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Konzert-Bericht
 
Salle des Chansons nues

Coralie Clément
Helena

Köln, Stadtgarten
18.09.2004

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Coralie Clément
Einen passenderen Höhepunkt für das erste "Frankophonic Festival" im Kölner Stadtgarten hätte man sich wahrlich kaum aussuchen können. Nachdem am Vorabend Dominique A ein eher cluborientiertes Publikum angesprochen hatte (was sich durch das DJ-Rahmenprogramm am ganzen Wochenende noch fortsetzte), kamen am Samstag schließlich die Freunde des jungen französischen Chanson auf ihre Kosten. Coralie Clément war es schließlich (unterstützt von ihrem Bruder Benjamin Biolay) quasi im Alleingang gelungen, das bei uns in letzter Zeit doch ziemlich brachliegende Genre wieder mit neuem Leben zu erfüllen. Ihre Kollegin Helena mag zwar noch nicht so bekannt sein, haut aber in eine ähnliche Kerbe. Die Belgierin mit portugiesischen Wurzeln (oder umgekehrt) pflegt eine ähnlich luftige Art sich durch ihre Elaborate zu hauchen, wie eben Coralie - obwohl sie, nicht zuletzt wegen ihrer vollkommen anderen Stimmlage, durchaus etwas anderes Verkörpert als die zierliche Französin.
Zunächst einmal wurde das Publikum - das offensichtlich zu einem Großteil auch aus Franzosen - oder doch zumindest aus Leuten, die gerne solche wären - bestand, im allgemeinen auf das Gastgeberland eingestimmt. Eine Reihe von Info-Büdchen diverser Fernseh- und Radiosender sowie anderer frankophiler Institutionen informierten in einer Budengasse, die um den Stadtgarten herum aufgebaut war, über allgemeine Belange der französischen Lebensart. Wie nicht anders zu erwarten, war die Veranstaltung sehr gut besucht, was zwar zu einer etwas abgestandenen klimatischen Situation in der Halle, aber auch zu einer guten allgemeinen Grundstimmung führte. Zunächst durfte Helena - barfüßig und im schlichten Sommerkleidchen gewandet - mit ihren beiden Gitarristen auf die Bühne. Helena, die im französischsprachigen Raum unter anderem als Model, als Moderatorin und Buchautorin ("L'Ennemi Est A L'Interieur" - "Der Feind befindet sich im Inneren") Furore machte, setzt im akustischen Live-Ambiente ganz auf die unbeschwerte Samba-Swing-Pop Schiene. Anders als auf ihrer kürzlich erschienenen CD "Née Dans La Nature" fehlten beim Konzert jegliche düsteren Zwischentöne (von den phantasievollen, teilweise poppigen Arrangements mal ganz zu schweigen). Der als erstes gespielte Titeltrack gab dann auch gleich die Grundstimmung vor: Unbeschwerteres, heiterer, lebhafter - und gleichzeitig purer (um nicht zu sagen "nackter" und somit wenigstens den Titel dieses Textes zu rechtfertigen) - dürfte schon lange kein Konzertereignis mehr ausgefallen sein. Diese Grundstimmung unterstrich die charmante Chanteuse durch auffällig demonstrierte, überbordend gute Laune, exaltierte Körpergesten, mädchenhaftes Herumgehüpfe und kleinen Scherzen wie "Ooops - jetzt habe ich schon wieder einen Song vergessen." (Eine mehrmals verwendete Anspielung auf das strenge Setlisten-Regiment, das die beiden Musikanten führten.) Dabei geisterten dann fast ein wenig zu viel der Bienchen, Blümchen, Vögelchen und Kätzchen durch den Raum, die ihre blumigen, bilderhaften Texte en masse bevölkern. Gerade eben noch gelang es ihr so, die Balance zwischen fröhlicher Unbeschwertheit und reinen Kinderliedern zu halten (obwohl "C'Est Parapluie" schon ganz schön am Rande des Erträglichen dahinlavierte). Immerhin: Es waren ja auch Kinder im Publikum. Und sie merkte das ja auch selber: "Meine Songs sind ja ansonsten immer so - wedelt mit den Armen und hüpft auf der Stelle... der nächste ist jetzt aber - sackt in sich zusammen - das ist echt schwierig für mich." Der besagte Song - ein englischer Titel mit Namen "Baby Butterfly" erinnerte dann auch am ehesten an die 60s inspirierten Pop-Kleinode, die sich zuweilen auf der CD befinden. Doch es gab auch einige Überraschungen: So trug sie einige Songs auf portugiesisch vor, spielte natürlich auch das auf der CD enthaltene Kylie-Stück "Can't Get You Out Of My Head" ("weil ich auch mal einen Hit singen wollte"), ließ eine Version von "Porque Te Vas" einfließen, trug den Song "Latitudes" vor, den sie bereits '96 mit der Band Ollano einspielte und als zum Schluss eine Pause zum Gitarrenstimmen angesagt war, stimmte sie kurzerhand Blondies "Heart Of Glass" an - mit frankophilen Ad-Libs - das von den Gitarristen sofort aufgegriffen und dann auch komplett durchgezogen wurde. Fazit: Helenas musikalisch dezidiert un-angelsächsische Variante frankophilen Liedgutes passte hervorragend zu einem der wohl letzten sonnigen Tage des Herbstes. Und ganz losgelöst und fröhlich waren ihre Songs letztlich dann ja auch wieder nicht, denn wer Texte wie z.B. "Je T'Aime, Salaud" ("Ich liebe dich, du Arschloch"), der weiß ja was vom Leben. Und jeder "Mary Poppins" steht auch eine "Poison Ivy" gegenüber, wie uns Helena lehrte...

