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Katie Melua
Papermoon

Köln, E-Werk
19.09.2004

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Katie Melua
Selbst das E-Werk schien am Ende zu eng zu werden für das erste "richtige" Deutschland-Konzert von Katie Melua. Zunächst war das Konzert für den kleineren Wartesaal angedacht worden, der indes schon innerhalb kürzester Zeit ausverkauft gewesen wäre. Auch das E-Werk füllte sich dementsprechend gut und zügig. D.h.: Das wäre so gewesen, wenn man nicht auf die grandiose Idee gekommen wäre, nach dem Einlass die Leute noch in der Vorhalle zusammenzupferchen und diese dann durch schlechtgelauntes Security-Personal deswegen anpflaumen zu lassen. Kein netter Zug der örtlichen Organisation.
Das Phänomen Katie Melua erklärt sich dadurch, dass die zierliche Georgierin (Osteuropa, nicht USA, wie sie noch mal ausdrücklich betonte) mit der von ihrem Mentor Mike Batt kreierten Mischung aus klassischen Jazz-Balladen mit jeweils einer anteiligen Spritze Mainstream-Pop, Blues-Feeling und Folk-Appeal, genau jene unbestimmte Schnittmenge anspricht, die das allgemeine, massenmäßig ausschlaggebende Publikum nun mal ausmacht. Und so fanden sich denn im Auditorium auch Vertreter wirklich aller Bevölkerungsschichten wieder. Zunächst durfte das Wiener Trio Papermoon mit simplen Akustik-Pop-Songs unterhalten, die dann allerdings dermaßen unverbindlich und harmlos daherperlten, dass der Aufmerksamkeits-Faktor des Publikums vergleichsweise gering war - was sich durch einen beständigen Plapper-Faktor bemerkbar machte. Ein wenig mehr musikalischer Wagemut hätte hier wirklich niemandem geschadet. Nun gut: Dennoch fanden nachher 25 Papermoon CDs einen Abnehmer.

Trotz der Größenordnung der Veranstaltungen gab es dann im Folgenden keinerlei Konzessionen an modischen Sound-Schnickschnack. Abgesehen von verhältnismäßig stilvoll eingesetzten Samples und Keyboards (für die Emulation der Streicher-Arrangements der Debüt-CD "Call Off The Search") gab es beim Konzert von Katie Melua eine rein akustische Besetzung. Nicht nur, dass man es wagte, mit Lisa Featherstone eine Kontrabassistin ins Rennen zu schicken (bei Hallen dieser Größe durchaus eine soundtechnische Herausforderung), auch Gitarrist Jim Cregan und Drummer Veteran Henry Spinetti (Eric Clapton) arbeiteten sich auf akustische Art durch's Programm. Das machte zweifelsohne Sinn, denn erstens ist Katies Stimme zwar tragfähig, aber nicht besonders kräftig (zumal sie an diesem Abend Probleme mit der Stimme hatte) - ergo also nicht geeignet, sich gegen eine Rockband durchzusetzen - und zweitens kam man so endlich einmal wieder in den Genuss eines Konzertes, bei dem keine Ohrstöpsel benötigt wurden. Nachdem ein doch ziemlich nervöser Mike Batt, im schwarzen Anzug mit aufgestecktem Sheriff-Stern, seinen Schützling mit einer kleinen Rede angekündigt hatte, begann Katie nicht eben überraschend - mit einer Solo-Hommage an Eva Cassidy, ihr großes Vorbild. Dann kam die Band - verstärkt um Keyboarder Matt Condon und Trompeter Dominic Glover - hinzu und es ergab sich ein merkwürdiges Bild. Einige der Herren - neben Mike Batt z.B. Jim Cregan oder Henry Spinetti - hätten altersmäßig gut und gerne Katies Großväter sein können. Nun ja, zum Glück spielte dies musikalisch ja keine Rolle. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Arrangements von "Call Off The Search" wurden nahezu unverändert auf das Live-Ambiente übertragen - wobei, wie gesagt, die Streicherparts "künstlich" hinzugefügt wurden. Rein konzeptionell hätte man sich das durchaus sparen können, ohne dass dabei etwas Wesentliches verlorengegangen wäre. Das war dann wohl eher eine Konzession an die Hörgewohnheiten. Letztlich trug das aber auch dazu bei, dass die Tracks, die ohne großartige Variationen gespielt wurden - also möglichst "nahe am Original" - auch am wenigsten spannend erschienen. Auch Katies Solo-Einlagen (darunter ein spontan eingeflochtener georgischer Volkssong, weil sie das ursprünglich geplante "Lilac Wine" nicht so richtig saß) gerieten - zumindest in diesem großen Rahmen - ein wenig blass. Das mag aber zum Teil auch daran gelegen haben, dass man bei diesen Einlagen Stecknadeln hätte fallen hören können, da das Publikum mucksmäuschenstill lauschte, so dass Katies limitierte Fähigkeiten auf der Gitarre dann doch ins Ohr fielen. Als Live-Tracks funktionierten jedenfalls die Tracks, die - etwa durch eingeflochtene Soli oder ausgelebte Jam-Elemente - eine eigene Eigendynamik entwickelten, und bei denen sich Katie, die ansonsten mit ihrer Gitarre auf einem Hocker in der Mitte der Bühen saß, dann mal ein wenig gehen lassen konnte. Dies war vorzugsweise bei den Up-Tempo Nummern der Fall - wie z.B. John Mayalls "Crawling Up The Hill" oder Canned Heats "Going Up The Country". Diese Cover Version wird auch auf Katies neuer Scheibe enthalten sein - ebenso wie ein neues, eigenes Stück namens "Spider's Web", das an diesem Abend als Preview gegeben wurde. Hier schrieb sich Katie einen klassischen Protestsong im Stile der 60er auf den Leib, der - was Melodieführung und Dynamik betraf - 100%ig auf ihre Stimme zugeschnitten ist und ein ums andere Mal zeigt, dass ihre eigenen Kompositionen durchaus mit denen Mikes und den Cover-Versionen mithalten können. Davon gab's bei dieser Show noch einige mehr: Eine munter swingende Variante des alten Cure-Heulers "Love Cats", den Katie vielleicht ein bisschen zu sauber intonierte, als allerletzte Zugabe mit "Anniversary Song" eine weitere Hommage an Eva Cassidy und davor "I Put A Spell On You", das zwar nominell recht interessant arrangiert erschien und auch konsequent und kompetent umgesetzt wurde, das aber aufgrund der Thematik dann doch irgendwie nicht zu Katies Image passen mochte. Eine Voodoo Hexe ist sie ja nun eben mal nicht. Was sie aber auch nicht ist, ist eine Kopie von irgendjemand anderem. Und das wurde an diesem Abend besonders deutlich: Trotz ihres jugendlichen Alters bietet die Sängerin und Songwriterin Katie Melua eine beachtliche Spannbreite an Stilen, Zwischentönen, Stimmungen und Nuancen und präsentierte sich hier als beeindruckend zeitloses Talent mit einem ganz eigenen Format. Und das ganz ohne Schublade. Und wem das alles vielleicht zu gediegen oder "adult" ist, dem sei gesagt, dass auch junge Leute durchaus das Recht - wenn nicht sogar die Pflicht - haben, sich mittels klassischer Songstrukturen und -formen auszudrücken. Ganz besonders in Zeiten von Hartz IV! Und nur weil etwas nahezu perfekt ist, muss es ja nicht schlecht sein...

