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Konzert-Bericht
 
It's only Rock'n'Roll

Franz Kasper
Hansonis

Köln, Stadtgarten
26.11.2002

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Franz Kasper
Dieses erste Konzert zur Veröffentlichung des neuen Albums, "The New Rockin' Chair" war für Franz Kasper & The Violin Violence eher so etwas wie eine Trockenübung, denn das Produkt war offiziell erst seit einem Tag zu haben. Insofern wunderte es denn auch nicht, dass das Publikum vorwiegend aus Familienmitgliedern und Freunden der Band bestand. Was natürlich der Performance keinen Abbruch tat. Zunächst einmal durfte der Songwriter Hansonis (ehem. King Candy) den Anheizer machen. "Franz hat mich gebeten, ein paar Songs zu spielen, um euch einzuschläfern", begann er die Sache dann nicht so ganz geschickt. Dabei gab's für dieses Understatement nicht wirklich einen Grund: Hansonis ist ein guter Sänger und vor allen Dingen ein guter Songschreiber. Deswegen wunderte es schon etwas, dass er in seinem kurzen Set gleich drei Coverversionen unterbrachte - Johnny Cash, Bob Dylan und "20th Century Boy" von T-Rex. Allesamt gerieten diese dann doch zu abgehoben, um wirklich überzeugen zu können. Dann schon lieber Hansonis pur, der mit sprödem Charme und rauh angeschlagener Akustik-Gitarre seine Version vom idealen Amerika recht pragmatisch vertonte ("Hangmen also die" hieß ein besonders martialischer Titel).
Franz und seine Band machten dann das, was aus gegebenem Anlass angemessen erschien: Das neue Album "The New Rockin' Chair" quasi komplett live vorzutragen. In Anbetracht dessen, dass es wohl viele der Anwesenden bereits kannten, war diese Show dann so eine Heimspiel. Trotzdem wurden keine Kompromisse gemacht. Mit der dem Stadtgarten gebührenden Ernsthaftigkeit, gingen Franz und seine Mitstreiter an die Arbeit. Abgesehen von einigen kleinen Patzern, die dann zu kleinen humoristischen Zwischenspielen führten, die indes vom Meister gleich wieder in konzentrierte Bahnen gelenkt wurden, durften die Beteiligten ihr virtuoses Seelenleben nach außen kehren. Ganz ohne Zweifel: Franz hat da eine höchst kompetente Truppe versammelt, der kein Solo zu verstiegen, kein Rhythmuswechsel zu plötzlich und kein Arrangement zu komplex sein kann. Insofern gab's da über die ganze räumliche und zeitliche Breite auch die volle Breitseite Franz. Das interessante bei der Sache ist ja, dass bei aller musikpolitischen Ernsthaftigkeit der Franz auch ein Herz für den Pop hat. Und insofern verzogen sich die strengen, konzentrierten Mienen der Musiker (und auch des Publikums) zuweilen schwelgerisch, wenn die Band mal so richtig schön vor sich hinswingt. Da das ganze Unterfangen - bis auf Franzen's Ukelele - ganz ohne Gitarreninstrumente auskommt, freute es natürlich, dass sich Cellist und Co-Sänger Sebastian Ruin mit einer Verve ins Zeug legte, die einem den Gitarristen schon ersetzen sollte. Und Schlagzeuger Andreas Berg bewies wieder einmal seine Vielseitigkeit und zeigte, dass auch ein eher jazzorientierter Drummer auch mal einen Beat durchziehen kann, ohne dass ihm der Amboß der selbstgerechten Sittenwächter auf den Kopf fällt. Ganz im Gegenteil: Andreas bewahrte so manches Stück durch seine knackigen Drum'n'Bass-Rhythmen davor in das abzugleiten, was der Franz selbst so manchmal als "schnulzig" empfindet. Auch Bassistin Alex Krings wusste zuweilen mit verspielten Soli und ab und an auch mit fetten Grooves auf sich aufmerksam zu machen. Wahrscheinlich ist es gerade diese heitere Gelassenheit, mit der hier an Genrekonventionen gezerrt wird, die die Jazz Puristen mit der Musik von Franz so alleine lässt. Vielleicht sollte man das dem Publikum auch mal beibiegen, denn hier wurde, wie bei "richtigen" Jazz, Konzerten artig bei jedem Solo geklatscht. Was dann bei songorientierter Musik, die auf einen gewissen Flow angewiesen ist, schlicht nur nervt. Und Soli gab es natürlich reichlich. Gerade Trompeter Anselm Weyer (im gebügelten Hemd) und der erste Geiger Radek Stawarz durften sich hier ausleben. (Warum spielte eigentlich Matthias Blasberg kein Solo? Ist das vielleicht ein Rhythmus-Geiger). Programmtechnisch hielt sich Franz - wie erwähnt - vorwiegend an das Material des neuen Albums. Die Stücke gerieten z.T. etwas verspielter und länger als auf Scheibe, spiegelten diese aber recht schön wieder. Bzw. umgekehrt: Mit dieser Scheibe hat Franz jedenfalls imagetechnisch alles richtig gemacht. So klingt der Franz nun wirklich.
Es mag jetzt snobistisch klingen, aber die spannendste Stelle im Set kam für jemanden, der das neue Material bereits kennt, in dem Augenblick, wo Franz "Can Of Beans" vom ersten Album (das ja ganz ohne Streicherensemble eingespielt wurde) im neuen Arrangement spielte. Das machte wirklich Spaß und addierte der zentralen Botschaft des Songs - dass nämlich eine Dose Bohnen genauso wahr ist, wie ein Song - ganz neue Dimensionen hinzu. Daneben gab es dann noch liebgewonnene Standards wie "Wild Romance" - wie immer solo vorgetragen. Und dann - quasi um jedem Zweifler zu zeigen, worum es u.a. auch ging - wurden natürlich auch die beiden Rock'n'Roll-Stücke gespielt, die Franz im Programm hatte. Zwar mutet es etwas seltsam an, wenn jemand am Flügel sitzt und davon singt, dass es ihm um Rock'n'Roll ginge - gerade das ist es aber, was uns der Franz sagen möchte: Es kommt nicht darauf an, in welche Schublade man etwas steckt, so lange man diese nicht schließt. Als letzte Zugabe gab's dann noch einen Solo-Ukelelen-Song, zu dem die Musikanten dann fingerschnippend zu Franz auf die Bühne zurückkommen mussten. Das war als Auflockerung gedacht - geriet allerdings ob der doch sehr verkrampften Gesichter der spontaneitätsverpflichteten Zwangsschnipper eher peinlich. Der wohlgemeinte Rat an dieser Stelle wäre, das ganze Unterfangen etwas weniger bierernst durchzuziehen. Vielleicht ist ja ein Witz auch so wahr wie eine Dose Bohnen...

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Surfempfehlung:
www.day-glo.de/kasper.htm
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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