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Klitpop
Roeland van Niele/ Sugarbomb/ The Minusmen

Köln, Stereo Wonderland
16.08.2003

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Klitpop
Das Motto, das sich Klitpop für diesen von Gaesteliste.de präsentierten Abend ausgedacht hatten, bot einiges an spitzfindiger Brisanz, denn die Veranstaltung im überschaubaren Stereo Wonderland gehörte zu einer Reihe, die sich über das ganze Popkomm-Wochenende hinzog - aber nicht dazugehörte. Will meinen: Diese Alternative zum offiziellen Messetrubel ließe sich ohne weiteres auch nächstes Jahr wieder durchführen, wenn die Popkomm dann halt nach Berlin gegangen ist... (Kleine Randnotiz zum Thema Niedergang der Popkomm: Das Stereo Wonderland befindet sich genau gegenüber des Prime Clubs - zu Hochzeiten mit dem anliegenden Mexikaner stets Szenetreff und Dreh- und Angelpunkt des Geschehens - dieses Jahr nicht mal offizieller Veranstaltungsort).
Das Programm des Abends konnte sich sehen lassen und bedurfte einiger Koordination und eines genauen Terminplanes um überhaupt im vom Ordnungsamt vorgegebenen Rahmen vorgeführt werden zu können. Deshalb machte es Sinn, dass der lauteste Act, die Minusmen aus Worms, gleich zu Beginn um 18 Uhr aufspielten. Zwar waren somit nur die direkt Betroffenen und deren Angehörige anwesend - alle anderen zogen es vor, sich VOR der langsam aufheizenden Lokalität ihr Bier einzunehmen - dennoch gab das Trio sein Bestes. Und das war laute, metallische und hart treibende Rockmusik - mit langen Instrumentalparts. "Ich glaub' ich bin gleich taub", meinte Sänger-/Bassist Jimi Gomorra nach einem Track. "Nicht nur du", antwortete jemand aus dem Publikum. Wie gesagt: Für diese Tageszeit unter den Bedingungen war das aber genau das Richtige.

Die nachfolgende Band - die Sugarbombs aus Aachen - hatten das Problem sofort erkannt: "Wir sind insgesamt zu laut, nicht war?", fragte Sänger Alexander Plaum beim Soundcheck - woraufhin es gelang, ein tatsächlich erträgliches Niveau einzupegeln. Beachtlich bei einer Band, die ziemlich problemlosen und altmodischen Hardcore-Punkrock macht. Übrigens war die Bühne den fünf Jungs zu klein, weswegen man dann z.T. beherzt aus dem Auditorium heraus agierte. Noch ging das auch, weil sich der Club zwar langsam füllte, aber noch Bewegungsraum vorhanden war. Die Jungs pflügten also konsequent durch ihr Programm, deuteten eine Slayer-Coverversion an und bemühten sich, mit erklärenden Worten ihre Setlist zu kommentieren. Was jedoch weder gelang noch notwendig erschien: Punkrock dieser Couleur versteht schließlich jeder.

Was dann folgte war eine Art Anti-Climax: Roeland van Niele aus Holland verlieh dem Abend nicht nur eine internationale Note sondern sorgte auch für eine Art Atempause. Der Sänger der Band Gitbox stellte nämlich seine melancholischen Folksongs im klassischen akustischen Setting vor und bewies - z.B. indem er eine Coverversion von Michael Hurley (über einen sprechenden Hund) spielte, dass er sein Herz auf dem rechten Fleck hatte. Dabei schien er irgendwie schlechter gelaunt zu sein, als der Abend das nötig gehabt hätte. "Das nächste Mal komme ich mit meiner Band zurück und puste euch mit Pop-Rock weg", meinte er zwischen den Tracks und keiner wusste warum, denn der Zuspruch des jetzt fast ganz gefüllten Clubs war ihm sicher und er musste auch zu Zugaben zurück auf die Bühne.

Danach trafen zusammen mit den Headlinern des Abends auch deren Fans ein und das Stereo Wonderland platzte spätestens jetzt aus den Nähten. Klitpop präsentierten sich nach längerer Auszeit mit neuen Songs und neuem Schlagzeuger: Mark Kowarsch gründete früher Sharon Stoned und Elektrosushi und war heuer zusammen mit Comic-Künstler Klaus Cornfield von der Band Katze (und auch Throw That Beat) auch als "Likely To Be Dropped-DJ Team" für den Ausklang des Abends zuständig. Um es gleich vorweg zu sagen: In all dem hochgehypten Umfeld, was eine Popkomm wie diese nun mal mit sich bringt, fiel der unbekümmert gutgelaunte Gig von Klitpop gleich positiv aus dem Rahmen. Ohne die Notwendigkeit, irgendwelche Superlativen in Richtung "härter-schneller-lauter" erfüllen zu müssen oder gar irgendwelchen Klischeevorstellungen entsprechen zu wollen, legten die Mädels plus Drummer mit heiterer Gelassenheit los und hatten auch gleich mit dem Opener "Addicted" eigentlich alle auf ihrer Seite. In Zeiten, wo z.B. Bands wie Wir sind Helden beweisen, dass man mit originellem, gutgelaunten, aber nicht blödsinnigem Kraut-Pop (ein von Katze geprägtes aber in dem Zusammenhang gut passendes Label) durchaus auch Erfolg haben kann, bieten Klitpop eine rauhere, greifbarere und irgendwie auch liebenswertere Alternative. Der Charme des Projektes liegt darin begründet, sich einen Kehrricht um Regeln zu scheren: So wird z.B. munter englisch und deutsch gesungen und die Tracks sind weder eindeutig Pop, noch Rock, noch Punk sondern bieten von allem ein wenig. Auf unnötige Virtuosität wird gepfiffen, aber trotzdem scheppern Klitpop keineswegs etwa inkompetent daher. Und endlich einmal wird hier ein Billig-Keyboard sinnvoll und effektiv eingesetzt! Dazu kommen jede Menge griffiger Slogans: "Fuck you selber", "Spreng die Fesseln", "Das innere Radio", "Go Commando" und nicht zuletzt "Likely To Be Dropped" - das hört sich nicht nur gut an, sondern macht im musikalischen Kontext meist auch Sinn. Dass sich dann P.M.S. ausgerechnet auf "Postmoderner Scheiß" "reimt" ist dann so etwas wie die Essenz des Ganzen. Auf besonderen Schnickschnack verzichtete man zwar, dennoch gelang es der Band, durch simple Mittel die eine oder andere Überraschung einzubauen. Sei es das Megaphon, das Sängerin Jasmin bei einigen Tracks bemühte (obwohl es jetzt wieder laut genug war), sei es der Gedanke, auch Bassistin Elke oder Gitarristin Jule mal den Leadgesang zu überlassen oder aber eben die besagte Taschenorgel, die immer wieder aufhören ließ. Das alles wäre natürlich nichts ohne richtige Songs - aber davon haben Klitpop scheinbar mehr als genug. Viele davon taugten aufgrund des Mitsing-Charakters durchaus auch als potentielle Hits. Wollen wir also mal hoffen, dass es jetzt bald mal was wird mit einem "ordentlichen" Tonträger. Bis es soweit ist, kann man sich auf der ausgezeichneten Homepage der Band über die Details informieren. Und wie gesagt: Eine Veranstaltungsreihe in dieser Form wäre auch für das nächste Jahr durchaus wieder wünschenswert. Dann vielleicht sogar in einem "richtigen" Club? Es müssten dann ja genügend frei sein...

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Surfempfehlung:
www.klitpop.de
www.likely-to-be-dropped.de
www.gitbox.nl
www.minusmen.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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