Coralie Clément stand während des Konzertes von Helena nahezu die ganze Zeit neben der Bühne und studierte verbissen den Auftritt der Kollegin. Zwar gab es dazu nicht wirklich einen Grund - von einer wirklichen Konkurrenz-Situation konnte hier ja keine Rede sein - zeigte aber eines: Coralie ist - anders als die gute Helena - kein ausgebuffter Vollprofi, sondern sie "singt halt einfach so wie sie singt", wie sie es im Interview ja einmal formulierte. Anders als zunächst geplant, schlug Coralie nicht mit einem Trio, sondern mit einer kompletten Band auf, der neben ihrem Bassisten und musikalischen Direktor, Daniel, der sie auch auf der Promo-Tour begleitet hatte, ein Drummer, ein Pianist, und ein Gitarrist angehörte. Wie nicht anders zu erwarten, wurden natürlich vorwiegend die Titel des aktuellen Albums "Salle Des Pas Perdus" gegeben. Zum Glück wurden keinerlei Versuche unternommen, etwa die ausgearbeiteten, vielschichtigen Arrangements Biolays zu reproduzieren, sondern man beschränkte sich auf ein schlankes, jazziges Ambiente, das dann auch nirgends Gefahr lief, etwa Coralies Stimme zu erdrücken. Und diese besagte berüchtigte Stimme, die ja mit ihrem mädchenhaften Charme unter anderem einen Großteil der Coralie-Faszination ausmachte, konnte sich dann erstaunlich gut gegen die Jungs in der Band behaupten. Irgendwie klingt Coralie Clément live erwachsener als die auf Konserve. Insgesamt bekam man hier auch eine Variante zu hören, die mehr Swing als Samba beinhaltete, was der Sache gar nicht schlecht zu Gesichte stand. Als besondere Leckerchen gab es dann eine Cover Version des von ihr verehrten Chansonniers Laurent Voulzy - "Je Suis Venu Pour Elle" und einen neuen, eigenen Song namens "Billy Bob (A Raison)". Letzterer war wohl sogar so neu, dass die Bühne mit Text-Spickzetteln gepflastert war und die Musiker sich bemühten, den Augenkontakt mit ihrer Chefin nicht zu verlieren, um die Einsätze genau timen zu können. Dennoch überzeugte dieser Song, da er sich vom üblichen Flow der anderen Stücke deutlich absetzte und eine mögliche musikalische Richtung für die Zukunft andeutete. Der eigentliche Clou des Abends folgte indes, als Coralie zu einer zweiten, nicht geplanten, Zugabe auf die Bühne zurückapplaudiert wurde. Während die petite dame noch auf sich warten ließ, stimmte Bassist Daniel "Seven Nation Army" von den White Stripes an - ein Stück, das man an dieser Stelle nun wirklich nicht erwartet hatte. Solche Gags gibt's ja häufiger, aber die Band hörte auch dann nicht auf zu spielen, als Coralie anmerkte, dass sie den Text ja gar nicht könne. Vielmehr reichte ihr Daniel dann einen Ausdruck desselben, woraufhin sie schließlich gute Miene zum bösen Spiel machte (sie spricht eigentlich kaum englisch), und diesen ganz passabel vortrug. Jedenfalls war das eine lustige Einlage. Coralie Clément präsentierte sich an diesem Abend als sympathisch menschlicher Act - also ohne Starallüren oder ausgebuffte Routine - und legte somit eine äußerst wirkungsvolle Visitenkarte für das zeitgenössische, lebendige französische Chanson vor. Schade nur, dass es trotz allem nicht zu einer wirklichen Tour in unseren Breiten gereicht hatte...

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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