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Konzert-Bericht
 
Nachlese

Old, New, Lonesome & Blue

Köln, Päff
22.08.1999
Paul James Berry
Mit einem "Knall" begann die Konzertreihe "Old, New, Lonesome & Blue" auf der Popkomm 99. Und das in mehrerlei Hinsicht. Geplant war, die Aktion am 22.09. - dem Popkomm-Sonntag offiziell im PÄFF in Köln zu eröffnen und dann mal zu sehen, wie sowas ankommt. Jeweils Sonntags sollten Acts aus dem Bereich Singer-/Songwriter ihr Können unter Beweis stellen - und wenn mal keine zu finden waren, sollten einfach "nur" Platten aufgelegt werden. Es konnte ja keiner ahnen, daß der Bedarf von Seiten der Musikanten so groß war, daß bereits jetzt bis Januar fast alle Termine vergeben sind (siehe jeweils die aktuellen Ankündigungen) und sich auch namhafte Acts für dieses Experiment interessierten.
Luc Crabbe
Wegen des großen Andrangs wurde die Reihe inoffiziell dann auch schon am Freiteg, dem 20.08. mit einer Show des britishen Songwriters Paul James Berry eröffnet. Paul war Kopf der Band Rose Of Avalanche, präsentiert seine düsteren, wütenden und persönlich gefärbten "Protestsongs" aber bereits seit einiger Zeit solo. Von Lagerfeuer-Romantik ist Paul hierbei jedoch weit entfernt. Mit Wut im Bauch und Strurm & Drang in der Seele ist Paul live ein einziges Energiebündel. Power ist das Stichwort, daß hierbei die Sache am besten umschreibt. Z.T. mit Körpereinsatz (Kopfe gegen's Mikro knallen etc.) und z.T. mit recht rüden Sprüchen, ist er bemüht das Publikum so eng wie möglich einzubeziehen. An jenem Abend keine leichte Aufgabe, da die Leute wegen der Haupt-Acts - Soccer und Jeans & Electronic - gekommen waren, die musikalisch ein wenig anders gelagert waren. Dennoch meisterte Paul die Aufgabe mit Bravour. Paul's Credo - es kommt nicht darauf an, ob ein Ton stimmt, solange man alles gibt, ihn hervorzubringen - ließ hierbei das Herz eines jeden Musikfreundes höher schlagen. ABER: Das war nicht die einzige Überraschung an diesem Abend. Der Besuch zweier grimmig dreinschauender Herren vom Kölner Ordnungsamt hinterließ Eindruck und Sorgenfalten.

Doch am Sonntag war noch alles in schönster Ordnung. Wunderbares Sommerwetter, ein pickepackevolles Ringfest vor der Haustür, die hervorragende Organisation vor Ort und ein wahrlich begnadeter Soundman (Götz Bürki), der es schaffte, 4 total unterschiedliche Acts unter schwierigsten Bedingungen allesamt gut klingen zu lassen, machten die offizielle Eröffnungsveranstaltung zu einem vollen Erfolg.

Roger & The Pricklypears
Als erstes betrat Luc Crabbe aus Belgien die Bühne. Der Kontakt zum belgischen B-Track Label kam über den amerikanischen Songwriter Steve Wynn (Dream Syndicate) zustande, der dort sein belgisches zu Hause hat. Luc ist Kopf der auch bei uns bekannten Band Betty Goes Green, liebt Pommes Frites über alles, zählt Lou Reed (der auf einigen seiner Platten mitspielte) zu seinen Fans und seit diesem Sonntag auch viele Kölner. Luc hat eine natürliche Bühnenpräsenz, von der so mancher internationale Superstar nur träumen kann. So gelang es ihm, um halb neun (!) bei Tageslicht (!) das Publikum beim zweiten Song (!) zum Mitsingen (!) zu veranlassen. Luc, dessen Musik irgendwo zwischen seinen Idolen (neben Lou Reed zweifelsohne David Bowie) und völlig eigenen Songstrukturen angesiedelt ist, bot an diesem Abend eine akustische Solo Show, wie sie besser nicht gemacht werden kann. Zwei Cover-Versionen ("Satellite Of Love" von Lou Reed und "Ziggy Stardust" von Bowie (die einzigen, die er spielt)) rundeten das Set ab.

