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Waldspaziergang

The Deep Dark Woods
Kacy & Clayton

Köln, Yuca Club
10.04.2018

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The Deep Dark Woods
In Shakespeares Macbeth gibt es diese Szene, in der die den Titelcharakter umgebenden schottischen Speichellecker darüber diskutieren, was wohl alles passieren könne, wenn der Wald von Birnam auf das Schloss vorrücke, in dem sich Macbeth verschanzt. Das ist natürlich metaphorisch zu sehen - aber tatsächlich rückte nun der Wald auf Köln vor. Denn auf der von Gaesteliste.de präsentierten Tour fand die kanadische Band The Deep Dark Woods erstmals seit 2013 auch wieder Zeit, in der Domstadt aufzuschlagen, um ihr aktuelles Album "Yarrow" dem Publikum zu präsentieren. Mehr noch: Ryan Boldt, der aus Frontmann des Ensembles, hatte das ebenfalls aus Saskatchewan stammende Cousinen-Duo Kacy & Clayton als Support-Act und Gastmusikanten für die LP und die Tour eingeladen.
Beide Acts sind dabei mit ihren aktuellen Werken hierzulande durch die offizielle Promo-Maschinerie gerutscht, sodass es fast schon verwunderlich war, dass die Fans am Tag eines umfassenden Streiks des öffentlichen Nahverkehrs überhaupt den Weg in den Yuca Club fanden. Was auch gut so war, denn in beiden Fällen verhießen die aktuellen Tonträger - eben "Yarrow" im Falle von The Deep Dark Woods und das von Jeff Tweedy produzierte Album "The Siren's Song" von Kacy & Clayton bemerkenswerte musikalische Weiterentwicklungen. Grob gesagt, haben Kacy Anderson und Clayton Linthicum auf ihrem mit vollem Band-Verve inszenierten dritten Album gegenüber ihrem folkigen Debütalbum und dem noch unentschlossenen Nachfolger "Strange Country" einen ordentlichen Zacken zugelegt, während The Deep Dark Woods auf "Yarrow" (was übrigens eine amerikanische Schafsgarben-Sorte ist) bewusst einen Gang zurück schalteten, sich von den Rock-Roots lösten und die relaxteren, folkigeren Aspekte ihres Tuns in einem leicht surrealen American-Gothic-Setting in den Vordergrund stellten. Im Live-Kontext bestätigte sich diese Konzepte auf eindrucksvolle Weise, denn so entstand eine Show aus einem Guss - und zwar eine ganz ohne die typische Support/Headliner-Abgrenzung. Denn die Band Kacy & Clayton bestand in diesem Fall aus Ryan Boldt, der als Bassist agierte und dem aktuellen TDDW-Drummer. Bei der TDDW-Show griff dann Clayton Linthicum - der ja bereits seit 2012 zum TDDW-Roster gehört - zum Bass, während Ryan Boldt die Rhythmus-Gitarre spielte und Evan Cheadle dann als Lead-Gitarrist hinzustieß.

