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Konzert-Bericht
 
Return of the Country Soul Brother

Josh Rouse

Köln, MTC
22.06.2000
Josh Rouse
Schon ernüchternd, was passiert, wenn ein international hochdekorierter Nachwuchsstar aus einem Bereich zwischen Country, Folk und Rock (bzw. "Soul" nach eigener Definition) Fronleichnam in Köln auftaucht: Nichts, nämlich. Ungefähr drei zahlende Hardcore Fans versuchten, sich mit etwa insgesamt 20 anwesenden Personen als Menge zu gebärden. Doch Josh Rouse aus Nashville durchschaute den Trick: "A small but enthusiastic Crowd" murmelte er schmunzelnd irgendwann. Beschämend, wenn man bedenkt, daß Rouse nur zwei Deutschland-Konzerte absolvierte und eigentlich überall nur positive Presse bekam. Dabei verpaßten alle, die aus diesen und jenen Gründen nicht anwesend waren ein ziemlich eindrucksvolles Konzert.
Josh spielte mit ganzer Band auf, zu der u.a. der Trompeter von Lambchop gehörte, der mit seinem variantenreichen Spiel interessante Akzente setzte, und nebenbei noch vibraphonierte sowie die ungemein agile Bassistin Sharon Gilchrist, die auch dadurch zu gefallen wußte, daß sie zusammen mit dem Gitarristen in einer Zigarettenpause den Folk-Klassiker "Wayfaring Stranger" auf der Mandoline zum Besten gab. Wem der Sound der letzten Rouse-Scheibe ein wenig zu gleichförmig war, der wurde angenehm von den lebendigen, vielschichtigen Live Arrangements überrascht. Rouse - gewiß kein charismatischer Frontmann - fühlte sich sichtlich wohl im sicheren Schoß seiner inspiriert agierenden Band. Besonders gefiel, daß angesichts des doch eher weniger anwesenden Publikums dennoch mit Freude und Verve musiziert wurde. Das war kein pflichtbewußtes Runterreißen eines Jobs, sondern eine wirklich seelenvolle Darbietung. Die Idee, die Melodieführung paritätisch auf alle Instrumente zu verteilen (auch auf Sharon's Kontrabaß!) erwies sich als Glücksfall, denn so entstanden vollkommen andere Ansätze als die (eben gleichförmigen) Szenarien der Platten. Neben dem Hauptteil von "Home" gab es auch einige ältere und neuere Stücke, ein paar von der bei uns nicht erhältlichen "Chester"-EP und die eine oder andere Cover-Version. Wichtig war jedoch, daß sich Rouse hier als Meister der Ökonomie herausstellte und das Maximum aus sich, seiner Band und dem Material herausholte. Lediglich den von ihm selbst proklamierten "Soul" suchte man - trotz des Tracks "Marvin Gaye" - nach wie vor vergeblich. Wenn ihm gelingt, dieses Live Feeling auf CD einzufangen, sollte es ihm gelingen (zumindest in den USA) in die gleiche Riege aufzusteigen, wie etwa Joe Henry. Aber das interessiert bei uns ja wahrscheinlich auch wieder keinen.
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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