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Ho Ho Hooo!

Blue Rose "Weihnachtsfeier"

Heilbronn, Bürgerhaus
15.12.2002

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Steve Wynn
Was letztes Jahr als Laune der Natur mit Julian Dawson und Reto Burrell begann, wurde dieses Jahr zu einem Naturgesetz mit Wachstumspotential deklariert: Die Blue Rose "Weihnachtsfeier". Zwar hatte Wunschgast Chuck Prophet aufgrund anderer Verpflichtungen abgesagt, doch durch so etwas lässt sich Labelchef und Teilzeit-Weichnachtsmann Edgar Heckmann nicht abschrecken: Kurzerhand wurden Reto Burrell und seine Band nochmals verpflichet. Auch deswegen, weil sie letztes Jahr gut angekommen sind und mit ihrem stromlinienförmigen Flanellhemden-Rock so ganz auf der geschmacklichen Linie der meisten Blue Rose-Fans liegen. Als Auflockerung waren dann Chris Cacavas und Steve Wynn geladen, die den zweigeteilten Auftritt der Retos akustisch umrahmten.
Cacavas ist zwar eigentlich kein Blue Rose-Künstler - fühlt sich aber nach eigener Aussage zumindest emotional zugehörig. Er durfte das musikalische Programm eröffnen, nachdem Edgar ein hochkomplexes Verlosungs-Prozedere für diverse Blue Rose-Schmankerl - von der vergriffenen Vinyl-Scheibe über wagemutige T-Shirts bis hin zu Promo-Kopien noch gar nicht erschienener Werke - initiiert hatte. Es mag an dieser Stelle vielleicht zuweilen der Eindruck entstehen, wir hätten etwas gegen Chris Cacavas, weil er bei Live-Auftritten immer so mit der Technik hadere. Dem möchte hier und jetzt ganz energisch widersprochen sein, denn bei dieser Show bewies Chris schlicht und ergreifend, dass Übung letztlich doch den Meister macht. Im Bürgerhaus funktionierte all das reibungslos, was Herr C. in der Küche bereits ausprobiert hatte: Das Hantieren mit bis zu vier Effektpedals und Live-Sampler machte an diesem Abend Sinn und alles lief wie am Schnürchen. So gerieten denn Tracks wie "A.W.O.L", bei dem Chris eine ganzen Gitarrenkaskade per Sampler emulierte, zu den Highlights der Show. Doch auch andere Stücke, mit denen Chris akustisch zuweilen Probleme hat, wie das eher schwungvolle "On My Back" gerieten hier wunderbar relaxed. Auch der Moment, in dem Cacavas' Söhnchen Dylan plappernd auf die Bühne kletterte und begann, die Effektgeräte zu Papas Füßen neu zu verkabeln, ließ Chris nicht aus dem inneren Gleichgewicht geraten. Als Fazit dürfte dieser Auftritt sicherlich zu Chris' gelungensten akustischen überhaupt gezählt werden.
Reto Burrell aus Luzern in der Schwyz war erkältet, und somit musste evtl. fehlende Stimmkraft durch Power und gute Laune wettgemacht werden. Beides klappte prinzipiell hervorragend. Der an sich verwirrende, weil widersprüchliche Slogan, der auf Retos-T-Shirts aufgedruckt ist - "Rock Music Made In Switzerland" - wurde so überzeugend am praktischen Beispiel erläutert. Lediglich aufgrund der Gleichförmigkeit des Gebotenen (die indes bei dieser Gelegenheit sogar eher erwünscht war) gab es Abzüge in der B-Note. "Ich schätze, es ist okay, was die machen", brachte es Chris Cacavas auf den Punkt, "aber es ist ganz schön klischeehaft." Steve Wynn nutzte dann die Gelegenheit einer vorgezogenen Promo-Tour dazu, eine seiner eher seltenen Akustik-Shows zu präsentieren. Zunächst gab es ein paar Klassiker - wie z.B. "Merrittville" - die eh recht gut für den akustischen Vortrag geeignet sind. Da Steve mit Herz und Seele Rock N Roller ist, konnte er es auch wagen, Sachen wie "Southern California Line" ungestraft schrammelnd vorzutragen (wobei es natürlich hilft, dass Steve zudem auch ein ausgezeichneter Gitarrist ist). Die spannender Phase der Show war indes der Teil, in dem er - zusammen mit Chris Cacavas am Fender Rhodes, das eine befreundete Band freundlicherweise zur Verfügung gestellt hatte - Stücke des kommenden Albums "Static Transmission", das im Februar erscheint, vorstellte. "Weißt du Steve, wenn du mich da so auf die Bühne holst, habe ich keine Idee, was mich erwartet", meinte Chris anschließend erklärend. "Und genau das ist die Idee", erwiderte Steve schmunzelnd. Eine Setlist bastelt er sich nämlich für solcherart Anlässe grundsätzlich nicht. Und so mussten sich die Herren dann z.B. zuweilen die Akkordfolgen der neuen Stücke gegenseitig ins Gedächtnis zurück rufen. (Chris spielte bei den Studioaufnahmen auch mit). Und so wurden diese neuen Stücke dann selbstredend in deutlich anderen Versionen gespielt, als denen, die schließlich den Weg auf die Scheibe fanden. Besonders den balladesken Tracks wie z.B. "What Comes After", "Maybe Tomorrow" (auf der Scheibe mit Streichern eingespielt) oder Steves momentaner Favorit "Ambassador Of Soul" (ein Stück über die Schwierigkeiten des kreativen Prozesses) bekam dieser subtile Ansatz recht gut. Dennoch sei jeder gewarnt: Die neue Scheibe ist wahrlich kein Kuschelrock!

Der Höhepunkt der Show war zweifelsohne das zuletzt eher selten gespielte "Caroline", zu dem Chris dann innovative, düstere Akkorde auf dem Rhodes beisteuerte. Dem Applaus nach zu urteilen (Steve musste für eine Zugabe zurückkommen), kamen aber auch die neuen Stücke beim Publikum bestens an. Es folgte dann ein weiterer Set von Reto Burrell mit Band, bei dem Reto dann zusehends die Stimme wegkippte, so dass man mit "I Want You To Want Me" von Cheap Trick recht bald zu einem gefeierten Finale kam. Die Zugabe, bei der Steve Wynn noch einmal ans Mikro gebeten wurde, funktionierte dann allerdings weniger - weil nämlich Reto einen unüberlegten Spruch vom Stapel ließ ("Steve shut the fuck up for a moment"), den letzterer dann ziemlich persönlich nahm. Das sind eben die Feinheiten des Sprachgebrauchs, derer man sich als sprachfremder bewusst sein sollte - insbesondere dann, wenn man Witze machen möchte. Alles in allem war dies aber ein schöner Abend (auch wenn einige Gewinne im allgemeinen Organisations-Overkill untergingen), und so dürften denn Edgars Überlegungen, die Sache von nun an regelmäßig stattfinden zu lassen, durchaus ernst gemeint gewesen sein.

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Surfempfehlung:
www.retoburrell.com
www.stevewynn.net
www.uah.de/cacavas/
www.bluerose-records.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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