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Konzert-Bericht
 
Cowboy auf Abwegen

The Ben Taylor Band
Miller

Köln, Underground
10.12.2003

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Ben Taylor
Miller hieß die örtliche Vorgruppe für den Ben Taylor-Showcase im Kölner Underground. Und noch bevor die Jungs mit ihren erstaunlich ernst gemeinten, unfreiwilligen Parodien auf beliebige Americana-Songs begannen, hatten sie sich schon mit aufgesetzten englischen Ansagen und dem Hinweis auf mitgebrachte CDs beim Publikum unbeliebt gemacht. Über den viel zu langen musikalischen Teil deckt man dann besser den Mantel der Indifferenz. "Vielleicht ist es ja ganz gut, dass nicht mehr Leute gekommen sind", meinte dann endlich Ben Taylor - mit einem verschmitzen Grinsen, dem man die Unernsthaftigkeit seines Anliegens ansah, "wir spielen euch nämlich jetzt ein paar neue Stücke vor, an denen wir gerade arbeiten." Der Sohn von James Taylor und Carly Simon kann ein ganz schöner Witzbold sein, wenn er möchte. Gerade mal 20 Leute (inklusive Thekenpersonal und Laufkundschaft) hielten sich nämlich zu seinem kurzfristig angesetzten Showcase im für diese Situationen berüchtigten Underground auf.
Ben und drei seiner sonst üblichen vier Mitstreiter sollten eigentlich erst mal die aktuelle Scheibe "Famous Amongst The Barns" vorstellen. Doch Ben, der aufgrund widriger Umstände erstaunlich lange brauchte, um seine erste CD fertigzustellen, möchte jetzt offensichtlich die verlorene Zeit wieder aufholen und hatte bereits einen ganzen Stapel neuer Songs im Gepäck. Für die kleine Schar Aufrechter war das natürlich ein Glücksfall, denn in einer solch intimen Umgebung wird man den Mann, der privat am liebsten Rap-Musik hört, so schnell nicht wieder erleben können. Dabei wurde die Situation auch durch den Umstand zu etwas Besonderem, dass nämlich Bens musikalischer Partner, Larry Ciancia, zu Hause geblieben war, um sich um organisatorische Dinge zu kümmern. Das führte dazu, dass die Band die Hälfte der Songs als halb-akustisches Trio (Wurlitzer Piano, Gitarre, Bass) aufführte, und erst danach durch den 17-jährigen, "jungen Herrn Bradley" an den Drums unterstützt wurden. Dieser hatte die Songs erst in den letzten 24 Stunden zuvor gelernt, wie Ben erläuterte, und machte seine Sache außerordentlich gut - und mit einem jazzigen Feeling. Den Songs stand dieses Treatment durchaus wohl an, denn Ben Taylor ist kein wirklich lauter Songwriter. Seine Tracks konzentrieren sich eher auf den harmonischen Faktor, der z.B. auch seinen Vater auszeichnet - wobei gleich dazu gesagt werden muss, dass Ben keineswegs bemüht ist, seinen Eltern irgendwie musikalisch nachzueifern. Jedenfalls klangen die Stücke in dieser reduzierten Form geradewegs so, als seien sie für dieses Setting geschrieben worden. Der Pop-Faktor, den Ben zuweilen einfließen lässt, ebenso wie die coolen Licks, die Keyboarder Adam seinem Instrument entlockt und der groovende Swing von Bassist Joe ließen jedenfalls das Schlagwerk anfangs kaum vermissen. Wenn es übrigens einen Künstler gibt, mit dem man Ben Taylor stilistisch vergleichen könnte, wenn man wollte, dann wäre dies vielleicht Jeb Loy Nichols - denn wie dieser ist Ben den sonnigeren, souligeren Spielarten akustisch orientierter Popmusik zugetan. Ob Ben dann Stücke des von der Industrie bislang sabotierten, ursprünglichen Erstlingswerk "Green Dragon" spielte, konnte man natürlich nicht ausmachen - da es ja eben nie erschienen ist. Auf jeden Fall schien er ernsthaft bemüht, die Setlist - neben einigen der o.a. neuen Tracks wie z.B. "What You're Forgetting" (im Reggae-Ambiente) - mit einigen Schmankerln anzureichen. Dazu gehörte z.B. die erstaunlich gut passende Taj Mahal Cover-Version "Take A Giant Step Outside Your Mind" und das vom Keyboarder verfasste und intonierte Stück "Takin' Off All Her Clothes", bei dem Ben wie ein richtiger Entertainer ohne Gitarre mit dem Mikro in der Hand die Harmoniegesänge beisteuerte.
"Hört auf den Mann", meinte er zum Thema ausziehen. Und zum Thema CD: "Wenn ihr gütig genug seid, nach dem Konzert eine CD zu kaufen, dann würden wir euch gerne den Hintern küssen. Und denkt daran, dass CDs sich signiert sehr viel besser anhören. Wir haben auch alle faszinierende Unterschriften." So machte die ansonsten peinliche Anbiederung ans Publikum doch mal wirklich Spaß. Bei all dem durfte man aber den wirklich kurzweiligen musikalischen Part nicht vergessen. Songs wie z.B. "Just Like Everyone Else" oder der Gassenhauer "Day After Day" (die aktuelle Single), bei der die ganze Band kollektiv ausflippte und das Stück in eine regelrechte Jam-Session ausarten ließ, gehörten dann zu den Höhepunkten des Sets. Es ehrt den Mann zudem. Dass er der aus dem Publikum vorgetragene Bitte, das auf dem Album enthaltene "Time Of The Seasons" von den Zombies zu spielen, nicht nachkam, und statt dessen weiteres neues Material anstimmte. Unter anderem ein Song über Cowboys - weil ihm irgendjemand erzählt habe, dass es Cowboys in Deutschland gäbe... "Ach ja, in ein paar Tagen spielen wir hier in Köln das Vorprogramm für Sheryl Crow", ließ er dann zum Schluss noch verlauten, "kommt also bitte rechtzeitig, klatscht bei unserem Auftritt und geht dann wieder - damit die anderen denken, wir seien der Headliner." Das ist sicherlich ein guter Plan! Gaesteliste.de wird dann mal überprüfen, ob das auch funktioniert.

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Surfempfehlung:
www.bentaylorband.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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