Zugaben-Nummer "Only A Fool Breaks His Own Heart" - einer Coverversion, die Leslie bereits früher gespielt hatte, zu der ihr der Komponist des Songs, Norman Bergen, dem Vernehmen nach bereits persönlich gratuliert habe. Eine weitere Cover-Version - Destiny's Childs "Survivor", die Leslie auf ihrer soeben erschienen "Unplugged-EP" veröffentlicht hat, fand ebenfalls den Weg auf die Setlist. Insgesamt überzeugte Leslie Clio bei dieser Show (wegen des sparsamen Settings) vor allen Dingen als passionierte Alleinunterhalterin, die insbesondere auch durch ihr komödiantisches Talent mit Stand-Up-Qualitäten überraschte. Und nach der Show war noch genügend Restenergie übrig, um zahlreiche Fans mit Signaturen und Selfies zu beglücken. Kann passieren!

Leslie Clio
NACHGEHAKT BEI: Leslie Clio

Gerade noch rechtzeitig zu ihrer Tour hat Leslie Clio eine "Unplugged"-EP herausgebracht, auf der sich - wie der Titel schon vermuten lässt - einige neue Songs von "Purple" (nämlich "Game Changer", "Lies Are Gold" und "Riot") in einem akustischen Gewand, ein bislang unveröffentlichter Song namens "Why Cry" und die Cover-Version "Survivor" von Destiny's Child befinden. Was hat es mit dieser auf sich?

Leslie: Die Motivation ein Cover zu machen ist ja in erster Linie - ganz stumpf -, dass man sich mit dem Song identifiziert und ihn mag. Und dass man ihn im zweiten Schritt natürlich in seine eigene Welt reinholt. Ich mag Cover-Versionen grundsätzlich - wenn es nach mir ginge würde ich sofort ein Cover-Album raushauen - das mache ich auch irgendwann, denn man muss immer viele Ziele haben. Und im Fall von "Survivor" ist das so, dass ich damit aufgewachsen bin, denn ich komme natürlich aus der Generation Destiny's Child. Als die Platte rauskam, war ich 14 und habe es mega gefeiert. 15 Jahre später ist das natürlich nicht mehr die Sache, die ich dauernd höre, aber sie reiht sich - auch textlich - auch gut in meine Geschichte ein.

GL.de: Die neuen Aufnahmen kommen noch bluesiger rüber als die Versionen auf "Purple" und Leslie deutete ja auch schon an, dass sie in diese Richtung gehen wolle. Ist das der erste Schritt in die Richtung?

Leslie: Das ist ja interessant. Ich sage immer gerne: 'Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?". Daran kann ich mich nicht erinnern, dass ich das gesagt habe, aber es ist interessant - und heute würde ich vermutlich etwas anderes sagen. Aber das ist eher etwas, was ich nach der Tour mache. Jetzt bin ich erst mal ganz woanders.

Was die Aufnahmen betrifft, so müsstest du einfach mal im Studio dabei sein, um zu sehen, wie das läuft. Wenn man grundsätzlich anfängt, etwas anders zu instrumentieren, verändert sich natürlich die Klangfarbe. Das ist ja das schöne an Songs, dass gute Songs in jedem Kostüm gut aussehen. Wie so ein Top-Model. Ein guter Song ist wie ein Top-Model. Wir haben die Songs in drei Tagen eingespielt. Am ersten Tag haben wir die Songs ausgesucht und dann mit "Lies Are Gold" klassisch mit einer Piano-Version angefangen. Bei "Game Changer" sind wir zurück zur Demo-Version gegangen und als wir dann "Riot" aufgenommen haben, haben wir auch erst mit Klavier probiert und beim Einsingen fanden wir das dann langweilig, weil wir das bei "Lies Are Gold" ja schon so gemacht haben - und dann dachte ich mir, dass etwas "Bossa-Noviges" ganz nett wäre und da sind wir dann auf die Rhythmus-Maschine in der Heimorgel gekommen. Das haben wir aber nicht mit einem vorher festgelegten Plan gemacht, sondern so, wie man ein Album eben kuratiert.

GL.de: Worauf konzentriert sich Leslie bei ihren Live-Auftritten?

Leslie: Das ist aber eine große Frage, weil ich es natürlich liebe auf der Bühne zu stehen und weil ich auf er Bühne am Ende des Tages auch einfach am meisten Sinn mache. Da spielt so viel zusammen. In die Augen meines Keyboarders zu schauen - das ist das größte für mich.

GL.de: Das ist aber doch ganz schön schwierig, weil dieser doch hinter Leslie steht. Worum geht es also wirklich, auf der Bühne?

Leslie: Es kommt komplett auf den Song an. Jeder Song hat eine andere Lockline, einen anderen Landesatz und auch die Grundemotionen sind total unterschiedlich. Für mich geht es live darum, die Songs rüberzubringen. Es geht nicht darum dass mein Haar sitzt, es geht nicht darum, dass ich eine gute Figur mache oder um dies das Ananas, sondern es geht darum, dass wir die Songs als Band zusammen präsentieren. Wir haben das alles zusammen einstudiert, jedem Lied seine Klangwelt gegeben, wir haben verschiedene Collagen ausprobiert und mein Job ist es dann, den Song zu performen.

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Surfempfehlung:
www.leslieclio.com
www.facebook.com/LeslieClio
leemacdougallmusic.com
www.facebook.com/leemacdougall
www.youtube.com/watch?v=CKMiHYCmCDE
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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