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Konzert-Archiv

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Konzert-Bericht
 
Rock aus dem Treibhaus

Betty Goes Green
Chewy

Brüssel, La Botanique
12.05.2000
Betty Goes Green
La Botanique ist so eine Art ehemaliges Treibhaus - inkl. Palmengarten usw. - direkt im Rotlichtbezirk von Brüssel. Das Wetter paßte auch: Ein unerklärliches subtropisches Hoch tauchte die untertunnelte Landeshauptstadt in eine milchige, sauna-artige Suppe. Der richtige Rahmen also für eine zünftige CD-Präsentation. In diesem Falle ging's um die neuen CDs von Betty Goes Green und Chewy - beide auf dem belgischen B-Track Label beheimatet. BGG gehören seit 10 Jahren zum Urgestein der belgischen Alternative-Szene. Sänger Luc und drummer Tom spielten bereits im Alter von 12 Jahren zusammen - damals allerdings Fußball. Das gefiel u.a. auch Lou Reed, der auf einer der BBG-Scheiben mittat.
Chewy
Chewy sind ein neuer Act aus der französischen Schweiz und begeisterten hierzulande gerade als Support der Sportfreunde Stiller. Eigentlich sollten auch noch Naked Lunch auftreten, aber die von vielen persönlichen Rückschlägen gebeutelte Band aus Österreich verschonte es auch an diesem Abend nicht: Während Sänger Oliver traurig in Brüssel herumhing, steckte die Band ohne Auto im heimatlichen Klagenfurt fest. Nun ja. Chewy starteten gleich mit dem ersten Song mächtig durch. Sie präsentierten das Material ihres beeindruckenden Debuts "Whattookyousolong" mit Verve und technischer Kompetenz. Leider auch ein wenig gleichförmig. Alles Songs bewegten sich Rock'n'Roll-mäßig hohem Niveau, ohne besondere Höhen oder Tiefen erkennen zu lassen - da war dann auch keine Steigerung mehr möglich. Ein wenig mehr Variation - wie auf der Scheibe - hätte wahrlich nicht geschadet. Es gefiel allerdings die lockere Art der Jungs, der Witz (eine Cover-Version von "Voyage, Voyage" sagt mehr als 1000 Worte) und die Routine, mit der die Band aufzuwarten wußte. Endlich mal eine europäische Band, die offensichtlich geübt hatte. Nun ja, aufgrund des sprachlichen Heimvorteils hatte die Band auch einen vergleichsweise leichten Stand - den sie sich mit wenig überlegten Vergleichen zwischen belgischer und schweizer Schokolade beinahe aber wieder verscherzte.
Das Problem hatten BGG weniger. Luc und seine Kumpels unterhalten sich auch privat in mindestens 3 Sprachen gleichzeitig (und manchmal ein wenig "Jean-Marie-Pfaff-Deutsch). Das Material der neuen CD besticht durch die Kombination von vertrackten, beinahe experimentellen Riffs und umgemein eingängigen Mitgrölrefrains. Das kam gut. Das Publikum war jedenfalls aus dem Häuschen. Wohl nur an diesem Abend durfte man die Band auch mit einer kompletten Bläsersektion erleben, die - im Gegensatz zur merkwürdig monophonen Produktion der CD - der Sache ordentlich auralen Bauchspeck verlieh. Luc überzeugte als charismatischer, cooler Frontmann und bestätigte damit den positiven Eindruck, den er mit seinem Solo-Auftritt auf der ersten Old, New, Lonesome & Blue Show in Köln letztes Jahr hinterließ. Unter dem Strich war dies ein tolles Konzert, das BGG's Ruf als ausgezeichneter Live-Act eindrucksvoll demonstrierte. Schade nur, daß BGG hierzulande aufgrund vertriebstechnischer Querelen einen schweren Stand haben. Immerhin: Die Band erwägt, auf der Popkomm aufzutreten. Wenn sich das bestätigt, werden wir euch auf dem Laufenden halten!
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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