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Konzert-Bericht
 
Schweine im Weltall

Hellmut Hattler

Köln, Yard Club
11.10.2004

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Hellmut Hattler
Bevor es losging mit dem Konzert im Kölner Yard Club, gab es noch eine Ansage, dass die Show vom Deutschlandfunk für eine Ausstrahlung im nächsten Jahr aufgezeichnet wurde - bevor dann Hellmut wie gewöhnlich solo das Konzert eröffnete. "Die Band heißt Hattler", erklärte er vorab, "ich bin die Vorgruppe und heiße Hellmut, wünsche euch aber trotzdem gute Unterhaltung." Die "Vorgruppe" bestand dann aus ihm und seiner Höllenmaschine, die ein bisschen rhythmisches Sperrfeuer zu dem üblichen, atmosphärischen Bass-Intro beisteuerte, mit dem Hellmut seine Shows zu eröffnen pflegt. Gerade ist eine neue Hattler-Scheibe namens "Bass Cuts" erschienen, von der auch dieses Intro stammte, die indes hauptsächlich Instrumental-Tracks bietet. Wer Hellmut kennt, der weiß ja, dass er auch immer ein Herz für textlose Musik hat, das im Live-Kontext aber immer schön mit den Vokal-Tracks ausbalanciert. Deswegen überraschte es nicht so sehr, dass die neue Scheibe gar nicht der zentrale Dreh- und Angelpunkt der aktuellen Show war.
Eher überraschte es schon, dass der beste Vokal-Track des Albums, "The Saying", nicht gegeben wurde. Lieber verließ man sich hier auf die bekannten "Hits" (was bei jemanden der sich ja bewusst außerhalb der üblichen Radio Hit Vermarktungs-Maschinerie positioniert ja immer auch ein problematischer Begriff ist) wie "Mallberry Moon", "Sunny Jay" oder "Not What You Think", die von Hellmut und seiner wie immer hochkompetenten Band - allen voran natürlich seine Sängerinnen Sandy Wollasch und Nkechi Mbakwe - empathisch und mit jeder Menge überschüssiger Energie ans Volk gebracht wurden. Und natürlich - wie immer - möglichst anders als auf Konserve. Das zeichnet eben eine gute Live-Kapelle aus. Im direkten Vergleich gefielen die eher gefühlvollen, jazzigen, balladesken Tracks vielleicht noch eine Spur besser - aber nur aus einem einzigen Grund: Der knackige Durchmarsch-Funk ist für eine dermaßen exakt eingespielte, gutgeölte Combo wie die Hattler Truppe nicht mehr als eine Fingerübung. Da kann so gut wie nix schiefgehen. Für die Musiker bringt das Rumfunken auf Autopilot indes offensichtlich jede Menge Spaß. "Jetzt fließt der erste Schweiß", meinte Hellmut zum Beispiel zwischen zwei Funk-Krachern, "das ist ein gutes Zeichen." Vielleicht wurde dann im Folgenden vielleicht gar ein wenig zuviel der positiven Energien auf der Bühne hin und hergeschoben - das ist auch wieder eher eine snobistische Beurteilung, denn immerhin bemühte man sich hier ja wenigstens darum, die Leute zu unterhalten und zu animieren (was besonders gegen Ende auch recht gut gelang). Zwar spielte die Technik nicht durchweg mit (der Video-Projektor zeigte über weite Strecken nur Menüs), aber zumindest Sound und Licht hätte man perfekter und effektiver kaum hinbekommen können - und darauf kam es an. Im Mittelteil der Show war's erstmal aus mit der "kontrollierten Extase" und Hellmut und sein Keyboard spielender Trompeter Sebastian Studnitzky lieferten sich ein spaciges Duell, in dem letzterer es tatsächlich schaffte, auf seiner mit allerlei Effektboxen betriebenen Trompete einen Walfisch zu imitieren und Hattler selber quasi grunzend und gurgelnd die menschliche Beatbox markierte und dabei Bass-spielend im übertragenen Sinne abhob. Mit derlei Witz und Spaß an der Freud läßt man sich auch längere, frickelige Improvisationsstrecken gefallen. Zumal diese hier ja immer durch den Kontext der souligen Pop-Tracks aufgefangen wurden.

Am Ende musste dann die ganze Mannschaft noch mal für zwei Zugaben auf die Bühne zurück und beendete den Abend unter anderem mit einer gelungenen Version von "No Eats Yes". Wie so oft, war dies wieder einmal eine Hattler Show, die eigentlich für jeden etwas bot - oder umgekehrt: Schubladendenker vergraulte. Die Frage jedenfalls, ob Hattler nun Jazz, Soul, Pop, Funk oder Dancefloor-Musik macht, kann nach wie vor mit einem deutlichen "Ja" beantwortet werden. Und nicht einmal stellte sich die Frage, wo denn hier die Gitarre geblieben war...

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Surfempfehlung:
www.hellmut-hattler.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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