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Happy Tuesday!

The Great Crusades

Köln, Underground
19.11.2002

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The Great Crusades
Das hatte schon irgendwie etwas von einer Entscheidungs-Schlacht: Die Vorhut, C Clay aus Beverungen war verschollen, gerade mal 30 Mann hatten sich im Underground eingefunden und im Hintergrund dräute das für 23 Uhr angesetzte Disco-Kreuzfeuer. Gerade solche Situationen brauchen die kämpferischen Kreuzritter aus Chicago aber scheinbar, um um so glorreichere Siege erringen zu können. "Neulich haben wir in Hamburg in einem Club gespielt, der war nicht größer als dieses Auto", meinte z.B. ein durchgeschwitzter Brian Leach (der Gitarren-Brian der Band, die mit insgesamt drei Brians aufzuwarten weiß) als wir ihn nach dem Gig mit dem Opel Agila zum Hotel zurückverfrachten, "ich habe nicht mal auf die Bühne gepasst, sondern musste neben dem Zigarettenautomaten stehen - trotzdem war das aber das beste Konzert bislang, denn da gab es fast so eine Punk-Atmosphäre." Das ist es, was für die Great Crusades zählt.
Und das ist auch ein gutes Stichwort, denn die Crusades haben sich eine eigenartige und ziemlich einzigartige Nische zwischen straightem Rock, einer moderaten, aber immer präsenten Punk-Attitüde sowie Americana- und Blues-Versatzstücken erspielt. Hinzu kommt, dass Sänger Brian (Krumm) eine eher für den Blues geeignete Stimme hat - wenn er schreit, was er oft tut, wird er nicht lauter, sondern heiser - was im Live-Kontext zu ungemein interessanten Reibungsverlusten bei den doch sehr muskelbepackten Songs des Quartetts führt. Nein, Schmusekatzen sind die Great Crusades wahrlich nicht. Gut gekleidet wohl: Alle Herren tragen distinguierte Anzüge und Brian Krumm einen schlappigen Hut. Dieses Outfit verleiht ihnen - besonders wenn es zerzauselt ist, die Jacken vor Schweiß triefen, die Krawatten aus den aufgerissenen Kragen baumeln und die Zigaretten im Zwielicht aus den Mundwinkeln hängen - etwas Verruchtes, ja Mafioides. Die Songs des neuen Albums "Never Go Home" - die ja allenthalben zurecht wegen ihrer Vielseitigkeit gelobt werden - werden beim Konzert zunächst mal mit Vollgas angegangen. "Hand Grenade Head" oder "Out Of Our Little Town" und auch der "Titeltrack", "The Great Crusades" schleudern die Jungs dem Publikum entgegen, als gälte es, Rekorde aufzustellen und Preise zu gewinnen. Dabei tritt die Band auch nach wie vor als die tighteste Sache seit hautengen Jeans in Erscheinung: So konzertiert auf den Punkt hauen nicht viele Rockbands. Das müssen sie aber auch irgendwie, denn Drummer Christian Moder - der einzige Nicht-Brian - spielt im Stehen - ergo ohne Hi-Hat und macht fast jedes Stück zu einer polternden Stakkato-Attacke, die optimales Timing geradezu erzwingt. Nicht, dass das langweilig wird, denn Christian arbeitet äußerst vielseitig - mit Schellenkranz und Betonung der großen Toms - so dass hinter den Drums immer was los ist. So kommt er denn auch bestens mit den komplexeren - bezeichnenderweise auch langsameren - Tracks des neuen Albums zu recht - wie z.B. "Field Of Sad Horses" oder dem melodischen Gassenhauer "Devon Avenue". Zum Kernstück der Show machen Krumm & Co. indes die düsteren Geschichten um verruchte Mädels wie "Phyllis" oder "Bernadette", von denen sich je eine auf jedem der drei Alben finden. Hier ergeht sich Krumm in einer sehr elekritifizierten Talking-Blues Variante, die den Jungs ziemlich viel Spaß macht - auch wenn die entsprechenden Tracks selbst nicht unbedingt zu den besten Stücken der Chicagoer zählen.
Bei einer Band, die sich seit dem Debüt doch erheblich weiterentwickelt hat, die aber keine neuen eigenen Stücke auf der Tour spielt, interessieren ja vielleicht nicht die Cover Versionen - so kann man auch erkennen, wo denn die Vorlieben der Jungs lieben. Es gibt eine rauhe, schmirgelnde Version von "Lazing On A Sunday Afternoon" von Altmeister Ray Davies, eine schleppende, fast bluesige Variante von Echo & The Bunnymen's "The Killing Moon" und - in ein eigenes Stück eingearbeitet - "Sympathy For The Devil". Fazit: Auch gegen widrige Umstände wissen sich die Great Crusades zu behaupten und können mit Kampfgeist, Energie und trockenem Witz überzeugen. ("Happy Tuesday!" gratuliert Brian Krumm dem Publikum z.B. zwischendurch). Das ist es, was eine wahre große Rockband auszeichnet!

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Surfempfehlung:
www.thegreatcrusades.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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Mehr über The Great Crusades:
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