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Chris Cacavas
Bill Pope & The Tapes

Köln, Underground
22.03.2002
Chris Cacavas
Chris Cacavas ist vorsichtig geworden. Auch dem Familienvater mit deutscher Ehefrau ist nicht verborgen geblieben, daß die Situation auf dem Live-Markt dank zunehmend unübersichtlicher werdendem Angebot, Ausländersteuer und anderen behördlichen Behinderung und ständig abnehmender Bereitschaft der Leute, WEGEN der Musik ein Konzertereignis aufzusuchen, immer bedrohlicher wird. So liegen denn auch zwischen seinen Touren (vom einen oder andere Gastauftritt - z.B. mit Steve Wynn - mal abgesehen) auch bedrohlich lange Zwischenräume. Immerhin: Das Konzept scheint aufzugehen. So war denn sogar die bei allen Gitarrenbands gefürchtete Elektronik-Hochburg Köln der Schauplatz eines gut besuchten Konzertes.
Trotz einiger Probleme mit dem Tourbus, der ausgewechselt werden mußte, waren Chris und seine junge Band am 22. richtig gut drauf. Zunächst mal durften Bill Pope & The Tapes ihr eigenartiges Können unter Beweis stellen. Ihre merkwürdige Mischung aus allem, was die 70er Jahre so hergeben (inkl. Keyboard-betontem Art-Rock) war ja nicht eigentlich schlecht, aber dermaßen kunterbunt zusammengewürfelt, daß es zuweilen gar unfreiwillig komisch klang. Den Todesstoß versetzte sich die Band dann selbst mit einer Cover Version von "Eleanor Rigby".

Chris & Co ließen es dann ruhig angehen und schlichen sich quasi auf Samtpfoten und mittels der langsamen Stücke des neuen Albums "Bumbling Home From The Stars" (z.B. "Sucker") ins Programm. Da Chris trotz technischer Sound-Probleme fast nur akustische Gitarre spielte, und der Gitarrist, Jesse Wilder, auch öfters an den Keyboards saß, unterschied sich der Sound doch stark von den letzten Shows, die man von Chris und seiner damaligen Band Junkyard Love gewohnt war. Dies aber ist auch das erklärte Ziel des Mannes, der gerne vom Neil Young-Clone-Image weg möchte. Obwohl es da noch einige Unpäßlichkeiten gibt - der Bassist spielte beinahe zu funky und ein paar Gitarrenparts liefen schlicht aneinander vorbei - gelang das doch recht passabel. Sowohl Chris wie auch Jesse Wilder spielten ihre Instrumente durch allerlei Effektgeräte, wobei Chris sogar zur Hochform auflief. Wer seine ersten, holprigen Versuche mit dem bei Musikanten inzwischen zur Standardausrüstung zählenden Line 6 Multieffektgerät anläßlich des Supportes bei Steve Wynns letzter Tour mitbekommen hatte, kam jedenfalls aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das, was Chris da an Zischen, Blubbern und Jaulen aus seinen Pedals herausholte, brauchte sich hinter den sonnigeren Momenten von Grateful Dead nun wahrlich nicht zu verstecken. Die Songs stammten vorwiegend aus der Neuzeit: Neben "Bumbling" und einigen Stücken von "Anonymus" wurde auch das soeben aufgelegte Return To Sender Mail-Order-Album "Kneel" (Glitterhouse Mail Order) gefeatured. Ein Pluspunkt bei diesem Konzert war, daß (obwohl Chris darauf bestand, daß nichts geplant oder organisiert war) die Dynamik allmählich angezogen wurde. Ein erster Höhepunkt war dann eine ausufernde, 10-minütige Version von "A.W.O.L" von der neuen Scheibe, die sich vom Flüstern zum Crescendo steigerte.

Gegen Ende des Konzertes und besonders bei den elektrischen Zugaben (es gab auch eine akustische) wurde die Bremse dann vollständig gelöst und die ganze Band tobte nach vorne los. ABER: Trotzdem gab es kein Junkyard Love Revival, denn das Heil lag dieses Mal in der Ästhetik von New Wave und Punk. So sparte sich Chris denn den dementsprechenden Song "On My Back" bis zum Schluß auf und setzte mit "When The Shit Comes Down" - einer richtigen Punk Nummer - noch eines drauf. "Ich wollte endlich mal mit meinen wahren Wurzeln Verbindung aufnehmen", meinte er hierzu schmunzelnd nach dem Konzert. Chris Cacavas 2002 klang - im Gegensatz zu vielen Bands dieses Genres - erstaunlich frisch und unverbraucht (was mit Sicherheit auch an der hochmotivierten, jungen Begleitband lag) und machte so deutlich, daß das Amerikana Genre doch nicht zwingend so langweilig sein muß, wie es sich oft gibt.
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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