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Katie Melua

Köln, Hallmackenreuther
31.03.2004

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Katie Melua
Anlässlich der unmittelbar bevorstehenden Veröffentlichung von Katie Meluas Debüt-CD "Call Off The Search" gab es an ungewöhnlichem Ort - nämlich in der Retro-Disco-Szenelokalität Hallmackenreuther zu Köln - am 31.03.04 einen kurzfristig angesetzten Showcase. Showcases dienen ja gemeinhin Plattenfirmen dazu, ihren eigenen Mitarbeitern vorzuführen, was sie da eigentlich vermarkten sollen. In diesem Falle war das natürlich ein wenig anders: Mike Batt, Katies Entdecker und Mentor, bringt die CD auf seinem eigenen Label Dramatico heraus - unter anderem deshalb, weil offensichtlich keine "richtige" Plattenfirma das Thema verstanden hatte. Insofern ging es in dem Fall eher darum, dem Vertrieb, der Konzertagentur, Funk und Fernsehen, sonstigen wichtigen Leuten und uns einen ersten Eindruck von Katies Fähigkeiten zu vermitteln.
Jedenfalls war diese Situation bis auf Weiteres sicherlich "the closest thing to Katie as possible" - um beim Thema zu bleiben - und eine gute Gelegenheit, sie ein wenig näher kennenzulernen. Ehrlich gesagt, mache es ihr ja gar nicht so viel Spaß, mit der Presse zu reden, erzählte Katie vor der Show (zugegebenermaßen auf Nachfrage), da ja doch - besonders in kurzen Interviews - immer wieder dieselben Fragen gestellt werden. Aber da muss man halt wohl durch, wenn man ein Weltstar werden will. Im Smalltalk jedenfalls outete sich Katie als mindestens genau so neugierig wie die von ihr Gescholtenen und wollte genau wissen, wo wer herkam und warum und wofür man schriebe - was sie dann alles mit "Excellent!" kommentierte. Da das aber an dieser Stelle weniger von Interesse ist, war es hilfreich, dass es irgendwann auch zum offiziellen Teil des Abends kam - der Live-Musik nämlich. Maestro Batt hielt eine kurze erklärende Rede, in der dann zu erfahren war, dass er ursprünglich vorgehabt hatte, mit Katie eine Art "Schmilsson In The Night"-Scheibe im Stile des von ihm hochverehrten Harry Nilsson zu machen. Zum Glück entschied er sich dann anders - als er nämlich entdeckte, dass Katie durchaus eine eigene Identität und Stimme hat, die es zu fördern gilt.

Gleich beim ersten Stück galt es dann eine Hürde zu meistern: Während des Vortrages begann das Mikrophon sich kontinuierlich abzusenken, bis Katie schließlich abbrechen musste. Was oft zu unangenehmen Pausen führt, geriet hier aber eher zur sympathischen Comedy-Nummer. "Soll ich noch mal von vorne anfangen?", fragte Katie, als das Gerät dann schließlich festgeschraubt war. "Wieso?", fragte Mike, "ist es dir jetzt zu hoch?" Übel nehmen tat das natürlich niemand so richtig. Überhaupt fühlt sich Katie vor Publikum offensichtlich dermaßen wohl, dass von Nervosität oder ähnlichem schlicht nichts zu verspüren war. Bühnenpräsenz nennt man das wohl. "Ich habe komischerweise kein Lampenfieber, sondern ich mag es sehr, vor Publikum aufzutreten", erklärte uns Katie nachher, "es gibt nur ganz vereinzelt Situationen, wo ich etwas nervöser bin, aber wahrscheinlich nur dann, wenn ich meine Tage habe..." Nun ja. Als Mike schließlich bei "Call Off The Search" am Piano Platz nahm, erzählte Katie noch, dass dies das erste Stück gewesen sei, das er ihr vorgespielt habe - was sie dann davon überzeugt habe, dass er ein sehr guter Songschreiber sei. Da fragte man sich dann, wer hier wen entdeckt hatte. Katie Melua weiß also scheinbar sehr genau, was sie will und offensichtlich auch, was sie gut kann. Das lässt sich auch beim Vortrag erkennen: Gitarre spielen, gehört zum Beispiel nicht dazu. Das räumt sie auch ein und das äußert sich z.B. darin, dass ihr Stil eher unauffällig und simpel ausgelegt ist - was aber durchaus zur balladesken Natur der meisten Tracks passt. Und es sorgt für endlose Stimm-Pausen. "Als sie die Gitarre gekauft hatte, war das Ding noch gestimmt!", bemerkte Mike erläuternd, woraufhin Katie dann meinte, dass der Gitarrenlehrer ihr gesagt habe, dass man sich Zeit beim Stimmen nehmen solle, was sie nun eben tue. Wie gesagt: Peinlich oder langweilig wirkte das nicht. Was nun die Performance betrifft, hat sich Katie hier einen Stil zurechtgelegt, den die DSDS-Jury wahrscheinlich mit "mehr Gefühl geht nicht" umschrieben hätte - der indes stellenweise doch ein wenig manieriert und einstudiert wirkte. Dazu gehören Mimik und Gesten (z.B. wenn sie ohne Gitarre im Stehen singt), die vielleicht ein wenig zu groß und dramatisch geraten sind. Aber: Andererseits hängt sie sich auch wirklich rein, singt hingebungsvoll mit geschlossenen Augen und gefühllos wirkt der Vortrag nun auch wieder nicht. Nennen wir es mal gute Technik: Ein wenig Schauspielerei gehört schließlich auch zum Handwerk und auf großen Bühnen muss man dann ja auch mal große Gesten machen. Und das von vielen Soul- und Jazz-Sängerinnen gefürchtete Demonstrieren der stimmlichen Überlegenheit geht Katie ganz am Allerwertesten vorbei: Hier gibt es schlicht keinen Ton zu viel oder zu wenig. Weniger ist in dem Fall tatsächlich mehr.

