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Tanztee auf der Hasenranch

Adam Green
Gloria/ Andreas Koyama

Köln, Gebäude 9
11.02.2004

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Adam Green
Also das Gebäude 9 war auch schon mal leerer gewesen! Überall prangten die Adam Green Plakate mit dem "Ausverkauft" Sticker, damit es auch bloß jeder merkte, dass der Mann mit den unauffälligen Tonträgern und dem Bunnyface mittlerweile ganz heimlich, still und leise zu einem echten Star geworden ist. Erstaunlich flugs wurden die Türen geöffnet und die Massen hineingelassen. Das hatte aber auch seinen Grund, denn man hatte sich einiges vorgenommen. Neben dem eigentlichen Support-Act, den Lokalmatadoren von Gloria, hatte sich nämlich noch Andreas Koyama als zusätzlicher Support-Support eingeschlichen. Koyama muss man sich so vorstellen wie eine lebende Geduldsprobe. Der emsige junge Mann spielte (unterstützt von seinem Drummer und sonst nix) seine ernsthaften, traurigen, vor allen Dingen in diesem Setting enervierend eintönigen Songs aber zum Glück relativ fix weg, so dass das man das gerade eben noch hinnehmen konnte. Klang die CD des Auteurs, "Pay And Dice", noch vielversprechend, so geriet dieser Auftritt dann eher ernüchternd.
Gloria schließlich haben nach längerer Ruhepause soeben eine neue EP namens "Stars (Coincidentally Shot Down)" veröffentlicht, aus der sie dann auch vortrugen. Im Gegensatz zu früher war die Bühne dieses Mal mit unerklärlich viel Kram zugebaut: Neben dem Keyboard, an dem Gitarristin Barbara gelegentlich Platz nahm, gab es noch eine ganze Apparatur mit urtümlichem Synthesizer, Tape-Echo, nicht angeschlossener Drumbox etc., an der Sänger André Scherer zuweilen herumdrehte, und dann war da natürlich noch die ausufernde Effekt-Sammlung von Gitarrist Jeffrey Kubiak. Um ehrlich zu sein, machte sich das musikalisch kaum bemerkbar, denn Gloria machen eigentlich immer noch Gitarrenmusik. Auch wenn diese - und das ist ja gut so - sich heuer nicht mehr so nach den vorwiegend englischen Vorbildern anhört und sich beim Konzert nach dem erfreulich ruppigen Einstieg in immer transzendentere Gefilde bewegte. Bis man zum Abschluss gar ein überraschend freistiliges, ausuferndes, aber keineswegs unspannendes Instrumental ablieferte, das eher an Bands wie Mogwai als etwa an Brit-Pop erinnerte. Sänger André stand dabei die ganze Zeit mit geschlossenen Augen auf der Bühne und litt seine Songs vor sich hin. Das ist auch immer das Komische an Gloria: Die sehen immer so aus, als haben sie so gar keinen Spaß auf der Bühne. Immerhin war André mal beim Friseur gewesen (wobei es für eine Rasur nicht ganz gereicht hatte) und sah in seinem roten Samtanzug vergleichsweise scharf aus. Das alles passte zwar so gar nicht zum Sound des Headliners, wurde aber dennoch mit Aufmerksamkeit und Applaus bedacht. Immerhin bekamen so die Leute mit, dass es Gloria noch gibt und das vorgestellte Konzept machte dann auch wieder mal neugierig auf einen "richtigen" Tonträger.
Nach einer im Vergleich zum folgenden Kurz-Konzert ziemlich langen Umbaupause kam dann der eigentliche Hausherr des Abends auf die Bühne. Der Mann, der im Frühjahr im Vorprogramm der Tindersticks noch alle (inklusive wohl sich selbst) mit seinem Mass-Appeal überrascht hatte, stand zunächst da, als wolle er den Müll rausbringen, sei dazu aber wegen Verdauungsproblemen nicht in der Lage. Die - sagen wir mal - eigenwillige Körpersprache des Adam Green ist aber nicht nur eine exzentrische Art sich auszudrücken, sondern auch Ersatz für andere Kommunikationsmittel. Denn ohne eine Miene zu verziehen und ohne irgendetwas mit dem Publikum zu erzählen, arbeitete sich Adam straff durch sein Programm. Und das kam dann Schlag auf Schlag: Kein Song länger als drei Minuten, keine Soli, keine Faxen - das war ein pures, effektives Arbeitsfrühstück (bzw. Abendessen), bei dem Adams sperrige Tanzeinlagen, die so gar nichts mit der Musik zu tun hatten, den Zuckerguss darstellten. Es war aber auch zu herzig, wie er da herumhüpfte. "Sterbender Schwan" hatte das mal jemand genannt, "angeschossene Ente" hätte es wohl eher getroffen. Musikalisch beschränkte sich Green auf seine Solo-Scheiben "Garfield" und "Friends Of Mine" - ließ also die Moldy Peaches weitestgehend außen vor. Natürlich durfte (im Gegensatz zum Tindersticks-Slot) seine Band, die ja echt gut sei, wie er selber meinte, bei diesem Konzert so richtig loslegen. "Salty Candy" z.B. oder "Dance With Me" waren dann auch die Höhepunkte der Show: Da swingte alles, da blieb kein Bein mehr trocken! Das ist dann auch der Adam Green, wie man ihm am liebsten mag. Dieser hatte - trotz des stoischen Dackelblickes - durchaus auch seinen Spaß und war dann ("Oh my goodness!") auch über den enthusiastischen Zuspruch erfreut. Ein weiterer sympathischer Zug des New Yorkers ist ja der, dass Green in seinen Texten quasi das Gegenteil von dem erzählt, was in seinen zwar cleveren, aber z.T. eben auch naiv-kinderliedartigen Melodien ausgedrückt wird. Denn obwohl es überdurchschnittlich viele Prinzessinnen in Greens Songs gibt, sind seine Texte über Selbstmord, Cross-Dresser, Mädchen ohne Beine und Jessica Simpson ja durchaus eher subversiv. Besonders dann, wenn sie - wie hier - von begeisterten Teenagern lauthals mitgesungen werden. Adam Green ist schon ein rechter Künstler - und genau so wahnsinnig, wie man es sein muss, um mit dieser Masche Erfolg zu haben. Wie man ein Konzert gestaltet, weiß er auch: Die heimlichen und offiziellen Hits - von "Jessica" bis "Hard To Be A Girl" hob er sich dramaturgisch geschickt bis zum Schluss auf und zu den Zugaben (zu denen ein fast punkiges "Baby's Gonna Die" gerade recht kam) ließ er sich divenhaft lange bitten. Fast war das alles zu schön, um wahr zu sein: Jemand, der mit dermaßen überschaubaren Mitteln (immerhin gab's bloß Akustik-Gitarre, E-Piano und volkseigenen Sperrholz-Bass) die Massen zu begeistern weiß, der muss doch ein Schlag in's Gesicht aller Marketingstrategen, Piratophoben und musikalischen Besserwisser sein, oder?

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Surfempfehlung:
www.adamgreen.net
www.gloria-music.de
www.andreaskoyama.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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