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Rock Da House

Willard Grant Conspiracy

Köln, Yard Club
07.12.2004

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Willard Grant Conspiracy
Wer gedacht hatte, das Programm der Willard Grant Conspiracy mittlerweile ja nun zur Genüge zu kennen, wurde von Robert Fisher & Co. beim Deutschland-Auftakt der aktuellen Tour in sendebewusster Absicht eines Besseren belehrt. Es sei ja schön und gut, immer wieder die alten Stücke zu hören, erklärte er eingangs, aber dennoch wolle man an diesem Abend dann doch auch gerne neues Material vorspielen. Die letzte offizielle WGC-Scheibe war ja die Retroskeptive "There But For The Grace Of God", die dann demzufolge weitestgehend außen vorblieb. Bis auf das in der Zugabe gegebene "Sticky" gab's jedenfalls nix Wesentliches von dieser Scheibe zu hören. Dafür - neben einigen notwendigen Standards vom Kaliber "Suffering Song" oder "Ballad Of John Parker" - stammte das Material vorwiegend von der Semi-Folk-Scheibe "Regard The End" - oder war, wie gesagt, neu.
Die Willards hatten gerade einen erfolgreichen Abstecher in Dänemark hinter sich und waren von der langen Fahrt noch ziemlich mitgenommen. Im Falle von Robert Fisher fiel das natürlich nicht weiter auf, da er ja eh fast die ganze Zeit gemütlich auf einem Stuhl sitzt. Ohne jetzt zynisch werden zu wollen; aber etwas anderes bleibt ihm fast auch nicht mehr übrig, denn mittlerweile hat er aufgrund seines leiblichen Mehrwertanteils doch Mühe, sich zu bewegen. Was natürlich nichts an seinen musikalischen Qualitäten ändert: Singen tut er immer noch wie ein mittelalter Gott. Die Willard Grant Conspiracy 2004 hat nicht mehr viel mit dem Konstellation zu tun, mit dem Robert und Paul Austin das Projekt einmal begannen. Paul hat die Band verlassen, um mit Transmissionary Six seine eigenen Visionen zu verwirklichen. Geiger David Curry hat mittlerweile mit seinen eigenen Projekten genug zu tun und zuletzt wurde Gitarrist Simon Alpin aussortiert, weil dessen gehaltliche Vorstellungen nicht mehr dem Machbaren entsprachen. Das alles macht aber nix: Die WGC wurde von vorneherein als eher loses Konsortium konzipiert, dessen einziger Anker sowieso Roberts Stimme war und bei dem die Beiträge aller beteiligten Musiker immer gleichermaßen willkommen sind. So auch bei der aktuellen Formation. Geiger Josh Hillmann ist ja eh der technisch und stilistisch versiertere Geiger, Keyboarderin Yuko Maratas ansonsten eher zurückhaltendes Spiel nahm dieses Mal breiteren Raum ein und als neuer Gitarrist überraschte Jason Victor - bekannt von der Steve Wynn Band - als derjenige, der der Sache einen mächtigen Tritt in den Allerwertesten versetzte. Nachdem technische Probleme wie ungestimmte Gitarren und leere Batterien überwunden schienen (die Betonung liegt hier auf "schienen") ging's auch gleich richtig knackig los. Der erste Track, "Ghost In The Well", bewegte sich noch auf gewohnt folkig-melancholischem Terrain, doch bereits das zweite Stück war eine Überraschung. Die momentane WGC-Weltsicht zeigt offensiv in Richtung Zukunft. Die neuen Sachen kamen nämlich alle als mehr oder minder solide Rocknummern daher. "No Such Thing As Pain", ein Song über Drogen und deren Folgen, überzeugte, ebenso wie ein noch unbetitelter neuer Song als straighter Rocker, "Crush", mit einem unwiderstehlichen Pop-Riff driftete fast in punkige Sphären ab, überraschte dann aber mit einem erstaunlich eingängigen Refrain - ebenso wie "Skeleton", das aber weniger durch Rock-Power, denn durch einen Drum'n'Bass-Rhythmus überzeugte. "Highway To Heaven" klang dann ungefähr so, wie man sich ein Stück mit einem solchen Titel auch vorstellt. Angereichert wurde der Vortrag dann durch ergiebige Soli von Jason und Josh sowie durch die kompakte Leistung der straighten Rhythmusgruppe - bei den lauten Tracks mit elektrischem, ansonsten mit akustischem Bass. Dazwischen gab's dann, wie gesagt, ein paar bekanntere Tracks - die indes dann so bekannt doch wieder nicht waren, da die Arrangements doch ziemlich umgedeutet wurden. Die Ballade von John Parker begann z.B. mit einer A-Cappella-Gospel Einleitung und psychedelischer Soundwand, bevor dann das Stück ebenfalls als Rock-Nummer upgedated wurde.

Rein musikalisch war dies vielleicht nicht der bestmögliche Abend - Jason erklärte, dass der Sound auf der Bühne sehr schlecht gewesen sein sollte (wovon man im Auditorium aber eigentlich nichts merkte) und dass Robert nicht wirklich Mundharmonika spielen oder Gitarre stimmen kann wissen wir jetzt auch - aber als Showcase für das neue Selbstbewusstsein und das neue Material war die Show ziemlich beeindruckend. Das Interessante bei dem ganzen Rockgedröhne war dann letztlich übrigens, dass dies - was z.B. die Melodien, die Songstruktur und Harmoniefolgen sowie die Themen betraf - doch eine typische WGC-Angelegenheit war - nur eben eine lautere, als erwartet. Als nächstes plant Robert eine Tour mit Kristin Hersh und Streichern (wobei noch nicht klar ist, ob diese auch in unsere Gefilde führen wird), bevor dann Anfang nächsten Jahres das neue Material auf Tonträger gebannt werden wird. Auch wenn es der traditionell zögerliche Zuspruch des Kölner Publikums nicht vermuten ließ: Die WGC zählen nach wie vor zu den treibendsten und innovativsten Outfits auf dem Americana Sektor.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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