Natürlich spielte Katie vorwiegend die jazzigen Balladen des Albums: "The Closest Thing To Crazy", zum Beispiel oder ihre eigenen Tracks, wie das exzellente "Belfast" oder ihre Hommage an Eva Cassidy, "Faraway Voice" - die sich hier als Zugabe in seelenvoll hingehauchten "ooohs" und "aaahs" auflöste. Aber als Bonbon gab es dann noch die John Mayall-Nummer "Crawling Up A Hill", die auf der Scheibe das rockigste (oder wenigstens "swingendste") Stück ist, und die Mike und Katie - nach einem verpatzten Start - dann als lockere akustische Blues-Nummer auslegten. Im federleichten Zusammenspiel deutete sich hier dann auch an, wozu Katie in etwa mit einer Band in der Lage wäre. Was sich auf der CD also bereits erkennen lässt, manifestierte sich bei dieser kurzen Show dann auf eindrucksvolle Weise: Katie Melua mag zwar maximal 1,60m messen - als Künstlerin ist sie indes bedeutend größer. Was ihre Bühnenpräsenz, den subtilen, graziösen Gesangsstil, Diktion und Ausstrahlung betrifft, können sich andere Diven fast schon eine Scheibe abschneiden. Dass sie darüber hinaus nicht wirklich hässlich ist, sympathisch rüberkommt, modischen Geschmack zu haben scheint (das Barett war das Tüpfelchen auf dem "i") und genau im richtigen Alter ist, um etwa als Pop Idol zu reüssieren, schadet natürlich nicht wirklich (Und obendrein schreibt sie auch noch exzellente eigene Songs). Lediglich jeglicher Hauch von Verruchtheit - auf der Scheibe noch zumindest nicht ausgeschlossen - verflüchtigt sich beim Anblick der lebendigen Katie Melua. Was aber nicht unbedingt ein Minuspunkt ist, denn das würde das Experiment ja irgendwo auch ins Gegenteil verkehren.

Dennoch interessiert es doch irgendwie, woher genau denn die bei diesem Showcase demonstrierte Coolness kommt. Hat sie vielleicht als Straßenmusikerin geübt? "Nein", meint sie lächelnd, "ich habe nur mal mitgemacht, als eine Freundin von mir auf der Straße gespielt hat. Die hat tatsächlich eine 50 Pfund Note von einem Zuhörer bekommen. Vielleicht hätte ich doch diesen Weg einschlagen sollen?" Oder auch nicht: Wenn das Thema Katie Melua bei uns auch nur halbwegs so abgeht wie in England - und nichts spricht dagegen -, dann dürfte sie weit mehr als 50 Pfund pro Auftritt verdienen. Dennoch beantwortet das immer noch nicht die Frage nach der musikalischen Antriebsfeder. "Ich glaube, es liegt einfach daran, dass ich aus Georgien stamme", meint sie schließlich, "ich komme aus einer musikalischen Familie und in Georgien singt einfach jeder. Es liegt einfach in unserer Natur."

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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