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Pow(d)erfailure

Powderfinger
Something For Kate

Köln, Prime Club
11.05.2004

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Powderfinger
"Heute ist ein besonderer Abend", begrüßte Powderfinger-Frontmann Bernard Fanning die Fans im bis zum Platzen gefüllten Prime-Club, "nicht nur, weil wir zum dritten Mal in Köln sind, sondern weil Stephanie Ashworth von Something For Kate heute Geburtstag hat und schon wieder 21 geworden ist. Wir widmen ihr also die Show." Das lief also alles auf eine inneraustralische Familienfeier hinaus. Im Prime Club hatten sich offensichtlich eh fast ausschließlich Australier oder solche, die es sein möchten, versammelt – was dann so weit ging, dass in den Pausen zwischen den Songs "Waltzing Mathilda" intoniert wurde. Bernard war das schon ein wenig unangenehm. "Ja, ich hab's ja kapiert", murrte er, als der Patriotismus überzuschwappen drohte, und versuchte, das Steuer herumzureißen, "wie wär's denn mal mit einem weitaus passenderen 'Hurrah Deutschland'?" Doch was soll's: Powderfinger und auch Something For Kate zählen im Känguruh-Land zu den absoluten Superstars und spielen vor Zehntausenden. "Ich lasse mir heute die Setlist signieren", schwärmte ein Fan, "und schicke die dann einem Freund in Australien - der hätte dort nie eine Chance, an Autogramme von Powderfinger heranzukommen." Insofern sind Club-Gigs wie diese natürlich auch für langjährige Fans gewissermaßen etwa ganz Besonderes. So nah wie hier, kommt man seinen Stars ansonsten nämlich nicht.
Something For Kate hatten demzufolge auch überhaupt keine Schwierigkeiten, das Publikum für die im Vergleich mit Powderfinger eher subtilere Art des Gitarrenrock zu begeistern, den das für die Tour zum Quartett aufgestockte Trio kultiviert. Ohne großes Brimborium, relativ ernsthaft und größtenteils barfuß, spielten Paul Dempsey und seine Truppe ein buntes Potpourri der besten Stücke aus mittlerweile vier CDs Bandgeschichte. Dabei überzeugten am meisten jene Tracks, die von Natur aus schon als Hymnen angelegt sind – wie z.B. das großartige "Déja Vu", bei dem die Band gar nicht erst versuchte, die Streicherarrangements der CD-Produktion irgendwie zu emulieren, sondern das Stück ganz transparent und greifbar interpretierte. Es mag jetzt vielleicht ein wenig seltsam klingen, aber einen großen Anteil am Gelingen des Konzeptes hatte das in mehrerer Hinsicht raumgreifende und melodietragende Basspiel des bereits eingangs erwähnten Geburtstagskindes. Den zweiten Gitarristen indes, hätte man kaum vermisst, wäre er nicht dabei gewesen – zumal dieser auch kein großer Sänger vor dem Herrn war. Dadurch waren leider auch keine brauchbaren Harmoniegesänge auszumachen (was ja nahe gelegen hätte, sieht man sich z.B. die Liste der Gastsänger auf der CD "The Official Fiction" anschaut). Abgerundet wurde das Set mit einer reduziert dargebotenen Version von Bowies "Ashes To Ashes" – einem Stück, das, so Paul Dempsey, eigentlich jeder kennen sollte (Beim Soundcheck hatte man sich noch an "Killing Moon" von Echo & The Bunnymen versucht). Letztlich bleibt noch zu erwähnen, dass SFK als Rockband auf eine ganz und gar untheatralische Art auch optisch ein sehr angenehmes Bild bieten.

