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Konzert-Bericht
 
Zwei Seiten, eine Medaille

Jenny Berkel
Ryan Boldt

Krefeld, Kulturrampe
22.05.2018
Jenny Berkel
Zwischen den tiefen, dunklen Wäldern von Kanada und dem Krefelder Großmarkt liegen eigentlich Tausende Kilometer, an diesem schwülwarmen Dienstag nach Pfingsten rücken Nordamerika und Niederrhein dennoch ganz nah zusammen. Ryan Boldt und Jenny Berkel sind in der Stadt, und die beiden kanadischen Singer/Songwriter teilen sich an diesem Abend nicht nur die kleine Bühne, sondern gleich auch noch dieselbe Akustikgitarre. Doch auch wenn Inspiration und Herangehensweise auf den ersten Blick sehr ähnlich zu sein scheinen - ihre Auftritte im Rahmen der dienstäglichen Freikonzertreihe "Caesar's Pallets" im gut besuchten Café der Kulturrampe könnten unterschiedlicher nicht sein. Am Ende präsentieren sie gewissermaßen zwei Seiten derselben Medaille.
Ryan Boldt & Jenny Berkel
"In derselben Manier wie Leonard Cohen und Sandy Denny hat sie eine Sammlung von Folk-Songs geschaffen, die manchmal zerbrechlich, andererseits angenehm summend, aber immer unmissverständlich nach Jenny Berkel klingen", schrieben die Kollegen des Rolling Stone bereits über die sympathische Dame, die in Krefeld das Konzert eröffnet, und dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Mit leiser Zurückhaltung und dennoch herzlichem Kontakt zu den Zuschauern - begeistert berichtet Berkel von ihren Auftritten in einem Friseursalon und im Büro des Bürgermeisters beim diesjährigen Moers Festival, und auch ihre Songs erklärt sie ausführlich - singt sie ihre poetisch-emotionalen Songs, in denen musikalisch der Folk von gestern und vorgestern widerhallt, die aber mit persönlicher Note dennoch stets im Hier und Jetzt verankert sind, ganz egal, ob es ein für ihre Tante geschriebenes Schlaflied ohne Titel ist oder sie in "Stockholm" Großstadterlebnisse verarbeitet. Sogar ihr Cover von Jackson C. Franks "Blues Run The Game" klingt in diesem Rahmen gar nicht angestaubt. Auch wenn Berkels Lieder eine gewisse Gleichförmigkeit besitzen und abgesehen von "How Red The Bloom" fast ausnahmslos in die Kategorie "Langsam" oder "Ganz langsam" fallen, ist es ein feiner Auftritt, bei dem sie mit viel Understatement zu gefallen weiß.
Ryan Boldt
Auch Ryan Boldt setzt allein auf die Wirkung von Akustikgitarre und Stimme, doch anders als Berkel geht es ihm an diesem Abend nicht darum, die Tugenden der Vergangenheit in die Gegenwart zu übertragen. Als Solist widmet sich der Sänger der kanadischen Prärie-Gothic-Folk-Band The Deep Dark Woods alten, traditionellen Folk- und Country-Songs, deren Geschichten alle vor 100 Jahren oder mehr spielen. Es sind allerdings nicht nur die archaischen Mörderballaden vom Schlage "Henry Lee" und Boldts Oldschool-Gestus, die ihn von Berkel unterscheiden. Ohne viel Publikumskontakt und übers Mikro gebückt singend, kokettiert er von Anfang an mit sprödem Waldschrat-Image und wirkt bisweilen ein wenig so, als würde er zwischen seinen Konzerten auch noch Erntemaschinen bedienen oder ein paar Euro beim Holzfällen dazuverdienen. Musikalisch verfolgt er derweil eine Ein-Song-Strategie, oder, um es positiv auszudrücken: Er weiß, was er will und weicht während seines knapp einstündigen Auftritts kaum einen Millimeter davon ab. Auch deshalb tut er gut daran, nach einigen wenigen Solostücken Berkel zurück auf die Bühne zu holen, die ihn für den Rest der Show als Harmoniesängerin begleitet und Boldts rauen Charme etwas versüßt. Langanhaltender Applaus und mehr Scheine als Kleingeld im Spendenhut sind nach dem hinreißenden A-cappella-Ende mit "Babes In The Woods" von The Copper Family der wohlverdiente Dank.
Surfempfehlung:
www.jennyberkel.com
facebook.com/jennyberkel
jennyberkel.bandcamp.com
facebook.com/RyanBoldtMusic
ryanboldt.bandcamp.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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