Mike Batt
NACHGEHAKT BEI: MIKE BATT

Nach dem Konzert war Katies Stimme dann dermaßen gefährdet - immerhin war dieses das erste Konzert der Tour - dass sie von den besorgten Betreuern nach einem flüchtigen Händeschütteln schnellstmöglich zur Ruhe gebracht werden musste. Mike Batt war jedoch so freundlich noch ein paar Worte zum Stand der Dinge zu verlieren...

Mike: Ich schätze, dass wir die nächste CD ungefähr im nächsten April fertig haben werden, wir probieren ja schon einige neue Stücke aus und "Going Up The Country" wird mit ziemlicher Sicherheit dabei sein, weil es live ganz gut rüberkommt. Katie wird auch mehr eigene Stücke schreiben - wie z.B. "Spider's Web", das ich ganz außerordentlich finde. Es wird aber trotzdem ein paar Cover-Versionen geben, weil es immer schön ist, den Leuten auch etwas Bekanntes bieten zu können. Allerdings wird "I Put A Spell On You" nicht dabei sein - das wäre ein zu großer Schritt für Katie. Ich finde, es ist wichtig, nicht in allzu großen Schritten zu arbeiten, so dass sich Katies nächste CD ähnlich anhören wird, wie "Call Off The Search" - vielleicht ein wenig folkiger. Wir bereiten aber gerade eine DVD mit Live-Aufnahmen vor, dort wird auch "I Put A Spell On You" dabei sein.

GL.de: Welche Erklärung hat Mike denn für Katies Erfolg?

Mike: Meine Theorie ist, dass dies mit den Casting-Shows zu tun hat. Diese haben den Leuten gezeigt, wie die Plattenindustrie funktioniert und wie Stars gemacht werden. Das heißt, sie wissen jetzt, mit welchen Tricks gearbeitet wird - und vielleicht wollen sie ja gar keine Tricks, sondern das wahre Ding. Und dann ist das so, dass mein kleines Label "Dramatico" nur drei Mitarbeiter hat, wir uns aber alle drei sehr für Katie einsetzen. Wir haben viel Arbeit in dieses Projekt gesteckt und das ist teilweise so, dass man sich schon morgens beim Duschen Gedanken macht, was man denn noch alles tun könnte. Mancher Act bei den Major-Companies wäre ja froh, wenn sich drei Leute um ihn kümmerten...

GL.de: Während Mike bei seiner Ansprache ans Publikum vergleichsweise nervös wirkte, schien Katie selber ja die Ruhe selbst zu sein.

Mike: Ja, sie ist sehr pflegeleicht. Sie ist nie aufgeregt - jedenfalls nicht in einem negativen Sinne. Sie hat auch keine Allüren und noch nie einen Koller bekommen. Vielleicht liegt es daran, dass Geld für Katie nicht wichtig zu sein scheint. Auf jeden Fall ist sie immer dann am besten, wenn sie auf eine glücklich Art aus sich herausgehen kann.

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Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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