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Konzert-Bericht
 
Under The Hot Bright Lights

Josh Rouse
Maria Solheim

Köln, MTC
16.06.2002

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Josh Rouse
Ganz schön heiß war es wirklich, an diesem Tag. Und so kam es, daß Josh Rouse ganz schön ins Schwitzen geriet. "Wer von euch war denn bei meinem Konzert vor zwei Jahren in diesem Club?", fragte er in einer Pause vorsichtig ins Publikum. Zwei Unentwegte melden sich. "Dann seid ihr damals wahrscheinlich die einzigen zahlenden Gäste gewesen", grinste Rouse und fuhr fort, seine Gitarre zu stimmen. Seit jenem desaströsen Abend vor zwei Jahren, an dem sich gerade mal eine handvoll Leute ins MTC verirrten, hat der umtriebige Songwriter aus Nashville offensichtlich an Popularität dazu gewonnen - vielleicht sogar durch seine Soundtrack-Beiträge, zuletzt für "Vanilla Sky". Obwohl die Umstände nahezu identisch waren - hier wie dort ein schwüler Sommerabend - war das MTC am 16.06.2002 im Gegensatz zum letzten Mal recht ordentlich gefüllt. Auch der Support Act, die charmante Maria Solheim aus Norwegen, schien auf Gegenliebe zu stoßen.
Maria kommt - entgegen der momentan angesagten Bergener Fraktion - aus Oslo, dem ursprünglichen Zentrum der norwegischen Musik-Szene. Tatsächlich ist ihre, offene, etwas schüchterne, ja unbeholfene Art auf der Bühne meilenweit entfernt von der distanzierten Art, mit der sich etwa die Kings Of Convenience oder St. Thomas präsentieren. "The next song is a love song which is not a love song", kündigte sie eines ihrer Stücke an - die im Prinzip sowieso alle Love Songs sind - und überrascht dann mit wunderschönen Gesangsharrmonien (dank ihrer unbezahlten Freunde an E-Piano und Baß) und zerbrechlichen, schwerelosen Liedern zwischen Hoffen, Bangen und Fragen. Danach verbeugte sie sich artig nach jedem Song und bedachte auch ihre Mitmusiker mit zahlreichen Dankesbekundungen. Zwar begann Maria ihr Set recht ungeschickt mit zwei gleichförmigen Stücken, die im Gegensatz zu den dann folgenden "Hits" ihres Debüt-Albums "Barefoot" beinahe belanglos wirkten. Spätestens aber, als sie mit "Lady Of My Life" und "Suspicion" ihre melodischen Qualitäten ausspielte, und dazu noch eine beindruckend selbstsichere vokale Performance hinlegte, durfte man Maria Solheim das Qualitätssiegel des ausgereiften Songwritings attestieren. Trotz ihrer gerade mal 19 Jahre ist Maria in Norwegen bereits ein Star. Daß das bei uns auch so wird, ist angesichts des qualitativ traditionell hochwertigeren norwegischen Musikgefüges zwar nicht zu erwarten, aber dennoch sollte man sich den Namen Maria Solheim einmal merken. (Im November ist eine "richtige" Tour als Headliner geplant).
Josh Rouse hatte sein Konzept gegenüber der letzten Tour gewaltig geändert. Anstatt mit Multiinstrumentalisten und akustischem Baß, trat er diesmal mit einer kompakten Rockcombo an, bei der besonders Drummer Mark mit seinem vielseitigen und variantenreichen Spiel für Druck und Abwechslung gleichermaßen sorgte. Ergänzt wurde das Soundspektrum durch sparsam, aber akzentuiert eingesetzte, spacige Keyboards, die z.B. bei Songs wie dem Titeltrack des aktuellen Albums, "Under The Cold Blue Stars" für den nötigen Kick sorgten. Josh selbst präsentierte sich an diesem Abend überraschenderweise als begeisterter Gitarrist. Überraschend insofern, als daß er in Interviews immer gerne Wert darauf legt, daß es ihm eben NICHT um's Gitarrespielen geht. Vielleicht sollte man auch einschränkend erwähnen, daß er keine Lead-Gitarre gab, sondern eine sehr energische Rhythmusgitarre. Das besondere dabei war, daß er kaum einen Song mit normalem Tuning spielte - was zu vielen, für den Nicht-Fachmann unerklärlichen Stimmungspausen führte. Dazu sang Josh dann - oft und gerne mit geschlossenen Augen - und ziemlich malerisch das Soulige betonend seine mittlerweile zu Klassikern gewordenen Songs wie etwa das treibende "Directions". Wie gesagt, war das Set - für Joshs Verhältnisse - relativ straight und kompakt. Das ging sogar soweit, daß er bei einem seiner sehr spärlichen Bemühungen, mit dem Publikum Kontakt aufzunehmen, anriet, das nächste Stück dazu zu nutzen, den Allerwertesten zu schütteln. Das machte die Sache natürlich recht kurzweilig, ließ aber einiges von der Differenziertheit vermissen, die Josh bislang live zum Besten gab oder die seine CDs auszeichnen. Zum Glück gab es diese dann in vollen Kübeln gegen Ende des Abends bei den Zugaben. Zunächst einmal hauten die Jungs das verdutzte Publikum mit einer atemberaubenden Version von The Cures "A Forest" um - bei der nicht nur ordentlich losgepfeffert wurde, sondern auch dem Keyboard wieder unwirkliche, ja psychedelische Töne entlockt wurden. Wie eine Rocklegende verließ Josh mitten im Outro die Bühne, während das Stück dann peu a peu in seine Einzelteile zerfiel. Beeindruckend. Als Josh dann mit einer akustischen Zugabe das Wohlwollen des Publikums weckte, legte er noch einen drauf und überzeugte mit einer einfühlsamen und sehr gitarrentechnisch sehr trickreichen Solo-Version von Morrisseys "Suedehead". Da waren denn auch wieder die "Roots", deretwegen man Josh Rouse (vor seiner Soul Phase) öfters und nicht GANZ unberechtigt, eine Affinität zum Brit-Pop nachsagte. Abschließend kann man sagen, daß das ein sehr schöner, entspannter und teilweise dennoch intensiver und auch rundum gelungener Abend war, an dem Maria Solheim als vielversprechendes Talent und Josh Rouse als zunehmend selbstbewußter Performer in Erscheinung traten. Schade nur, daß die Tour wieder nur aus einer handvoll Terminen bestand. Beide Acts hätten es verdient, ihre Musik einem breiteren Publikum präsentieren zu können.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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