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Die optimistische Gästeliste

Kings Of Convenience
Bart Davenport

Düsseldorf, Zakk
30.11.2004

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Kings Of Convenience
"Eigentlich basiert die ganze norwegische Kultur irgendwo auf deutschen Einflüssen", erzählte Eirik Glambeck Boe angesichts einer von Erlend Oye kurzfristig anberaumten, spontanen Fragestunde und nahm damit Bezug auf den Namen seiner Heimatstadt, Bergen, "und darum mögt ihr sie [die norwegische Kultur] wohl auch so gerne." Besser hätte er den momentanen Zustand der Kings Of Convenience gar nicht beschreiben können: Wohin die Jungs auch kommen, sind ihre Konzerte ausverkauft. Nicht schlecht für ein Duo, das lediglich mit zwei Gitarren (und einem gemieteten Klavier) unterwegs ist. Besonders eingedenk der Tatsache, das andere Singer- / Songwriter eher am Hungertuch nagen.
Zu denen gehört nominell auch Bart Davenport. "Nominell" deswegen, weil er jetzt das Glück hatte, mit seinen Freunden unterwegs zu sein und seine sparsamen, Bossanova-trächtigen, leicht skurrilen Beobachtungen über europäische Eigenarten vom englischen Wetter bis zu spanischen Stierkämpfen auf diese Weise ein Publikum erreichten, das ihm ohne die Popularität seiner norwegischen Kollegen wohl verwehrt geblieben wäre. Dabei passte das, was der kalifornische Songwriter da machte, aber auch wirklich 100%ig zur folgenden Flüsterpartie der Könige der Bequemlichkeit. Auf seiner letzten CD, "Game Preserve", überzeugte Bart ja eher durch arrangierwütig verfrickelte 60s-Westcoast-Arrangements. Im Live-Kontext beschränkte sich der Mann, dessen trockener Witz dem eines Adam Green nicht unähnlich ist, ganz auf ein paar hingefächelte Samba- und Bossa-Akkorde, zu denen er dann mit klagender Stimme seine zum Teil haarsträubend komischen Stories vortrug. Das tat er allerdings vollkommen souverän und punktgenau. Davenport ist ein Meister der Reduktion, der mittels kleiner Akzente - ein spanisch angehauchtes Flamenco-Intro hier, ein geflötetes Solo dort oder gekiekstes Ad-Libbing anderswo - Monotonie im Ansatz erstickte und über die ganze Spielzeit überzeugen konnte. Und das ohne ein einziges Wort ans Publikum zu richten. Bis es dann am Ende seines Sets aus einmal aus ihm hervorbrach: Er sei Bart Davenport aus Kalifornien, einem Staat, wo man einen österreichischen Ministerpräsidenten habe, den man Gouvernator nenne und man möge doch bitte festhalten, dass die Farbe des Staates bei den Wahlen dennoch blau (= Kerry-Country) gewesen sei. Davenport ist ein klassischer Folkie. Nicht nur nennt er Woody in einem seiner Songs "Brother", sondern er pflegt auch die Tugenden der Alleinunterhaltung mit geringstmöglichem Aufwand. Dazu gehört sauberes Storytelling und ein empathischer Vortrag, wobei sich der Vortragende durchaus auch ein wenig zum Clown machen darf, wie Bart in seinem Song "Sideways Findways" ja auch sehr schön schildert. Und das alles tat er eben sehr ruhig, sehr sympathisch und ein bisschen verrückt. So wie seine bekannteren Brüder im Geiste.

