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Tom Grennan
Emily Roberts

Köln, artheater
12.12.2017

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Tom Grennan
Für Tom Grennan war die Sache gleich klar: "Das ist mein erstes Mal in Köln und da habe ich gleich den fucking Club ausverkauft. Das ist verdammt großartig. Ich werde bestimmt zurückkommen", meinte er gleich nachdem er das Publikum mit seinem ersten Hit "Found What I've Been Looking For" zu frenetischen Begeisterungsstürmen hingerissen hatte. "Das ist ja verdammt noch mal besser als in England", freute sich Tom über den stürmischen Applaus. Seinem Masterplan, letztlich so "huge" wie möglich werden zu wollen, scheint also nichts Wesentliches im Wege zu stehen. Zugegeben: Das artheater ist zwar nicht der größte Club der Domstadt - aber so richtig ausverkauft ist er auch nicht so oft. Und das bei einem Newcomer-Act, der noch gar keinen Longplayer herausgebracht hat.
Fertig ist das Debüt-Album von Tom Grennan - das er bezeichnenderweise "Lighting Matches" nennen wird - zwar schon seit einiger Zeit, aber erscheinen wird es - voraussichtlich - frühestens im März. (Das hängt mit der Marketing-Philosophie der Major Labels zusammen, die es zur Zeit tatsächlich noch mal versuchen wollen, neue Künstler sorgsam aufzubauen anstatt zu versuchen, gleich mit den ersten Tönen Reibach und danach Tabula Rasa zu machen - was ja keine schlechte Entwicklung ist.) Sei es drum: Tom Grennan wird nicht müde, sein Album bei jeder sich bietenden Gelegenheit anzupreisen. "Warum auch nicht", fragte er in Köln rhetorisch ins Rund, "ich finde schließlich, dass es ein gutes Album geworden ist." Der Umstand, dass die Fans nicht nur die Single-Titel wie "Praying" oder "Royal Highness" dann sogar die bislang noch gar nicht auf Tonträger veröffentlichten neuen Songs, wie z.B. den Titeltrack oder "Barbed Wire", nicht nur zu kennen scheinen, sondern teilweise sogar mitsangen, lässt dann auch vermuten, dass der Mann aus London durch seine wenigen Auftritte hierzulande sich bereits eine solide Fanbasis aufgebaut hat. Diese Fans waren übrigens bemerkenswert breit gestreut. "Was macht ihr denn hier?", fragte Tom z.B. ein älteres Ehepaar, das sich im Gewusel der vielen jungen Damen, die ihn dann vorzugsweise anhimmeln bis nach vorne gemogelt hatte, "ich liebe euch!" Das Rezept, mit dem Tom Grennan die Leute für sich gewinnt, ist zum einen die solide Bodenständigkeit, mit der er seinen Working-Class-Background betont, dann die unbändige Energie, mit der er sich insbesondere gesanglich ins Geschehen einbringt und dann das bemerkenswerte Selbstbewusstsein, mit dem er sich im Rahmen seiner Möglichkeiten als kommender Superstar, der aber keineswegs abgehoben und überheblich wirken möchte, positioniert. Zwei weitere Aspekte sprechen dabei zudem für Tom Grennan: Das ist zum einen die zwar betont unauffällige, aber auch bemerkenswert effektiv und handwerklich exzellent agierende Band (die zwar ursprünglich als "Hired Hands" begann, aber sich inzwischen zu einer echten Band verdichtet hat) und dann die effektiv inszenierten, exzellenten Soulpop-Songs, die Tom Grennan als Kompositeur aus dem Ärmel schüttelt und mit denen er seinen Idolen - meist verblichenen Größen der Soul-Szene - behutsamen Tribut ohne direkten Retro-Bezug zollt. Toms Songs passen sehr gut in unsere Zeit und bieten dennoch zeitlose Grandezza. Die zuweilen reichhaltigen, orchestralen Arrangements des Debütalbums wurden in Köln dann durch Keyboard-Sounds emuliert - was aber im Live-Kontext für eine gewisse Geradlinigkeit ohne unnötigen Bombast sorgt. Keine Frage: Da hat jemand eine brillante musikalische Zukunft vor sich.
Als Support hatte sich Tom eine junge Künstlerin aus Hamburg eingeladen. Emily Roberts ist - wie sie sagte - halb Engländerin und halb Deutsch und präsentierte einleitend einige Songs ihrer im Januar erscheinenden Debüt-LP "Crying Over Spilt Milk" im akustischen Solo-Setting. Mit einer angenehm rauchigen Stimme trug Emily ihre melancholischen Beziehungsdramen in einem angenehm temperierten, jazzig-souligen Balladen-Setting vor, das zwar die poppige Produktion der bisher verfügbaren Studioaufnahmen zwangsläufig vermissen ließ, der Sache aber andererseits auch einen glaubwürdigen Songwriter-Touch verlieh. Als Performerin überzeugte Emily Roberts dabei insbesondere auf vokaler Ebene - auch wenn sie, wie sie sagte, ihre Atemtechnik noch etwas verfeinern müsse. Und die Bühnenbeleuchtung, denn zwischendurch war es so dunkel, dass sie ihre Setlist nicht lesen konnte - was aber natürlich nicht ihre Schuld war. Beim Publikum kam Emily Roberts übrigens gut an - auch ohne volles Produktionsvolumen und großes Pop-Brimborium - was dann aber natürlich zusätzlich für die Qualität ihres Songmaterials spricht. Da könnte also - wie bei Tom - ebenfalls eine brillante musikalische Zukunft im Raume stehen.

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Surfempfehlung:
www.tomgrennanmusic.com
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emily-roberts.de
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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