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Zum Niederknien

Destroyer

Düsseldorf, Capitol Theater
19.11.2017

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Destroyer
Zum Abschluss des New Fall Festivals, dessen Macher in diesem Jahr zum siebten Mal viele feine Acts - von Michael Kiwanuka über Julien Baker bis hin zu Thurston Moore - zu leider völlig überzogenen Eintrittspreisen in einigen der schönsten Locations Düsseldorfs auf die Bühne gebracht haben, gastiert Dan Bejars kanadisches Musikerkollektiv Destroyer im an diesem nasskalten Sonntagabend nur spärlich gefüllten Club des Capitol Theaters und löst dabei ein Versprechen ein, das uns der kauzig-geniale Frontmann vor einigen Wochen im Gaesteliste.de-Interview gegeben hatte.
"Wir werden die neuen Songs für die Band passend machen, anstatt die Band dem Sound der Platte anzupassen", hatte Bejar im Vorfeld der Deutschlandtournee seiner Band versprochen. Dass das nicht geflunkert war, war im alten Straßenbahndepot im Schatten des Düsseldorfer Hauptbahnhofs praktisch vom ersten Ton an spürbar. Denn auch wenn auf dem neuen Destroyer-Album "Ken" unüberhörbare New Order-Anklänge im Mittelpunkt stehen und die Songs eher in kleiner Runde am PC als mit der kompletten Band im Proberaum Form annahmen: Live setzt das achtköpfige Ensemble nur vereinzelt auf Beats aus dem Sampler und fasziniert lieber mit Handarbeit und einer einmal mehr grandios organischen Performance, bei der oft nur die prägnanten Peter Hook-Basslines daran erinnern, dass auf "Ken" 80s-Synth-Flair regiert. Selbst die Keyboards rücken im Live-Kontext ein Stück weit in den Hintergrund, lassen viel Raum für Trompete, Saxofon, zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug. Yachtrock nennt sich das Genre, in das die Presse den wunderbar relaxten Sound der Kanadier in der Vergangenheit oft gezwängt hat, doch die Musik Destroyers ist viel weniger beliebig und klanglich viel breiter aufgestellt, als das Etikett es nahelegt. Die vornehmlich aus den letzten drei Alben stammenden Lieder, die es an diesem Abend auf die Setlist geschafft haben, vereinen lupenreinen Pop, samtigen Soul, spritzigen Cocktail-Jazz, einen Hauch von Glam-Rock und einen Schuss Indie-Coolness zu einem dicht gewebten Soundteppich und kommen dabei doch stets beeindruckend leichtfüßig daher. Kein Wunder, dass nicht wenige im Publikum die großzügigen Platzverhältnisse zum Tanzen nutzen.
Die Begeisterung unter den Zuschauern überträgt sich auch auf die Band. Die Musiker sind gut aufgelegt an diesem Abend. Immer wieder tauschen sie vielsagende Blicke und kleine Späßchen untereinander aus. Der Chef ist der Einzige an diesem Abend, dem nie ein Lächeln über das Gesicht huscht. Doch auch wenn Bejar nominell natürlich der Kopf von Destroyer ist und bleibt, wird in einer Szene deutlich, dass Drummer Josh Wells nicht nur im Studio als Co-Produzent von "Ken" zu Bejars rechter Hand aufgestiegen ist. Zur Mitte des Konzerts ist er es und nicht etwa der Sänger, der mit einem kurzen Ausflug nach vorn zum Bühnenrand für eine kurzfristige Änderung auf der Setlist sorgt: "Suicide Demo For Kara Walker" aus dem neuen Album wird gestrichen, "Poor In Love" rutscht dafür kurzerhand ins Programm. Überhaupt finden Destroyer an diesem Abend Gefallen daran, vom Standard abzuweichen. Mit "Kaputt", dem Titelsong ihres brillanten 2011er-Breakthrough-Albums, "The River" aus dem umwerfenden Nachfolger "Poison Street" und der selten gespielten neuen Nummer "A Savage Night At The Opera" als einzige Zugabe würfeln Destroyer ihre Songauswahl ordentlich durcheinander und verzichten dafür auf einige der eingängigsten Stücke wie "Dreamlover" oder "Bangkok". Dass das dem Konzert überhaupt nicht schadet, unterstreicht die Qualität von Destroyer als Live-Band.

Bejar konzentriert sich, nachdem er im letzten Jahr noch solo mit Akustikgitarre getourt war, derweil wieder voll auf seine Rolle als Sänger und steht bisweilen scheinbar gedankenverloren in der Bühnenmitte, um seine herrlich unaufgeregten Songs oft sogar ohne großen (Blick-)Kontakt mit dem Publikum zu singen, während er - auch das eine Parallele zu früheren Jahren - bei den ausführlichen Instrumentalpassagen immer wieder in die Knie geht und sich einmal sogar neben seinen Mikrofonständer auf den Bühnenboden setzt. Offenbar tut er das, um niemandem die Sicht auf seine brillanten Mitstreiter zu versperren, vielleicht findet er aber auch selbst - wie viele hingerissenen Zuschauer - diesen famosen Auftritt einfach nur zum Niederknien.

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Surfempfehlung:
www.facebook.com/Destroyer
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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