Die Faszination, die sich aus dem Vortrag der beiden Norweger ergibt, ist nach wie vor die, dass so etwas heutzutage kaum noch jemand macht. Zu Zeiten der Everly Brothers oder Simon & Garfunkel waren Folkduos, die mit angenehmen Harmoniestimmen anrührende Popsongs darboten, ja Gang und Gäbe. Heutzutage ist es immer noch etwas Besonderes, wenn die Bühne bei einem Auftritt weitestgehend leer bleibt. Erlend und Eirik schienen aber nun doch ein wenig überrascht zu sein vom Umfang des Zuspruches, der ihnen auf dieser Tour entgegenschlug - obwohl, wie Eirik bemerkte, Erlend immer schon sehr optimistische Gästelisten schriebe. Natürlich spielten die Kings alle Hits ihres aktuellen Albums "Riot On An Empty Street" - von "Homesick" über "Cayman Islands" bis hin zur Single "Misread" war alles dabei. Bis auf Leslie Feist natürlich. Die Kanadierin, die auf zwei Tracks auf "Riot" als Duett-Partnerin auftrat, hat - so Erlend - mit ihrer eigenen Karriere jetzt genug zu tun. Es war dann aber eine schöne Geste, dass die Kings im Zugaben-Block - zusammen mit Bart Davenport - quasi als Dankeschön den Feist-Song "Gatekeeper" interpretierten. Die etwas aufwendigeren Arrangements der Riot-Scheibe blieben beim Live-Auftritt außen vor und wurden bestenfalls andeutungsweise durch Gitarrenparts simuliert. Das hat den Grund - so erklärte und Erlend im Interview -, dass die Kings es vermeiden möchten, dass man den Eindruck gewinnen könne, sie machen ihre Musik nicht selber, und deshalb auf Sampler oder ähnliches verzichten. Lediglich ein Piano leistete man sich, wobei Erlend ausdrücklich darauf hinwies, dass dieses kein echtes, sondern ein "Fake"-Piano sei. Es wurde auch nicht sonderlich bemüht, sondern lediglich gelegentlich für ein paar Farbtupfer benutzt. Ansonsten herrschte bei den Kings eine paritätische Aufgabenteilung, bei der Solo- und Harmonieparts gleichmäßig verteilt schienen. Während einer Verschnaufpause von Eirik spielte Erlend einen Song der norwegischen Band deLillos, die laut Eirik die beste Band sei, die auf norwegisch singe und bekannte sich damit auch zur eigenen Nationalität. Da das Duo-Format sich nicht sonderlich gut für eine aufwendige Live-Präsentation eignet, entstand das Entertainment des Abends eher durch den schlagfertigen Humor des Duos. Neben der bereits erwähnten Fragestunde ("Ach, ich bin heute so müde!" begründete Erlend diese) gab es z.B. noch eine improvisierte Fotosession für die zahlreichen anwesenden Fotografen, die die Künstler in der Konzentration störten und gegen Ende, zu "I'd Rather Dance With You" gab's dann auch tatsächlich eine Tanzeinlage von Erlend, der das Publikum aufforderte, durch Händeklatschen die notwendige Bassdrum zu simulieren. Das endete dann damit, dass alle von ihren Stühlen aufstanden, tobten und die Kings feierten. Wie gesagt, kam dann Bart Davenport noch einmal mit auf die Bühne und zusammen spielte man dann neben der besagten "Gatekeeper" Nummer noch eine Cover-Version von Harry Nilssons "Me And My Arrow".

Im Vergleich zu ihrer ersten Deutschland-Tour schienen die Kings - und hier insbesondere der als sensiblere der beiden bekannte Eirik - im Umgang mit dem Publikum wesentlich souveräner und lockerer und kommunikativer geworden zu sein. Die zwischen den Akteuren flachsig zur Schau gestellten, angedeuteten Spannungen ("Du liest ja doch nie die Fanpost!") haben dabei wohl einen wahren Kern; denn nicht umsonst lässt Erlend kaum eine Gelegenheit aus, darauf hinzuweisen, dass Eirik die Musik nicht ganz so wichtig sei, wie ihm selber und dass dieser nicht gerne toure. Zumindest an diesem Abend aber schien auch Eirik richtig begeistert zu sein. Es wird also spannend sein zu verfolgen, wie es mit den Kings Of Convenience weitergehen wird. Was ein rein akustisches Konzert betrifft, ließ diese Show jedenfalls kaum Wünsche offen. (Außer vielleicht, dass nicht jedes möglich Stück gespielt werden konnte.)

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Surfempfehlung:
www.kingsofconvenience.com
www.astralwerks.com/koc/default.html
www.bartdavenport.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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