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Angelika Express
The Town & The City

Köln, Museum
01.12.2017

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Angelika Express
"Heute Abend gibt's richtig Ramba Zamba", kündigte Robert Drakogiannakis die Release-Show der brandneuen Angelika Express-Scheibe "Letzte Kraft voraus" im Kölner Museum an - nachdem er im Sommer auf dem Indie-Cologne-Fest schon einige neue Songs im abgespeckten Duo-Format präsentiert hatte. Der Kölner Museum-Club (eigentlich eine doppelstöckige Kneipe mit Spielnische für überschaubare Musik-Acts) war dabei mit ihrem wirren Anarcho-Charme durchaus geeignet, dem unerbittlichen Power-Pop-Programm der Lokalmatadoren einen würdigen Rahmen zu verleihen. Auch, wenn das - bauartbedingt - bedeutet, dass die meisten der Fans nicht so recht sehen konnten, was Robert und seine Musikant(inn)en da so auf der Bühne trieben.
Bevor es mit der Beinahe-Punk-Party dann losgehen konnte, spielten "Paradise" und Urgestein Wolly Düse - ihres Zeichens 2/3 des ebenfalls lokalen Projektes The Town & The City - einen kurzes Akustik-Set, das sich zwar nur schwerlich als Anheizer-Gig einordnen ließ, aber durchaus den Boden für eine angenehme musikalische Grundsättigung bereitete. Die bewusst zurückhaltend dargebotenen Songs des Duos überzeugten mit einer gesitteten Americana-Stimmung, die sich sowohl an den Folk-Traditionen der Altvorderen, wie auch an der romantischen Fernweh-Grundhaltung Jack Kerouacs, dem das Projekt seinen Namen verdankt, orientierten. Die Rock-Roots der Band kamen dann nur durch eine akustische Coverversion von Televisions "Marquee Moon" zum Tragen. Das war dann mal einer dieser relativ seltenen Support-Geschichten, die musikalisch so gar nicht zum Hauptact passen, aber dennoch für einen angenehm versöhnlichen musikalischen Einstand gut sind.
Ein Blick auf die Setlist von Angelika Express verriet dann ein ums andere Mal Roberts Faible, die Sache - alle Sachen - ohne Umschweife kurz und knapp auf den Punkt zu bringen. Nicht nur, dass der Meister seine Songs allesamt im knapp bemessenen Pop-Format nach Hause bringt, auch inhaltlich ist Robert Drakogiannakis kein Mann langer Worte, sondern hat sich angewöhnt, seine Aussagen oft und gerne in Form von Slogans auf den Punkt zu bringen und - was die Setlist betraf - diese dann auch noch in griffigen Abkürzungen zu verdichten: "WWW", "RFR", "TFG", "CDU", "LKV" oder "BRD" hieß es da kurz und knapp. Was noch gefehlt hätte, wäre USW gewesen. Oder MFG - Mit freundlichen Grüßen. In gewisser Weise ist die Musik von Angelika Express da für unsere schnelllebige Zeit mit immer kürzeren Aufmerksamkeitsspannen durchaus geeignet. Und das soll keine Kritik sein, denn etwas kurzweiligeres als eine Angelika Express-Show wird man vermutlich nicht so schnell finden. Elaboriertere Songs - wie z.B. die genialische aktuelle Hitsingle "Vinylbeton" -, die mehr als drei Akkorde enthalten und sogar so etwas wie eine lyrische Note ("Vinylbeton" ist ja schon irgendwie lyrisch) enthalten, bilden da eher die Ausnahme als die Regel. Wes Geistes Kind Robert und seine Musikanten sind, kommt auch mehr oder minder deutlich zum Ausdruck - und das nicht nur wenn "Teenage Fanclub" direkt im Text angesprochen werden. Ein wenig Punk-Attitüde, Anarchie, Provokation und Agitprop gehören mit Songs wie "Pornographie", "Rock Fucker Rock" oder "CDU und Du" (heuer mit Publikums Helene Fischer-Chor-Beteiligung) natürlich nach wie vor zum Programm. Aber auch wenn auf der neuen Scheibe - wie z.B. im Titeltrack - Sozialkritik und Politik ihre Schatten werden - im Zentrum der philosophischen Feinheiten steht am Ende dann aber doch wieder das "Party-machen" - gerne direkt und indirekt bearbeitet in Sachen wie "Alkohol" oder "Du trinkst zu viel". Robert Drakogiannakis präsentiert sich dabei als gut gelaunter, quirliger Kleinorchester-Leiter, gewiefter Gitarrist und hyperaktiv/kompetenter Performer - kann sich dabei allerdings auch eine mindestens ebenso motivierte Band verlassen. Die Idee, mit zwei Drummern zu spielen, sorgt dabei keineswegs für Southern-Rock-Ausfälle, sondern für lediglich mehr Druck, da Caddy Cardeneo und Valentin Mayr es schaffen, tatsächlich wie ein Mann zu spielen - nur eben doppelt so viel. Rhythmusgitarristin Annick Manoukan und Bassistin Dani vermitteln dann - ebenso wie die anderen - den Eindruck, als hätten sie die Musik, die sie spielen, soeben erfunden. Und das, obwohl die Band im Prinzip schon seit 2002 agiert (wenn auch nicht mit derselben Besetzung) und die Beteiligten eben keine blutjungen Newcomer mehr sind. Insgesamt könnte man so etwas ohne großen Aufwand alles sehr viel gefälliger, aber auch langweiliger und vorhersehbarer inszenieren. Dafür, dass das Robert & Co. aber eben nicht tun, gebührt ihnen Ehre und Dank.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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