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Konzert-Bericht
 
Alle Wege führen zu Celine Dion

Jess Hart

Köln, Kulturcafé Lichtung
01.06.2018

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Jess Hart
Wenn man die Website der Kanadierin Jess Hart besucht, dann darf man sich einen genehmen Musikstil aussuchen: Rock, Elektronic und Folk werden dort nämlich zur Auswahl angeboten - und von Jess durchaus auch in adäquater Weise exemplarisch bedient. Als sie 2014 zuletzt in der Kölner Lichtung auftrat, präsentierte sie sich zum Beispiel eher als Folk-Künstlerin. Bei ihrem diesjährigen Besuch sollte indes alles ganz anders werden. Das neue Album "Sex & Bureaucracy" steht gerade in den Startlöchern und wurde hier erstmals in einem komplett neuen Setting dargeboten.
Anstatt sich nämlich für eines der o.a. Genres zu entscheiden, präsentierte Jess nun einen Mix aus allen Bestandteilen der verschiedenen Stile. Und zwar auf eine recht spezielle Art. Bewaffnet nur mit einer elektrischen Gitarre, diversen Effektgeräten und einem Handy, auf dem ein Live-Mix-Programm installiert war, das es ihr ermöglichte, die Basis-Tracks ihrer Studioproduktionen auf eine höchst lebendige Art während des Vortrages zu manipulieren, triggern und zu mischen, gelang es ihr im Prinzip, einen ganz neuen Stil und eine ganz neue Art der Präsentation zu kreieren. Wie in etwa sich das anhört, lässt sich am besten in einer Reihe brillanter Videos der Serie "Live From The Palace" begutachten. (Hier übrigens ein Hinweis: Dabei handelt es sich um Greenscreen-Videos, bei denen Jess täuschend echt in Fotos aus einer Palast-Umgebung hineinmontiert wurde.) Ergänzt wurde ihr Set vor Ort durch einige wenige Songs auf der Ukulele und abschließend eine Zugabe auf der akustischen Gitarre. In dieses Konzept integriert wurden aber nicht nur die aktuellen Songs von "Sex & Bureaucracy", sondern auch ältere Songs, die sie zuvor in anderen Settings eingebettet hatte wie auch Coverversionen ("Summertime" und Nina Simones "Feeling Good"). Mal ohne Quatsch: So viele interessante und innovative Ideen erwartet man als Konzertbesucher heutzutage ja schon gar nicht mehr. Jess Hart gilt also insofern ein großes Lob, ihre songwriterischen Ambitionen in einem sehr eigenständigen Kontext auszuleben.
Dass die Sache dann am Ende trotz aller Bemühungen ihrerseits nicht zu einem wirklich rundum gelungenen Experiment geriet, lag dann allerdings nicht an Jess selbst, sondern an den Umständen, mit denen sie zu kämpfen hatte. Das Konzert war nämlich während einer zeitgleich stattfindenden Vernissage für lokale Fotografen angesetzt worden, was dann dazu führte, dass sich die zahlreich anwesenden Gäste nur am Rande für die Musik interessierten und stattdessen lautstark die ausgestellten Fotos diskutierten. Und dann war auch das vor Ort vorhandene Equipment nicht in der Lage, Jess' Visionen angemessen entsprechen zu können, denn ohne Verstärker, Monitore und echtes Mischpult gelang es nicht, eine ausgeglichene Balance zwischen der viel zu geringen Lautstärke der Handy-Mixe, dem Gesang, den Effekten und den Instrumenten herzustellen.

Der Qualität des dargebotenen Materials tat das natürlich grundsätzlich keinen Abbruch, denn Jess versteht es als Songwriterin aus ziemlich begrenzten Bestandteilen (einer ihrer Songs heißt zum Beispiel schlicht "3 Chords") relativ komplexe und detailreiche Songs herauszukitzeln, die im Live-Kontext vor allen Dingen von den lebendigen Grooves leben. Sie selbst bezeichnet ihr Material gerne als "depressiv", "düster" oder "desolat" - doch subjektiv lässt sich das gar nicht so richtig nachvollziehen. So meint Jess z.B., dass sie nur einen fröhlichen Song namens "My Oh My" im Programm habe - der indes vor Ort nicht fröhlicher oder trauriger rüberkam als andere (wie z.B. das brillante "Vacation" zu dem Jess ein Video mit Szenen aus der Comic-Serie Jeb & The Holograms zusammen geschnitten hat). Fazit: Jess Hart präsentierte hier erstmalig ein faszinierendes Performance-Konzept mit brillantem Songmaterial auf eine sympathische Art und Weise - leider unter eher ungünstigen Voraussetzungen.

Und nun noch zum Titel der Story: Vollständig müsste dieses Zitat in etwa heißen "Von Toronto führen alle Wege nach Las Vegas". Und das meint, dass Jess die Gelegenheit erhalten hatte, einige Stücke in Las Vegas mit den Musikern von Celine Dion zu produzieren. Und das hat dann natürlich eine fast schon ironische Qualität, denn kaum jemand ist weiter entfernt vom klassischen Celine Dion-Sound, als Jess Hart...

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Surfempfehlung:
www.jesshart.com
www.facebook.com/jesshartmusic
www.youtube.com/watch?v=VDzSHiU-Fqo
www.youtube.com/watch?time_continue=187&v=y0MmlW2o_6c
www.youtube.com/watch?time_continue=16&v=LtDrdt8ckDg
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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