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Lunik

Köln, Yard Club
16.11.2004

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Lunik
Zugegebenermaßen muss der Titel dieser Story gleich am Anfang wieder relativiert werden. Zwar veröffentlichten Lunik aus der Schweiz mit "Weather" soeben sicherlich so ziemlich die schönste Pop-Scheibe des Winters - und zeigten sich auf dieser in puncto Harmonieführung, Melodieauslobung und Schönklang durchaus als veritable Alternative zur o.a. britischen Chanteuse - aber im Live-Kontext ist Lunik nun doch keine Kuschelrock-Combo oder gar eine Warmduscher-Kapelle. Das für Live-Auftritte um einen Bassisten und einen Keyboarder aufgestockte Trio um die beängstigend liebreizende Sängerin Jaël entpuppte sich beim Showcase im Kölner Yard Club als vielseitige Live-Band, die durchaus auch einmal zubeißen kann - was sich bereits mit dem ersten Song "Go On" andeutete, der wesentlich knackiger als auf der Scheibe rüberkam.
In der Schweiz gehören Lunik zu den absoluten Superstars, die bereits mehrere höchst erfolgreiche CDs auf dem Buckel haben. Hierzulande müssen sie nun quasi bei null anfangen, nachdem ein früheres Werk auf einem beliebten Majorlabel mehr oder minder lieblos und ohne erkennbare Resonanz auf den Markt geworfen wurde. Das ist sicher nicht leicht für eine Band, die es gewohnt ist, zu Hause vor großen, vollen Häusern zu spielen. "Das geht aber schon", erklärte Jaël nach dem Konzert, "wenn wir in den letzten Jahren immer nur in so kleinen Clubs vor so wenigen Leuten gespielt hätten, dann würde das natürlich auf die Stimmung drücken, aber so ist das okay." Und so machte sich die Band dann die Mühe, ein komplettes Set mit zwei Zugaben und voller Produktion (die aus einer ausgefeilten Licht-Choreographie bestand) zu geben - was durchaus nicht üblich ist in solchen Situationen und darum besonders lobenswert erscheint. Lunik steht und fällt natürlich mit Jaël. Niemand würde sich für die Band interessieren, wenn da nicht diese samtweiche, einschmeichelnde Stimme wäre, die die melodienreichen, organischen Popsongs erst mit Leben erfüllte. Dass sie dabei eher angenehm zu betrachten ist, sich zu bewegen weiß und daneben ab und an zur akustischen Gitarre greift, und so das Soundspektrum akustisch abrundet, schadet auch nicht wirklich. Allerdings wirkt das zierliche Energiebündel im richtigen Lenen eine ganze Portion lockerer und weniger distanziert als auf der Bühne. Das liegt allerdings wohl daran, dass die Bühnenpersona schließlich auch mit großen Menschenmassen und großen Bühnen zurechtkommen muss - da kann man schon mal die eine oder andere große Geste verzeihen. Außerdem sieht die Band auch dabei sehr telegen aus und Spaß ist da wohl auch im Spiel. Überhaupt setzen Lunik auf der Bühne sehr viel mehr auf interaktives Zusammenspiel als die ausgetüftelten, komplexen Arrangements auf der Scheibe vermuten lassen. Zwar gab es keine ausufernden Versionen mit Jam-Sessions und Soli, aber jedes Stück bietet genügend Möglichkeiten, aus dem Schema auszubrechen und mit dem Material zu spielen. Jedenfalls sind Lunik eine waschechte Live-Band. Keyboards spielen übrigens eine eher untergeordnete Rolle - und werden vorzugsweise bei den eher balladesken Tracks eingesetzt, wie z.B. dem zur Zugabe gereichten, emotional sehr punktgenauen "Slide", dessen hypnotischer Refrain sich dann, wie viele Lunik-Melodien, unweigerlich im Kopf festsetzt.

Die beste Überraschung bildeten dann allerdings die Up-Tempo-Nummern, die Lunik eigentlich erst mit dieser CD ins Programm aufgenommen haben. "Früher haben wir eher langsame Sachen gemacht - Trip Hop und so", meint Jaël fast verschämt. Jedenfalls machen Lunik zwischendurch auch mal richtig Krach und spielen - nicht gerade Punkrock, aber durchaus sympathisch ruppige Rocksongs. Zwischendurch bemühte sich Jaël, dem Publikum wissenswerte Informationen zu vermitteln - zum Beispiel, dass der Name "Lunik" von jener Mondsonde stammt, die zum ersten Mal Bilder von der Rückseite des Mondes lieferte. Da ihre Sprechstimme allerdings weicher ist als manche Daunendecke und es obendrein technische Probleme gab, war das alles kaum zu verstehen. Lunik sind eine Band, die in vielerlei Hinsicht die besseren Antworten parat haben, wenn es darum geht, zeitgenössische, emotionale und organische Popmusik zu machen. Dass sie als Live-Band - entgegen etwaiger Assoziationen, die sich aufgrund ihrer Herkunft einstellen könnten - als lebhafte, druckvolle Einheit überzeugten, überraschte dann zusätzlich positiv. Wer also zum Beispiel nach einer Alternative (oder vielleicht lieber Ergänzung) zu Acts wie eben Dido sucht, der sollte sich Lunik mal ganz dicke vormerken. Und in diesem Sinne sollte der etwas marktschreierische Titel dieser Story dann auch verstanden werden. Eine richtige Tour soll demnächst in Angriff genommen werden.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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