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Konzert-Bericht
 
Größe im Kleingedruckten

James Elkington

Köln, King Georg
20.04.2018

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James Elkington
Nein, richtig voll werden will es im King Georg an diesem Freitagabend nicht. Das liegt allerdings nicht nur an den hochsommerlichen 30 Grad draußen, die eher zum Umtrunk in die Straßencafés der Domstadt einladen anstatt zu einem Konzertbesuch in einer schummerigen Bar, sondern auch daran, dass selbst vielen Folk-Aficionados der Name James Elkington nicht geläufig ist, dabei werden wohl die meisten zu Hause Plattenhaben, auf denen der seit Langem in Chicago heimische Gitarrist mit britischen Wurzeln zumindest im Kleingedruckten zu finden ist. Nicht nur, dass er vor vielen Jahren mit seiner Band The Zincs im Thrill-Jockey-Umfeld auftauchte - immer, wenn kleine und große Stars der Szene wie Jeff Tweedy, Richard Thompson, Brokeback, Michael Chapman, Steve Gunn oder Joan Shelley nach einem Musiker für feinstes Fingerpicking suchten, werden sie bei James Elkington fündig. Jetzt gastiert der Gitarrist und Sänger auch als Solist in Deutschland.
James Elkingtons Auftritt passt gut ins King Georg. Musiker wie Location eint ein gewisser Vintage-Charme, ohne dass es dabei allein darum geht, nostalgische Gefühle zu bedienen. So steht Elkington klanglich fraglos auf den Schultern von Giganten wie Bert Jansch oder Nick Drake, die in den 60ern und 70ern traditionellen englischen Folk am Rande des Pop-Universums salonfähig und bisweilen sogar charttauglich machten, gleichzeitig ist seine Musik ähnlich wie die des ebenfalls in Chicago lebenden Ryley Walker aber auch von einer schwer in Worte zu fassenden Post-Rock-Coolness umgeben, die ihn im Hier und Jetzt verankert.

Wie schon auf seiner feinen letztjährigen LP "Wintres Woma" setzt Elkington auch zum Start seiner von Gaesteliste.de präsentierten Deutschland-Tournee (am 23.04. gastiert er noch im Berliner Monarch) in Köln auf oft komplexes Fingerpicking und braucht sonst wenig bis gar keine Effekthascherei, um das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Doch Elkington verlässt sich nicht allein auf die virtuose Ernsthaftigkeit seiner filigranen Solo-Performance, sondern unterhält sein Publikum auch zwischen den Songs mit gut gelaunten Ansagen, ganz gleich, ob er von betrunkenen Studenten in den Straßen und Biergärten von Gent erzählt, die ihm zu Beginn seiner Gastspielreise begegnet sind, herrlich ausufernde Geschichten über seine alte Heimat in der englischen Pampa erzählt, die von schwer erreichbaren Pubs ("Da überlegt man sich zweimal, wie durstig man ist!") oder einer (fast) verhängnisvollen Autofahrt mit seinem Vater einen steilen verschneiten Hügel hinunter handeln. Der Ort des Geschehens, "Rendelshaw Way", ist auch der Titel eines epischen, derzeit noch unveröffentlichten Instrumentals, das man jetzt schon guten Gewissens als eines der Highlights auf Elkingtons nächster LP bezeichnen darf, bevor am Ende des Sets passend zum Wetter draußen der alte schottische Trinksong "The Parting Glass" steht.

Danach muss dann sogar eine gar nicht unbedingt geplante Zugabe her, die der Gitarrist selbst als "Folk Workshop" bezeichnet: "Das ist der Teil des Abends, bei dem ich mich an Songs versuche, die ich nur so gerade beherrsche", verrät er lachend. Mit dem einst von Ry Cooder populär gemachten "The Great Dream Of Heaven" unterstreicht er allerdings nur, dass er auch zu spontanen Glanzleistungen fähig ist. Der Rausschmeißer heißt dann ausgerechnet "Greatness Is Yet To Come", dabei hatte James Elkington seine musikalische Größe doch schon zuvor eine gute Stunde lang eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

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Surfempfehlung:
www.jameselkington.com
www.paradiseofbachelors.com/james-elkington
facebook.com/jameselkingtonmusic
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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