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Feldwirtschaft

Anna Tivel
Jeffrey Martin

Solingen, Altes Stellwerk
23.06.2018

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Anna Tivel
"Ich glaube, wir sind heute Abend die glücklichsten Menschen hier in Solingen", begrüßte Guido Ocker, der gewiss redegewandteste Impresario der Stahl-Stadt, anlässlich des Konzertes des Singer/Songwriter-Paares Anna Tivel & Jeffrey Martin aus Portland, Oregon, das Publikum, "denn wir können schließlich nur gewinnen." Dazu muss man wissen, dass das besagte Konzert an jenem Tag stattfand, an dem Deutschland das WM-Spiel gegen Schweden bestritt, dessen im Nachhinein eher zufällig anmutende 2:1 Erfolg zu diesem Zeitpunkt noch längst nicht feststand.
Mit dem - im privaten wie im professionellen verbandelten - Liedermacherpärchen aus der Indie-Hochburg Portland betrat dann ein im Prinzip eher ungleiches Team die Bühne. Sagen wir mal so: Wenn Anna Tivel und Jeffrey Martin Felder wären, dann wäre Anna Tivel eine bunte, duftende Sommerwiese, mit vielen prachtvollen, Blümchen, ungezügelter Spontanvegetation und einer lebendigen, gesunden Fauna. Jeffrey Martin wäre hingegen eher eine solide Nutzpflanzen-Monokultur mit ordentlich aufgereihten, unkrautfreien, gut gedüngten Parzellen, die sich über den ganzen Horizont ausdehnen.

Was dieses Gequatsche meint ist folgendes: Anna Tivel gehört zu jenen begnadeten, leicht unbekümmerten, genau beobachtenden Songwriterinnen, die aus den banalsten Beobachtungen und Themen zauberhaft poetische, blumige und von vielen reizvollen, konkreten Details durchzogene Songgebilde produzieren können. So begann sie ihr Set zwar mit "Blue World" - einer eher nachdenklichen Kontemplation zum Thema Tod -, überraschte dann aber im Folgenden mit so eigenartigen Themen wie Songs über Hausmeister, abgebrannte Häuser oder Trumps Grenzpolitik aus Sicht der betroffenen. Das Ganze packt sie dabei mit leichter Hand in musikalische Elaborate, die sich - trotz einer logischerweise folkigen Darbietung - angenehm von klassischen Americana-Klischees fernhalten. Zum Ende des viel zu kurzen Sets spielte sie dann sogar ein neues Stück, von dem sie behauptete, dass sie sich damit dem Thema Rap nähere (was zwar ein wenig übertrieben war, aber dennoch ein interessantes musikalisches Ergebnis zeitigte). Anna Tivel empfiehlt sich als klassische Storytellerin, der es keine Mühe bereitet, sich in die Perspektive anderer hineinzuversetzen und die Schönheit im Banalen zu suchen (und zu finden).

Ganz anders hingegen Jeffrey Martin. Annas Partner ist ein Mann der klaren Kante. Er verfolgt eher ein What You Hear Is What You Get-Prinzip. Sein Thema ist der aufrichtige Männerschmerz und die damit einhergehende unilaterale Selbstbespiegelung. Das geht dabei so weit, dass er in einem seiner Songs sogar sein Spiegelbild zum Kampf herausfordert. In anderen nuanciert er sein Leitmotiv dann (allerdings ohne es zu variieren) - etwa mittels der Mörderballade "Wellspring", in der Vater, Sohn und Pferd den Tod in der Wüste finden oder einer Ballade an seinen verstorbenen Hund Ben, dessen "wilder Darm" für einige amüsante Anekdötchen zum Thema Hunde-Durchfall herhalten mussten. Freilich zwischen den Stücken - denn musikalisch geht Jeffrey Martin sehr ernsthaft zur Sache. Das gilt auch für die solide zusammengeschraubten, aber vollkommen überraschungsfrei ausformulierten Folksongs, die er mit knorrig-kräftiger Stimme geradlinig zum Besten gibt. Kurzum: Jeffrey Martin trägt sein Herz auf dem Ärmel und verfolgt seine Linie konsequent und ohne jeden Schnickschnack.

Freilich gibt es auch Gemeinsamkeiten, die Anna und Jeffrey dann auch wieder zusammenführen (logisch - denn ansonsten wären sie ja nicht zusammen). So singen beide konsequent mit geschlossenen Augen und - wenn sie zusammen singen - sogar in derselben Tonhöhe. Im längeren Set von Jeffrey Martin stand Anna Tivel diesem so als Folk-Geigerin und Harmoniesängerin zur Seite - was dann wieder auf die gemeinsame Vorliebe für traditionelle Musikformen verweist, die das Paar bei den Zugaben mit einer humorigen Version von "King Of The Road" demonstrierten.

"Wie steht es denn jetzt?", fragte Jeffrey Martin zum Schluss. "Verdammt", meinte er, nachdem man ihm das Ergebnis des Spiels zugetragen hatte, "ich hatte nämlich auf das Spiel gewettet." "Jetzt schuldest du mir zehn Dollar", rief Anna Tivel aus dem Hintergrund. Keine Frage: Das wäre dann wohl sicher wieder ein Thema für einen neuen Song...

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Surfempfehlung:
www.annativel.com
facebook.com/anna.tivel
www.jeffreymartinmusic.com
facebook.com/musicjeffreymartin/
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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