Darauf legen Powderfinger dann weniger Wert. Bernard und seine Jungs sehen aus, als seien sie gleich von der Vorlesung auf die Bühne gelaufen. Lediglich ein bemerkenswert tiefgestaffeltes Gitarrenrack und eine der beeindruckendsten Effektgeräte-Sammlungen der westlichen Welt verrieten, dass hier für eine richtig große Rockband eingedeckt wurde. Musikalisch gab es dann im Folgenden absolut keine Überraschungen. Und das ist ausdrücklich als Lob gemeint. Denn Powderfinger spielten genau das, was jeder hören wollte, und was ihnen von der Hand geht, wie kaum einer anderen Band: Einen unglaublich gut sitzenden, satten, vollsaftigen Rock 'n' Roll, bei dem die Songs nicht notwendiges Übel sondern integraler Bestandteil sind. Deswegen gab's auch kaum das – ansonsten bei solchen Anlässen übliche - Rumgegniedel und Herunterreißen von Klischees, sondern die Konzentration aufs Wesentliche. Die geschickt aufgebaute Setlist schöpfte natürlich ausgiebig aus dem Fundus der aktuellen "Vulture Street"-CD. Verglich man die Versionen der CD mit jenen, die live dargeboten wurden, so fiel doch angenehm auf, dass die Stärken der jeweiligen Tracks deutlich betont wurden, während etwaige Schwächen ausgebügelt erschienen. So wirkte zum Beispiel "Sunsets" weit weniger dramatisch als auf Scheibe und die CD Version von "Rockin' Rocks" erschien im Vergleich mit der Live-Variante geradezu spröde. Es waren jeweils bloße Nuancen, die den Unterschied ausmachten – das waren indes immer die richtigen. Das Set zum Beispiel mit "Love Your Way" anzufangen, war äußerst geschickt, da dieser Track die ganze Bandbreite des Powderfinger-Sounds quasi exemplarisch abdeckt. Erfreulich auch, dass die Stücke - etwa wie bei "My Kind Of Scene" - nur gelegentlich episch ausformuliert wurden und ansonsten relativ straight dargeboten wurden. Powderfinger sind zweifelsohne keine Sammlung von Egomaniacs, sondern zunächst mal eine Band. Auf Keyboards wurde (bis auf eine E-Piano-Einlage) ganz verzichtet und ansonsten griff Bernard lediglich ein Mal - und zwar bei "Treat Me Like A Dog" - zur Mundharmonika. So weit so gut - wenn nicht ausgerechnet bei diesem Track der komplette Strom ausgefallen wäre. Licht, Klimaanlage und PA waren gleichzeitig lahm gelegt - was natürlich bei einer elektrischen Rockband für gewisse Irritationen führte. Zunächst versuchte Drummer Jon Goghill das Publikum noch in ein Gespräch zu verwickeln und überredete Bernard gar zu einer spontanen A-Capella Darbietung eines gerade geschriebenen Gedichtes ("Beth") – dann war guter Rat aber teuer. Während die Roadies schwitzend aber ergebnislos mit Kabeln, Steckern und Adaptern durch die Gegend liefen, verzog sich die Band in den Backstage-Bereich während sich aufgrund der ausgefallenen Klimaanlage der Laden ziemlich schnell auf Saunatemperaturen aufheizte. Irgendwann wurde dann klar, dass das in absehbarer Zeit nichts mehr geben würde, sodass sich Bernard dann eher unwillig entschloss, zumindest noch ein Solo-Stück zu spielen (merkwürdigerweise war auf der Gesangsanlage noch Strom). Vom Publikum angefeuert und vom Momentum des Augenblicks getragen, gesellten sich dann Jon Goghill und Bassist John Collins am Tambourine hinzu und boten eine improvisierte Akustik Version des letzten Tracks auf der Setlist, "On My Mind" (Darren Middleton spielte noch E-Piano, was aber nichts nützte, da das "E" eben ausgefallen war). Und wie das manchmal so ist: Das war dann musikalisch der Höhepunkt des ganzen Abends. Unterstützt vom Gesang des Publikums und angeleuchtet von der einsamen Taschenlampe eines Roadies liefen die Jungs zu Höchstform auf und lieferten eine dermaßen inspirierte Version des auf der CD ja eher klischeehaften Standard-Rockers, dass man sich fragte, warum das Stück nicht gleich in dieser Form eingespielt worden war. Letztlich konnte man da gut verschmerzen, dass die Zugaben – "Inner City Blues" und das auch vom Publikum lautstark geforderte "My Happiness" dem Stromausfall zum Opfer fielen. Auch wenn die Jungs das mit dem Powderfailure nicht so witzig fanden: Hier zeigte sich dann, wozu eine richtige Rock'n'Roll-Truppe in der Lage ist. Sowohl Something For Kate als auch Powderfinger empfahlen sich an diesem Abend jedenfalls nachdrücklich als würdige Vertreter ihrer Zunft. Das war jedenfalls eine Rock'n'Roll-Show – mit den zugehörigen Warzen, Haken und Ösen - die kaum Wünsche offen ließ.


