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Leise Zeitreise

Zeitloop

Bonn, Tiferet
05.06.2004

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Zeitloop
Eigentlich ist das Tiferet in Bonn ja eher eine Eckkneipe als ein Konzert-Club. Das machte aber nichts, denn - so meinte Zeitloop Drummer Nikolaus Maaß - mit seiner Jazz-Combo müsse er zuweilen auch auf noch kleineren Bühnen auftreten. Dennoch mussten sich die vier Herren von Zeitloop (Gitarrist Klaus Tietz ist als vierter Mann jetzt fest dabei) ganz schön schlank machen, um alle auf der schmalen Brüstung, die als Bühnenersatz herhalten musste, Platz zu finden. Aber Zeitloop heißen ja zum Glück nicht Raumloop...
Es galt, die Tracks der neuen CD "Marrakesch" im Live-Ambiente auszuprobieren. Erschienen war die CD zu diesem Zeitpunkt noch nicht - also konnte man ganz unbefangen an die Sache herangehen. Deswegen begann das Konzert dann auch erstmal mit einer Improvisation. Dass dies bei Zeitloop stets ein wichtiger Faktor ist, konnte man schon alleine daran erkennen, dass etwas total anderes dabei herauskam, als etwa die Jam-Session beim Soundcheck das hätte vermuten lassen. Schließlich besann man sich aber doch auf das eigentliche Vorhaben. Auf der zweiten Zeitloop-CD befinden sich Tracks, die weit über das angedachte Krautrock-Improvisations-Prinzip hinausgehen, das man sich ursprünglich zugrundegelegt hatten. Zum Beispiel das bluesige, von Nikolaus Maaß gesungene "Love Of A Woman", das bei dieser Show ziemlich psychedelisch geriet oder etwa der rockige Opener der CD "Invisible Man", der eigentlich vom treibenden Boogie Rhythmus lebt. Das war an diesem Abend indes gewissermaßen ein Problem: Aufgrund der Nachbarn (direkt gegenüber befindet sich ein Seniorenheim) gibt es im Tiferet gewisse Grenzen, was die Lautstärke betrifft. Das hatte zur Folge, dass der Tontechniker zeitweise mit einem Dezibel-Messgerät durch die Gegend lief und obendrein Nikolaus auf einem elektronischen Drumset spielen musste - das nicht nur so aussah, als sei es aus Plastik (was aber bitteschön nichts mit Klausens Trommelkünsten zu tun hatte). Hinzu kam, dass Gitarrist Chris Toyota auch mit seinem Gitarrenverstärker (und dem extra mitgebrachten Gitarrensynthesizer) eher hinter dem Berg zurückhalten musste. Dafür hörte man dieses Mal Bassist Joseph Wenninghaus problemlos im Mix heraus - an anderer Stelle ein ständiges Zeitloop-Problem.

Da das Zeitloop-Prinzip - wie o.a. angedeutet - Improvisationen immer mit einschließt, weiß natürlich im Vorfeld niemand, in welche Richtung eine Show denn nun gehen wird. In diesem Zusammenhang entschied man sich für eine relativ kompakte "mehr ist mehr"-Strategie, wodurch erfreulicherweise die Songstrukturen an keiner Stelle verloren gingen und fast alle Tracks in vernünftigem Zeitrahmen abgehandelt werden konnten. Lediglich "Bolingo" wurde sozusagen nochmals begonnen, als eigentlich alles schon gesagt war. Das ist halt das Problem bei Musik dieser Art: Wenn einem einzelnen - in dem Fall Toyota - die Begeisterung durchgeht, müssen die anderen eben mit. Am besten gefielen dann auch bei dieser Show die Tracks, bei denen die strukturellen Elemente überwiegen. "Things Must Be Done" z.B. - eine Komposition von Joseph Wenninghaus - hat aufgrund einer memorablen Melodielinie und eines ansteckenden Refrains durchaus Hit-Charakter. Dann gab's noch ein Stück namens "Dog With No Home", das durch seinen Rock-Drive und ebenfalls einen starken Refrain gefiel - aus Zeitgründen jedoch nicht auf der CD enthalten sein wird. Alles in allem - und vor allen Dingen angesichts der Tatsache, dass es keine Monitore gab - spielte die Band an diesem Abend ziemlich tight und dennoch inspiriert. Lediglich zwei Punkte sollten gelegentlich einmal überdacht werden: Wenn schon zwei Gitarristen in der Band sind, sollte es doch möglich sein, dass einer von beiden den Rhythmus spielt, während der andere improvisiert und auch der Umstand, dass die Refrains zuweilen wahlfrei eingestreut (und deshalb nicht von allen vieren gemeinsam als solche aufgegriffen wurden) verwirrte ein wenig. "Das liegt aber daran, dass wir zu wenig üben", meinte Chris Toyota nachher verschmitzt. Und eigentlich war dieses Konzert ja auch nur ein Warm-Up Gig für einige Konzerte, bei denen Altmeister Damo Suzuki seine Stream-Of-Words beisteuern sollte. Ehrlich gesagt fehlte dieser an diesem Abend aber überhaupt nicht, denn Zeitloop können auch improvisieren, OBWOHL sie richtige Texte haben. Fazit: Als Showcase für die neue CD war dieses Set aufgrund der eingeschränkten Möglichkeiten zwar ein bisschen problematisch, aber neugierig machen auf das neue Material tat es allemal. Da hätte es abschließend nicht ausgerechnet auch noch des immer noch unfreiwillig komischen Deutschrock-Stückes "Fast Leere Autobahn" bedurft.

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Surfempfehlung:
www.zeitloop.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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