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Konzert-Bericht
 
Viva Colonia

Sol Heilo
Rosemary & Garlic

Köln, Luxor
17.02.2018

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Sol Heilo
So richtig erklären können Anne van den Hoogen und Dolf Smolenaers auch nicht, warum sie ihr Projekt ausgerechnet Rosemary & Garlic genannt haben. "Wir haben da wohl nicht richtig drüber nachgedacht", räumt Anne ein, "aber immerhin ist mein zweiter Vorname Rose und der Name von meiner Mutter ist Mary." Wichtig ist dabei allerdings festzuhalten, dass Dolph dennoch nicht etwa Knoblauch mit zweitem Vornamen heißt. Dem Publikum im Kölner Luxor war das aber erst mal egal, denn schließlich waren die ehemaligen Katzenjammer-Fans ja eigentlich zum Konzert von Sol Heilo gekommen, die mit dieser Tour ihren Einstand als Solo-Künstlerin gab, nachdem die Mutterband erst mal auf unbestimmte Zeit auf Eis liegt.
Das mal eingedenk kam die Musik des für die Live-Shows um die klassisch ausgebildete Cellistin Dionne Nijsten und den Drummer/Soundwiz Tim Vermulst erweiterten niederländischen Folkpop-Duos Rosemary & Garlic durchaus gut an. Und das, obwohl Anne van den Hoogen einräumt, sehr, sehr leise zu singen. Laute Töne sind aber eh nicht sie Sache von Rosemary & Garlic. Die ätherisch angelegten, gerne von der Natur inspirierten und selbst im erweiterten Band-Kontext zerbrechlich wirkenden Folkpop-Songs des Duos basieren ausnahmsweise mal nicht auf den üblichen Akustikgitarren, sondern auf Dolfens lyrischem Klavierspiel. In der Tat verlangen die Songs mit ihren verspielten Intros und malerischen Zwischenspielen durchaus ein genaues Hinhören und ein wenig Geduld - somit eine Eigenschaft, die insbesondere einem Publikum, das auf den Headliner wartet, gemeinhin eigentlich nicht zuzumuten ist. Dennoch stießen die - mit vielen Details wie elektronischen Elementen, diversen Gitarrenbeiträgen sowohl von Dolph wie auch Anne, dem akzentuierten Wirken Tims und den ebenfalls sehr lyrisch angelegten Cello-Passagen Dionne Nijstens - seitens des Publikums auf viel Gegenliebe. Tatsächlich war im gut gefüllten Luxor kaum störendes Geplapper zu vernehmen - was an dieser Stelle eher ungewöhnlich ist. Ohne dass das abgesprochen sein konnte, hatten die ruhigen aber niemals langweiligen Elegien des Würz-Duos in der Anmutung durchaus Schnittpunkte mit dem, was Sol Heilo im Folgenden zu anzubieten hatte. Brandender Applaus für die Darbietung der Rosemary & Garlic Band war demzufolge das verdiente Ergebnis.
Als Sol Heilo dann ihre Show - zwar mit umgehängter Pauke und Percussion-Spazierstock bewaffnet - mit dem Mid-Tempo-Song "Killing Karma" von ihrem Album "Skinhorse Playground" eröffnete, wurde dann allmählich deutlich, dass dieses kein Ersatz-Katzenjammer-Event werden würde (gleichwohl durchaus einige KJ-Klassiker zum Tragen kamen). Das liegt daran - so erklärte Sol während der Show -, dass sie selbst, als Katzenjammer gerade auf dem Höhepunkt ihrer Popularität angekommen waren, eine Identitätskrise erlitten habe, in Folge derer sie dann zwar beschlossen habe, solo weiterzumachen, als der Katzenjammer-Jammer begann, sich aber im dann in ihren Songs durchaus ernsteren Themen zuwandte. Das führte dann zu Paradoxen, wie dem, dass ausgerechnet der "Happy Song" zu den melancholischeren Momenten im Wirken der Norwegerin führten. Ergo dominierten die eher elegischen Tracks des Debütalbums dann insbesondere auch den ersten Teil der Show: "In London Is Trouble" etwa geht es um den Tour-Blues und die Einsamkeit auf Konzertreisen und in dem Song "Closer To The Sky" sogar um den Tod bzw. die Philosophie des Lebensendes. All das bedeutete freilich nicht, dass die Show dann zu einer trauerklößigen Selbstbespiegelung wurde, denn Party machen - wie bei der Mutterband - kann Sol Heilo durchaus nach wie vor.

Zum Beispiel, indem sie wildfremde Fans auf Facebook dazu eingeladen hatte, sie - ohne vorherige Probe - auf der Tour als Musikanten zu unterstützen. In Köln waren das Jil Tassi am Saxophon und Lothar Salzman an Ukulele und Perücke, die Sol und ihre Band bei dem Katzenjammer-Gassenhauer "Rock, Paper, Scissors" befeuerten. Da es hier um Köln ging, hatte Lothar Sol noch einen Dreispitz aus dem Karnevalsfundus mitgebracht und deklarierte sie daraufhin zum "Funkenmariechen" ehrenhalber. Der Funke freilich, wäre auch ansonsten übergesprungen - schon alleine deshalb, weil das ganze Publikum den Song begeistert mitsang. Auf das Thema Karneval kam Sol Heilo im Folgenden nochmals zurück, indem sie - als Hommage an den Austragungsort - den Höhner-Klassiker "Viva Colonia" anstimmte, der dann textlich vom Publikum ergänzt wurde. (Den ursprünglich angedachten Schulbus-Song gab es spontan im Zugabenblock auch noch.) Gegen Ende der Show gab es dann noch ein paar Katzenjammer-Referenzen - darunter Sols Version des Clash-Songs "London Calling", den sie in einem interessanten Folk-Rock-Treatment präsentierte. Und dann wurde es etwas lauter und härter. So kletterte Sol zu den Songs "Bad Girls" und "Saints" hinter das Schlagzeug, währen die Band ordentlich losrockte und mit der Zugabe "Bring Me Home" gab es dann fast einen Heavy-Blues. Ganz zum Schluss schließlich bat Sol die Multiinstrumentalistin und Ingenieurin Hanne Mari Karlsen ans Mikrophon, um mit ihr zusammen am Banjo den Saal noch ein Mal mit "Rocky Road To Dublin" zum Kochen zu bringen. Nach der Show stand Sol dann zwar am Merch-Stand zur Verfügung - allerdings nur zum Signieren und für Fotos, weil ihr der Arzt nämlich verboten habe, nach der Show noch zu sprechen, um die Stimme für das nächste Mal zu schonen.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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Mehr über Sol Heilo:
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