Powderfinger
BACKSTAGE WITH: POWDERFINGER

Vor dem Konzert in Köln trafen wir Powderfinger-Sänger Bernard Fanning, um mit ihm ein wenig über die aktuelle Platte "Vulture Street" und das Tourleben zu sprechen.

GL.de: Viele Fans eurer letzten Platten waren sehr überrascht über den Sound des aktuellen Albums...

Bernard: "Ich denke, es ist auf jeden Fall anders als die letzten beiden Platten, die wir gemacht haben. Für uns ist das schwer zu sagen, denn für uns ist das keine große Sache, sondern mehr eine Rückkehr zum Sound unserer frühen Tage. Als wir anfingen, Songs zu schreiben, haben wir uns sehr für 70s-Rock - Led Zeppelin, Rolling Stones und solche Sachen - interessiert. Nach unserem letzten Album haben wir dann beschlossen, genau so eine Platte auch mal zu machen. Die Art von Platte, die wir gehört haben, als wir aufgewachsen sind. Deshalb kommt es uns nicht besonders seltsam vor, aber ich verstehe, dass andere so denken, da die neuen Songs eben nicht wie 'My Happiness' klingen. Aber genau davon wollten wir ja weg!"

GL.de: Und warum?

Bernard: "Uns ist aufgefallen, dass unsere letzte Platte nicht die Energie hatte, die wir live gerne rüberbringen wollten. Wir wollten deshalb im Proberaum Songs schreiben, bei denen es weniger auf die Atmosphäre ankommt. Wir wollten Stücke haben, die wir zu viert spielen können und die von Anfang an 'richtig' klingen und die wir auch auf diese Art und Weise würden aufnehmen können. Wir wollten einfach energiegeladene Songs!"

GL.de: Ist das vielleicht auch darauf zurückzuführen, dass ihr inzwischen einfach mehr von euren eigenen Fähigkeiten überzeugt seid?

Bernard: "Wir sind auf jeden Fall jetzt viel selbstbewusster als vor zehn Jahren! Jetzt sind wir willens und in der Lage, verschiedene Dinge auszuprobieren, und außerdem sind uns unsere Stärken nun viel bewusster. Trotzdem sind wir für die neue Platte wieder mehr zu den Blues-Elementen von Led Zeppelin und den Stones zurückgekehrt, die uns früher beeinflusst haben. Obwohl wir jetzt, was unser Songwriting angeht, gefestigter sind, zollen wir diesen Bands nun mehr Tribut als je zuvor."

GL.de: Auf einer Single B-Seite habt ihr mal Iron Maidens "Number Of The Beast" gecovert, beim Soundcheck haben wir gerade "Runnin' Down A Dream" von Tom Petty gehört. Sind diese Songs als Tribut angelegt oder eher nur, um auf Tour ein bisschen Abwechslung und Spaß zu haben?