Der sicherlich maßgeblich von Jeff Tweedy angestoßene Band-Ansatz zahlte sich für Kacy & Clayton auch im Live-Kontext durchaus förderlich aus. Denn während das Duo auf den ersten beiden Alben zwar durchaus durch hübsche Folksongs und angenehme Gesangsmelodien und -harmonien aufgefallen waren, war die musikalische Umsetzung dann doch überwiegend asketisch inszeniert. Ganz anders hier. Insbesondere die druckvollen Up-Tempo-Nummern wie der LP-Opener "Light Of Day" oder der "White Butte Country", in dem Kacy & Clayton ihre Landeier-Herkunft feiern, gewannen sichtlich durch den handwerklich perfekt inszenierten Band-Sound. Insbesondere die Entscheidung, Kacy den Löwenanteil der Lead-Vocals zu überlassen, sodass Clayton sich auf seine brillante, inspirierte Gitarrenarbeit konzentrieren konnte, war hierbei von Bedeutung - denn zum einen hatte Kacy keine Mühe, sich mit ihrer glasklaren Sirenenstimme gegen den organisch groovenden Band-Sound durchzusetzen (und dabei eine höchst effektive, kontrollierte akustische Rhythmusgitarre beizusteuern) und zum anderen gefiel Clayton mit einem heutzutage fast schon unüblichen Ansatz, indem er nämlich im Geiste der Fingerpicking-Technik etwa eines Jerry Carcia agierte - wodurch der Sound witzigerweise des Öfteren an die seligen Grateful Dead erinnerte. Dieses aber freilich ohne Elephantiasis, denn obwohl alles locker umspielt wurde, blieb die Sache dann doch immer dicht beim Songformat. Eine weitere Hommage an die Heimat, der Song "Calgary" der kanadischen Country-Rock-Pioniere Great Speckled Bird, rundete dann das Programm aus alten und neuen Tracks ebenso schlüssig ab, wie auf der anderen Seite "countryfizierte" Hinweise auf die familiären Wurzeln (denn die Vorfahren von Kacy & Clayton waren aus Dakota nach Kanada ausgewandert). Bei all dem gefielen Kacy & Clayton als exzellente Musiker und Songwriter deutlich besser als zum Beispiel als Entertainer, denn hier gebärdeten sich beide eher spröde und uninspiriert.

Ganz ähnlich war dann der positive Gesamteindruck bei der Show von The Deep Dark Woods. Als erstes fiel dann auf, dass die Band gegenüber ihres letzten Gastspiels in Köln im Jahre 2013 die Lautstärke auf ein erträgliches Maß zurückgefahren hatte. Und dann offenbarte sich, dass der Umstand, dass sich Deep Dark Woods auf der aktuellen Scheibe stärker als bislang den Zwischentönen ihres Tuns zugewendet hatten und durch die Beiträge von Kacy Anderson als Harmoniesängerin eine ganz neue Dimension in das atmosphärische Wirken der Band eingeschlichen hatte, auch im Live-Kontext als dicker Pluspunkt - denn vielseitiger und reichhaltiger war der TDDW-Sound noch nie. Auch hier gab es eine ulkige klangliche Parallele: Aufgrund des sonoren Timbres von Ryan Boldt und dem Harmoniegesang Kacys erinnerte das Ganze an das Wirken des schrulligen US-Pärchens The Handsome Family. Das aber nur am Rande, denn TDDW hatten eine ganz eigene Agenda. Und diese bestand darin, die Zuhörer bei fast jedem Song auf einen ausgedehnten Spaziergang in die nähere oder weitere Umgebung mitzunehmen. Und zwar nicht mittels konventioneller Solo-Breaks, sondern indem die ganze Band munter improvisierend und aufeinander agierend am Ende der Tracks vor sich hinjammte - und dann vielleicht zum Kaffee für einen letzten Refrain oder ein konzertieres Finish wieder zurück zum Song kehrte. Das war immens unterhaltsam und spannend und generierte so manchen unerwarteten Höhepunkt - wie z.B. die auf diese Weise episch ausgedehnte Ballade "Picture On My Wall". Nun ja: Mit der zehnminütigen Band-Vorstellungs-Orgie "Teardrops Fell" zum Ende der Show übertrieb es Ryan Boldt, der sich ansonsten gegenüber seines letzten Besuches in der Domstadt vergleichsweise wortkarg gezeigt hatte, dann vielleicht doch ein wenig. Auf "Yarrow" spielen Keyboard-Sounds wie etwa bei "Fallen Leaves" oder eine gewichtige Rolle. Merkwürdigerweise fehlten diese aber auf der Bühne nun keineswegs - was dann ein weiteres Attest für den brillanten Bandsound war. Kurzum: The Deep Dark Woods boten bei diesem Auftritt eine brillante Show, die durchaus neue Aspekte im Wirken der Band zeigte, exzellentes Musikantentum demonstrierte und mit dem integrierten Beitrag von Kacy & Clayton einen mehr als angenehmen Mehrwert bot.

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Surfempfehlung:
thedeepdarkwoods.com
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www.kacyandclayton.com
www.facebook.com/kacyandclayton
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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