Als zweiter Act betraten die Heathers die Bühne. Heathers ist ein neues Projekt von Kurt Kreikenbom, einem Kölner Songschreiber, der bereits mit seiner letzten Band, The Furthurs einige Furore machte. So brachten diese z.B. eine von der Kult-Legende Kramer produzierte CD heraus. Zwar fehlte an diesem Abend der zweite Gitarrist/Sänger/Songschreiber, jedoch begeisterten die Heathers dennoch mit einer gelungenen Mischung von Cover-Versionen und eignenen Stücken aus dem Bereich Folk-Rock (und vielem mehr), die nahtlos ineinander übergingen (so, wie das sein muß). Eine besondere Note wurde dem Set verliehen durch Cellistin Gloria, die bei fast jedem Stück prägend mitwirkte. Das Konzert übertraf was Atmosphäre und Klang betrifft sogar noch die "Generalprobe", die einen Tag vorher im Plattenladen "Normal" stattfand.

Als Drittes betrat Sweet Jane mit ihrer Band die Bühne. Sweet Jane - alias Christel Mignolet - kommt aus dem französischen Teil Belgiens, macht aber das, was man am besten von alternativen amerikanischen Songwriterinnen her kennt: Soliden College Rock. Live ist die eher schmächtige Person von beeindruckender Präsenz, was nicht nur an ihrer großen akustischen Gitarre, sondern vor allen Dingen an ihrer einprägsamen Stimme liegt. Die Band - nicht ihre eigene - bot für Sweet Janes's fragile, intensive Songs eine druckvolle Basis. In Belgien ist Sweet Jane bereits ein etablierter Act, der auf keinem größeren Festival fehlen darf. So dürfen wir also hoffen, daß diese Deutschlandpremiere nicht ohne Folgen bleiben wird.

Den Abschluß des ersten Abends bildeten Roger & The Pricklypears. Roger, ein begnadeter kölscher Slidegitarrist und Freund klassisch orientierter - meist toter - amerikanischer Songwriter, organisierte die technische Seite des Abends praktisch im Alleingang. Vom organisieren der Anlage über den Aufbau bis zur Sicherstellung des Bierflusses. Wer sowas mal gemacht hat, der wird Roger's musikalische Leistung an diesem Abend besonders wertzuschätzen wissen. Mit einer "jetzt erst recht"-Attitüde sondergleichen brannten Roger und seine Jungs (darunter ein extra für diesen Abend angelernter Ersatz-Bassist) ein wahres Feuerwerk musikalischer Kleinode ab. "Optimale Musik" kam ein nicht mehr ganz nüchterner, aber anerkennender Zuspruch aus dem Publikum. Das stimmte. So weit, so schön - ein musikalisch gelungener Abend vor vollem Haus, der für jeden etwas bot - wobei es auch viele gab, denen alles gefiel.

Alles wunderbar - wären da nicht die eingangs erwähnten Herren vom Ordnungsamt gewesen. Deren Tun zeigte sich einen Tag später: Dem PÄFF wurde nämlich - zumindest musikalisch - der Hahn abgedreht. Wie sich nämlich herausstellte, gab es dort keine Konzession für Live-Musik. Ein in Köln durchaus nicht ungewöhnlicher Umstand, der normalerweise stillschweigend geduldet wird, so lange es keinen Ärger gibt. Der allerdings zeichnete sich im Falle des PÄFF bereits seit einiger Zeit in Form von ruheliebendenden, ordentlichen deutschen Nachbarn ab. Schade also. Doch so schnell ist ONLB nicht unterzukriegen: In einer beispiellosen Aktion schafften es das Organisationskomitee des ONLB Dreierrats innerhalb von 5 Arbeitstagen (!) einen Ersatz für die Heimat der ONLB-Reihe zu finden. Es ist dies das ABS am Gottesweg (nähe Luxemburger Straße, etwa 1 km Stadtauswärts vom Uni-Center entfernt.. Und das Wichtigste: ALLE BUCHUNGEN AB OKTOBER BIS JANUAR KONNTEN GERETTET WERDEN. Aktuelle Termine und alles weitere dann später hier auf dieser Homepage Eures Vertrauens. Wir sehen uns vor Ort?!?

Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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