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Even Desert Rockers get the Blues

Rich Hopkins And The Luminarios

Solingen, Cobra
26.08.2004

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Rich Hopkins
An einen eher ungewöhnlichen Ort verschlug es Rich und seine Luminarios am 26. August 2004: Das Solinger Cobra war kurzfristig als Ersatz für ein anderweitig ausgefallenes Konzert in den Tourplan aufgenommen worden, so dass kaum jemand davon wissen konnte. Dass es obendrein teilweise fälschlich als "akustischer Gig" angekündigt war, half natürlich auch nicht wirklich. Wie das eben so ist: Konzerte wie diese muss man als gestandener Troubadour als Chance auffassen und nicht weinerlich als Lückenfüller abarbeiten. Und das taten Rich und seine Truppe dann auch.
Der Veranstalter hatte sich noch Mühe gegeben, das Programm attraktiv abzurunden und den lokalen "ewigen Solinger Geheimtipp" The Loaded Dice angeheuert. Original-Werbetext: "Was sich dem Namen nach wie eine weitere Blues-Rock-Kapelle anhört, ist aber... genau diese Mischung aus Wüstenrock, WestCoast, FolkRock und Klassikern...". Was sich ja auf dem Papier ganz gut anhört. Allerdings sind The Loaded Dice wohl ursprünglich mal eine Hardrockkapelle gewesen (und im Grunde auch geblieben), was die o.a. Einflüsse schnell relativierte und zu blasigen Tracks auf technisch hohem Niveau aber mit inhaltlich dünner Substanz führte, die dann auch nur von den mitgebrachten Familienangehörigen und Freunden so richtig goutiert wurden.

Doch davon ließen sich Rich & Co. nicht entmutigen. Ganz im Gegenteil: Rich lobte die Support Band noch mal ausdrücklich während des Sets, ganz so, wie das ein professioneller Showman eben tut. Bevor Rich selber dann die Bühne ergriff, schlich sich in der Umbaupause noch mal der Freund und Mitläufer Reverend Schulzz aus Hanau auf die Bühne und gab ein paar akustische Songs von seiner CD "Mayfly" zum Besten. Den "Struwwelpeter" hat Rich ins Herz geschlossen und seit einiger Zeit ist er wann immer das möglichst auf Tour mit dabei. (Nun gut: Ob es notwendig gewesen ist, ihn während des Sets ausgerechnet "All Along The Watchtower" singen zu lassen, muss noch mal diskutiert werden) "Guten Abend, wir sind die Scorpions", begrüßte er zunächst das Publikum in Anspielung auf sein T-Shirt. Rich selbst hat es sich ja bereits seit einiger Zeit auf die Fahnen geschrieben, weg vom ewigen "Neil Young"-Image zu kommen und daher beschlossen, sich als Leadgitarrist ein wenig zurückzunehmen und auch seinen Leuten - allen voran Gitarrenheld Adrian Esparza und Bassistin Anna Rosales - mehr Raum zu geben. Das führte heuer zu ganz interessanten Ergebnissen. So bediente sich Adrian häufiger als sonst des Wah Wah-Pedals und spielte auch öfter Slide-Gitarre - z.T. beides zusammen -, was dann zu einer beflügelnden psychedelischen Grundstimmung führte. Auch lieferten sich Adrian und Rich einige - wenngleich kurze - Gitarrenduette und -duelle im Stile der Allman Brothers. Doch damit nicht genug: Einige Tracks wurden auch stilistisch angepackt - was angesichts Richs Rocker-Image äußerst lobenswert erscheint. "Touch U Girl" begann z.B. als beschwingter Swing, der "San Felipe Blues" wurde im Tempo zurückgenommen und das von Anna Rosales gesungene "Credits Roll" (eine Co-Komposition mit Freund Steve Wynn) geriet - dank Adrians Schlenkern - sogar zu einer Art Country-Hommage - wenngleich einer immer noch sehr rockbetonten, zugegebenermaßen. Am weitesten lehnten sich Rich & Co allerdings mit einer brillanten, bislang noch nicht gegebenen Cover-Version aus dem Fenster: Buffy Sainte Maries intensive Anti-Drogen-Hymne "Codeine" war nicht nur dem Namen nach ein Blues und erschien aufgrund des klassischen Aufbaus (Strophe, Solo, Strophe, Solo) auch perfekt geeignet für Rich und die Band. Vielleicht wäre das ja auch eine Richtung, in die Rich als Kompositeur einmal schielen sollte. Denn Stücke, die bloß dem Namen nach einen Blues darstellen, hat er ja schon zur Genüge.

Abschließend war noch festzustellen, dass Rich & Co. seit der letzten Tour nochmals an den Gesangsparts gefeilt hatten: Das steigerte sich stellenweise gar zu Brian Wilson'schen Harmonieorgien. Erfreulich auch, dass bei dem Konzert die 15 Minuten Versionen (z.B. "Soul Leecher") sich in überschaubaren Grenzen hielten - mit einer Ausnahme: Als Zugabe wurde ausgerechnet "Like A Hurricane" wieder hervorgekramt, was bei den Musikanten zunächst zur Konsternation führte, die Rich dann aber mit einem "das machen wir doch sowieso dauernd" wegwischte. Diese spezielle Version geriet denn auch nicht besonders toll - war aber für die wenigen anwesenden Hardcore Fans durchaus als Bonbon zu verstehen. Abgerundet wurde der Abend dann noch durch einen spontan Auftritt von Dr. Frank aus San Francisco. Dr. Frank spielt eine Art hektischen Power Pop auf der akustischen Gitarre, der von den (ebenfalls mitgebrachten) Fans Wort für Wort mitgesungen wurde. Angekündigt wurde er als einer der Erfinder des Pop-Punk - wobei von Punk hier nicht viel zu vernehmen war. Vielmehr drifteten seine Tracks dann doch eher ins Poppige - so in Richtung eines amerikanisierten Elvis Costello. Letztlich war das aber kein schlechter Ausklang für einen lediglich als Verlegenheitslösung anberaumten Konzertabend.

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Surfempfehlung:
www.richhopkins.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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