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Konzert-Bericht
 
"Happy with our sad songs"

Arab Strap

Köln, Gebäude 9
23.10.2003
Arab Strap - Malcolm Middleton
Ich bin heute so gegen halb eins aufgewacht. Da war ich schon in Köln. Wir reisen in einem Nightliner mit elf Leuten: James Orr, die Ein-Mann-Vorband, ein paar Techniker und wir. Da ich recht gut in dem Bus schlafen kann und wir die ganze Nacht durchgefahren sind, habe ich nicht gemerkt, wie wir angekommen sind. Aber als ich aufwachte, war ich völlig allein im Bus ­ keine Menschenseele weit und breit. Das einzige was ich gefunden habe, war eine Skizze mit dem Weg zum Hotel, die unser Manager mir gemalt hat. Im Hotel warteten alle darauf, duschen zu dürfen. Ich hatte noch sechs Personen vor mir. Gegen zwei habe ich dann ein Steak gefrühstückt. Für ein Tourfrühstück ist das sogar noch ziemlich früh.
Danach sind wir alle zusammen zum Gebäude 9 zurückgefahren und habe die Klamotten aus dem Bus geholt. Während die Technicker dann den Kram aufgebaut und angeschlossen haben, habe ich Playstation gespielt und ein Buch über jüdische Geschichte gelesen. Danach kam der schlimmste Teil des Tages: Der Soundcheck. Du hängst da rum und wartest die ganze Zeit darauf, dass du aufgerufen wirst, um ein bisschen was zu spielen. Das ist wirklich extrem langweilig. Gegen halb sieben sind wir dann in die Stadt, aber ich habe wieder nicht viel von ihr gesehen. Wie jedes Mal war es zu kalt und zu dunkel. Zurück im Club habe ich dann mit meiner Freundin telefoniert, Heimweh bekommen und mich gefragt, was ich hier eigentlich mache. Trotzdem schätze ich war das der Höhepunkt des Tages. Danach hatte ich noch eine Diskussion mit dem Busfahrer, weil ich gerne neue Bettwäsche haben wollte, aber er meinte, er hätte sie doch erst letzte Woche gewechselt. Daraufhin wollte ich noch eine Diskussion mit den "Mächten des Bösen" austragen, ob ich Bier trinken solle oder nicht, aber ich hatte die Argumente dagegen schlicht und einfach vergessen. Es ist sehr schwer, nichts zu trinken, wenn alle anderen um dich herum trinken. Danach war ich sehr rastlos - immer vom Bus in die Umkleide und wieder zurück. Mir fehlt ein Zuhause, wenn ich auf Tour bin, ein Raum, der mir gehört und zu dem ich gehöre. Dann endlich ist es soweit, wir sind dran. Wir werfen uns einen letzten Blick zu, so nach dem Motto: "Also gut, an die Arbeit..."
Arab Strap - Malcolm Middleton
Noch ein Bier und dann auf die Bühne. Arab Strap auf die Bühne zu bringen ist gar nicht so einfach. Im Studio ist es viel einfacher. Da sind nur Aidan, ein Techniker und ich. Wir machen, was uns gefällt und kümmern uns nicht darum, wie man das auf die Bühne bringen könnte. Aber nachher holt uns das Problem dann doch ein. Die Eindringlichkeit der Aufnahmen auf einen Konzertsaal zu skalieren ist sehr schwer. Wir versuchen das durch mehr Dynamik auszugleichen. Mal klappt es besser, mal schlechter. Wir haben hauptsächlich Stücke von "Monday At The Hug & Pint" gespielt, weil es unsere aktuelle Platte ist und weil die aktuelle Platte immer die beste ist. Bei jedem Song haben wir den Anspruch, dass er besser sein muss als der davor. Sonst würde es doch gar keinen Sin machen, noch Lieder zu schreiben. Jedes Album könnte das letzte sein. Wir verfolgen keinen Masterplan, wir leben von Song zu Song. Auf der Bühne sehen wir ziemlich streng aus, wir lachen nicht und lächeln selten. Das müssen wir bei unserer Musik auch nicht, darauf bin ich einigermaßen stolz. Wir brauchen niemanden unterhalten, wir wollen nichts vorspielen müssen. Das heißt aber nicht, dass live spielen mir nicht gefallen würde, es ist schon okay, nur gibt es mir halt keinen Kick, wenn mir alle zugucken. Mir geht es wirklich ausschließlich um die Musik, und dass Leute zugucken, liegt bei einem Konzert halt in der Natur der Sache. Egal wie es aussieht: Wir sind glücklich mit unseren traurigen Liedern. Nach dem Auftritt fühle ich mich noch leerer als vorher. Die anderen rauchen Haschisch, aber dazu habe ich keine Lust, ich hänge lieber mit einem Freund am Merchandise-Stand rum und vermisse Zuhause. Naja, und jetzt bin ich hier und erzähle euch meinen Tag...
Surfempfehlung:
www.arabstrap.co.uk
Text: -Malcolm Middleton (Arab Strap)-
Fotos: -Nannette Römer-


 
 

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