Bernard: "Beides! Wir finden den Tom-Petty-Song einfach unglaublich, und es macht Spaß, ihn zu spielen. Wir spielen oft die Songs anderer. Meistens arbeiten wir uns bei den Coversongs Stück für Stück vor. Nach zwei Wochen Arbeit bei den Soundchecks haben wir die Nummer dann für gewöhnlich drauf (lacht)! Im Moment sind wir an dem Cockney-Rebel-Song 'Come Up And See Me' dran. Wir haben das Stück vor einigen Tagen gehört und dachten: 'Fuck, wir haben vergessen, was für ein großartiger Song das ist.' Jetzt wollen wir unseren Gitarristen Haugie dazu bringen, ihn zu singen!"

GL.de: Daheim in Australien füllt ihr inzwischen Riesenarenen - geht ihr nun anders an Clubshows wie die heute Abend heran, bei der die Leute vielleicht auch gekommen sind, um ein paar Bier zu trinken und gemeinsam mit der Band einen netten Abend zu haben und sich nicht - wie bei einem Arena-Konzert mit Circus-Atmosphäre - ausschließlich von der Attraktion auf der Bühne unterhalten zu lassen?

Bernard: "Wir haben ja erst in den letzten beiden Jahren angefangen, so große Hallen zu spielen. Deshalb ist uns die Atmosphäre eines Clubs, in dem die Leute eine Party feiern und trinken wollen, ja noch sehr vertraut. Ich denke, das hilft uns jetzt, denn wir wollen das Publikum mit einbeziehen. Allen soll klar sein, dass es eine Party ist, kein Spielfilm! Dafür haben wir auch in mehr als genug Läden gespielt, wo die Leute zum Trinken gekommen sind. Wir haben nämlich erst einmal in Utah gespielt, und wir werden es nie wieder machen (lacht)! Salt Lake City kann uns mal!"

GL.de: Einige australische Bands sehen es als besonderes Privileg, die Chance zu bekommen, in Amerika oder Europa zu spielen, weil sie das Gefühl haben, dass es dort (zu) viele ähnliche Bands gibt, die nicht erst vom anderen Ende der Welt aus eingeflogen werden müssen, um hier Promotion zu machen und auf Tour gehen zu können...

Bernard: "Wir sehen das ein bisschen anders. Allerdings glauben wir auch nicht, dass es in Amerika oder Europa Bands gibt, die wie wir sind - zumindest hoffen wir das (lacht)! Als wir anfingen, auch außerhalb von Australien zu spielen, ging es uns dabei mindestens genauso ums Herumreisen wie um die Musik selbst. Je mehr wir unterwegs sind, desto weniger können wir uns für die Reiserei begeistern. Jetzt geht es nur noch um die Musik. Es ist allerdings immer noch toll, an neue Orte zu kommen. Zum Beispiel waren wir gerade zum ersten Mal überhaupt in Dänemark."

GL.de: Gibt es eigentlich noch bestimmte Regionen innerhalb Australiens, die ihr noch nicht gesehen habt?

Bernard: "Wir sind in Alice Springs und Darwin gewesen, aber den Norden von Western Australia - Kimberley und die Gegend um Geraldton - haben wir noch nicht gesehen. Den ganzen Rest - von Cairns bis Perth - haben wir allerdings mitgenommen. Wenn wir jemals die Anstrengung unternehmen und Shows in Städten wie Geraldton oder Port Headland buchen, würden wir bestimmt auch ein paar Leute aus Perth oder Darwin dazu bewegen können, dorthin zu kommen. Es wäre schließlich etwas ganz Besonderes, dort zu spielen. Die Landschaft dort soll unglaublich sein. Wir haben sie bloß leider noch nie gesehen! Es stimmt, was man sagt: Die Gegend haben mehr Reisende aus Europa gesehen als Australier!"

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Surfempfehlung:
www.powderfinger.com
www.somethingforkate.com
somethingforkate.tripod.com
Konzert: -Ullrich Maurer-
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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