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Zeitreise

Locas In Love
Peer

Köln, Britney
19.11.2017

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Locas In Love
Die Locas In Love gehören ja nun wirklich schon zu den Dinosauriern der Kölner Indie-Szene. Diese plumpe Wortspielerei sei an dieser Stelle erlaubt, weil die Band zum zehnjährigen Jubiläum der Veröffentlichung ihres Albums "Saurus" (!) die Zuhörer auf der aktuellen Tour mit auf eine Reise in die Urzeit (!) der Bandgeschichte nahm - denn obwohl die Locas schon seit 2001 aktiv und berüchtigt sind, ging das Ganze auf Stadienebene erst so richtig mit der Veröffentlichung des angesprochenen Musik-Fossils (!) so richtig los. ("Stadienebene" definiert sich laut Ober-Loca Björn Sonnenberg übrigens so, dass ca. 200 Leute im Chor mit der Band "Nein, Nein, Nein" singen, wie 2012 auf dem gleichnamigen Album - nur um die Dinge mal ins richtige Verhältnis zu setzen).
Die Idee mit der Zeitreise fand dann auch der Support Act, Peer Göbel, super - denn der erinnerte daran, dass er damals, 2007, schon im Stereo Wonderland als Gast bei der ersten "Saurus"-Präsentation mit dabei gewesen sei. So, wie dieses Mal - wo er nicht nur als Anheizer, sondern auch als Multiinstrumentalist an Keyboards, Gitarre und Geige engagiert war. Als Anheizer hatte er dann freilich einen schweren Stand. Zum einen wissen Locas-Fans natürlich, was sie unterhaltungstechnisch bei einer Live-Show dieser aus "Seltsamen Leuten" bestehenden Band erwarten - und sind demzufolge verschnuppt - und dann spielte Peer auch noch ganz alleine auf seiner Wandergitarre (und kurz am Piano). Hier machte sich dann die musikalisch überschaubare Qualität seines dann doch eher auf Comedy ausgerichteten Musikprogrammes bemerkbar. Zwar hat der Mann ein Album mit Ultrakurz-Stücken herausgebracht, die man an das Ende eines Mixtapes setzen könnte und er zitierte auch redlich aus seinen verschiedenen Projekten (unter anderem auch einem englischsprachigen) - allgemein stellte sich aber dann doch schnell ein Gewöhnungseffekt ein. Außerdem sind Peers Texte zuweilen so hakelig, dass man Angst bekommt, dass er sich seine Zunge brechen könnte. Auch die Idee, das Publikum zum Mitsingen zu überreden, zündete nicht richtig. Höflicher Applaus am Ende des zu langen Sets war die Folge.
Das Konzept des Projektes "Saurus" ist natürlich schnell erzählt: Anlässlich der Veröffentlichung der ersten Vinyl-Deluxe-Version des "Saurus"-Albums nutzte man die Gelegenheit, das komplette Album erstmals live zu spielen. Das ist zur Zeit ja fast schon in Mode - und sicherlich keine schlechte Idee, denn wo gibt es ansonsten heutzutage schon die Möglichkeit, eine Gruppe von Leuten zu zwingen, ein ganzes Album von vorne bis hinten durchzuhören? Wahrscheinlich gehören die Locas-Fans (die - laut Björn - vermutlich ja genauso seltsam sind, wie die Band, die sie mögen) sogar noch zu jener Spezies Musikfreunde, die tatsächlich noch ganze Alben zu Hause haben - aber man weiß ja nie. Unterhaltungstechnisch fiel da - besonders im Vergleich zu früher - folgendes auf: Die Ansagen von Björn Sonnenberg sprühen auch heutzutage noch vor intelligentem, zuweilen ins Nichts führendem Irrwitz - sind aber dann doch stellenweise etwas - wie soll man sagen - stoischer geraten als früher (wo die Welt ja noch sperrangelweit offen zu stehen schien). Unterhaltungstechnisch gab es dann eigentlich alles, was ein Locas-Konzert gemeinhin auszeichnet: Björns Ansagen, Disco-Anmache, einen Song zum Mitpfeifen, zu dem der Meister durch das Auditorium wandelte, ein Paar Songs am Keyboard, bandinterne Jam-Sessions und immer wieder begeisterte Gesangsbeiträge aller Beteiligten - ob mit oder ohne Mikro. Die Band spielte übrigens im Kerntrio - neben Björn Sonnenberg und Stefanie Schrank also mit dem Gründungsmitglied Jan Niklas Jansen - sowie zusätzlich dem ehemaligen und nun wieder aktuellen Drummer Maurizio Arca und eben Peer Göbel als Gastmusikant.

Trotz all dem: Musikalisch haben sich die Locas eigentlich sozusagen überhaupt nicht weiter entwickelt und machen noch genau den sympathisch ungebügelten Schrammelpop, wie vor 17 Jahren (zugegebenermaßen mit einer gewissen Routine aber immer auch mit der nötigen Ehrfurcht vor dem musikalischen Zufall). Was allerdings bei allen anderen Acts ein Todesurteil wäre, ist in diesem Fall als Lob gemeint - denn sich und seinen musikalischen Prinzipien dergestalt treu zu bleiben, ist ja auch irgendwie eine besondere Leistung. Und ein Statement: Die Locas lassen sich nicht verbiegen - weder vom Erfolg, noch von dessen Ausbleiben -, sondern machen einfach das, was sie wollen; ohne sich um Trends, Moden oder gar musikalische Konventionen zu scheren. Das Prinzip der Band - also "zu machen, was man will" - erhob Björn dann auch zum Prinzip des Abends und legte das dem Publikum nahe, als er dieses nach einem Zugabenblock (der aus ausgewählten Songs aus allen Phasen der Bandgeschichte bestand) wieder in die Jetztzeit verabschiedete. Back to the Future, sozusagen...

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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