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Konzert-Bericht
 
Willkommen im Saustall

Morrissey
The Boyfriends

Amsterdam, Heineken Music Hall
10.04.2006
Morrissey
Morrissey geht auf Tournee und spart mal wieder Deutschland aus - so war es leider in den vergangenen Jahren. 2006 kommt er zwar für zwei Shows in unsere Gegend, doch nur im Rahmen der Festivals Rock am Ring und Rock im Park. Keine besonders tolle Umgebung für eine Morrissey-Show. Dann doch lieber kurz rüber zu unseren holländischen Nachbarn, nach Amsterdam. Dort gastierte Morrissey - man soll es fast nicht glauben - zum ersten Mal in seiner Solo-Karriere. In der ausverkauften Heineken Music Hall wurde er sehr freundlich von Menschen aus vielen Teilen Europas begrüßt.
Um Punkt 20:00 Uhr standen zunächst The Boyfriends aus London auf der Bühne - eine Band, die Morrissey persönlich für gut befunden hat. Martin Wallace (Gesang), Richard Adderley (Gitarre), David Barnett (Bass) und Paddy Pulzer (Drums) machten ihre Sache gut, ihr Gitarren-Indie-Pop konnte viele Anwesende begeistern - auch wenn die Texte teilweise allzu stereotyp gestaltet waren; über das Leben zu lamentieren sollte schon mit ein wenig Formulierungs-Ideen gewürzt sein, sonst kann es leicht platt und abgedroschen klingen. Den größten Beifall ernteten die Boyfriends übrigens für ihre Version von Kirsty MacColls "They Don't Know".
Ebenso pünktlich um 21:00 Uhr war dann die große und schlicht designte Bühne bereit für Morrissey und seine fünfköpfige Band. Dass er inzwischen in Rom lebt, sollte sich herumgesprochen haben - das Thema Italien scheint sich auch auf die komplette Crew übertragen zu haben, denn die italienische Flagge zierte sowohl die Bass-Drum, als auch die Crew-Pässe und im späteren Verlauf des Konzerts auch Boz Boorers doppelhalsige Gitarre. "When it's spring again, I'll sing again with these two lips in Amsterdam" waren seine ersten Worte - angelehnt an den furchtbaren holländischen "Tulpen aus Amsterdam"-Song. Das sollte natürlich nicht der einzige Wortbeitrag bleiben - Morrissey war bestens gelaunt und guter Dinge. Hier einige Beispiele: "I'm not as skinny as I used to be - and neither are you!", "You know, with my lack of intelligence, it's very hard to be up here. It really is.", "The house is full - hm, it must be raining outside.", "This next song is number one in the UK, in Sweden, and Iraq... That's a joke." Ein Witz war die Performance allerdings keinesfalls - die Band war bestens aufeinander eingespielt, die Herren haben es teilweise richtig krachen lassen (Mikey V. Farrell bediente dabei größte Anzahl an Instrumenten: Keyboard, Gitarre, Blas-Instrumente, Akkordeon und Schlagzeug), und Morrissey selbst war stimmlich voll auf der Höhe. Los ging es mit "First Of The Gang To Die", das direkt von einem der Smiths-Klassiker schlechthin gefolgt wurde: "Still Ill" mit kleinen textlichen Adaptionen: "For there are brighter sides to life / And I should know, because I've seen them / Very, very often" und "England's a swine, it owes me a living". Da war er also, der erste richtige Gänsehaut-Moment des Abends. Das oft unterschätzte "Reader Meet Author" hat auch wieder seinen Platz im Set gefunden - von Morrissey übrigens angekündigt mit: "The next song is from an album that nobody likes... that's why we play it." Nach der B-Seite "My Life Is A Succession Of People Saying Goodbye" folgte mit "Girlfriend In A Coma" ein weiterer Smiths-Song, der allerdings etwas unter der recht schlechten Darbietung von Gitarrist Jesse Tobias gelitten hat. Der aktuelle Album-Opener "I Will See You In Far Off Places" ist schon in der Studio-Version bombastisch, live wirkte das Ganze noch eine Spur größer - was dem Song noch mehr zugute kam. Herzergreifend hingegen war das darauf folgende "To Me You Are A Work Of Art", bevor es dann mit dem absoluten Höhepunkt der Show weiterging: "Life Is A Pigsty" vom aktuellen Album "Ringleader Of The Tormentors". Boz Boorer begnügte sich dabei größtenteils mit dem Klimpern auf Gläsern, der Rest der Mannschaft holte alles aus sich heraus, ebenso Morrissey, wenn ihm bewusst wurde, dass das Leben manchmal ein ziemlicher Saustall ist. Da konnte selbst "How Soon Is Now" (mit tollem, leicht veränderten Arrangement) nicht gegen anstinken - und das soll schon etwas heißen. Eine Cover-Version findet auch stets seinen Weg in eine Morrissey-Show, diesmal war es "A Song From Under The Floor Boards" von Magazine - von Morrissey allerdings angekündigt mit: "The next song was written when I was a child. It was made famous by Mouth & McNeal." (Mouth & McNeal waren die holländischen Vertreter beim Eurovision Song Contest in den 70s.) "At Last I Am Born" beschloss den Hauptteil des Konzerts, bevor es mit einer weiteren Smiths-Nummer ("Last Night I Dreamt That Somebody Loved Me") endgültig zu Ende ging. Morrissey sagte kurz "Ciao", und wir sagen mille grazie für dieses wirklich tolle Konzert vor einem teilweise doch behäbigen Publikum.
Surfempfehlung:
www.morrisseymusic.com
www.true-to-you.net
www.morrissey-solo.com
www.theboyfriends.com
Text: -David Bluhm-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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