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Matrosenmützen und ein Schuh-Roadie

19. Rocknacht

Köln, Palladium
03.04.2005

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Garbage
Zwei Jahre Pause, dann war es am Wochenende wieder einmal Zeit für eine weitere Auflage der Rocknacht - seit 1986 gibt es sie nun, sie hatte immer wieder klangvolle Namen und ebensolche Bands aufbieten können, und auch die 19. Ausgabe machte etwas her: Garbage mit ihrer einzigen Show in Deutschland als Headliner, dazu gesellten sich The (International) Noise Conspiracy, Turbonegro, Urge Overkill, The Zutons und die irische Formation The Frames. Eigentlich ein tolles Line-Up, dennoch hielt sich der Zuschauerandrang in Grenzen - vielleicht lag es am eher ungünstigen Termin?
Eröffnet wurde die Rocknacht mit Auftritten der Frames, die erst kürzlich einen kurzen Abstecher durch Deutschland sehr erfolgreich absolvierten, direkt nach ihnen war es Zeit für The Zutons. Immer mehr Turbojugend-tragende und -auslebende Menschen sicherten sich schon einmal ihre Plätze im Palladium, und ließen sich von den im Silber-Glitzer-Diskokugel-Outfit angetretenen Urge Overkill unterhalten. Allerdings war schon nach knapp einer halben Stunde Schluss - eine Schande, denn wer King Roeser, Nash Kato & Co. bereits live erleben durfte, weiß, dass die Herren dann erst so richtig warm werden. So hetzten sie durch ihr kurzes Set, bei dem "Girl You'll Be A Woman Soon" nur kurz angedeutet wurde, dafür aber der immer wieder gerne gehörte Kracher "Sister Havana" präsentiert wurde.

Als es dann Zeit für Turbonegro wurde, strömte aus allen Winkeln der Halle die Turbojugend zusammen, um sich schonmal in die richtige Stimmung zu bringen, die ersten Schlachtrufe wurden laut. Kurz nach halb neun stürmten Hank Von Helvete und seinen Mannen die Bühne, während der ersten Songs wie immer in voller Montur inkl. Stahlhelm und den anderen Kopfbedeckungen. Gefangene wurden natürlich keine gemacht, es wurde eine runde Mischung aus den ewigen Hits "I Got Erection" (das einige Herren in der 1. Etage zum Anlass nahmen, ihr blankes Hinterteil zu präsentieren) und "Fuck The World", sowie einige neue Nummern aus ihrem im Mai erscheinenden Album "Party Animals". Hank suchte natürlich wie immer Kontakt zum Publikum, er konnte sich auch nicht einen Kommentar zu tags zuvor verstorbenen Papst verkneifen: "Gestern ist Papst Johannes Paul der andere von uns gegangen. Jetzt fragen sich natürlich alle, wer der Nachfolger wird." Die Turbojugend skandiert Hank Von Helvete, doch er wiegelt nur ab: "Aber nein, dafür bin ich doch viel zu dumm und zu jung. Mein Vorschlag wäre John Paul Jones, der Bassist von Led Zeppelin!" Nunja...

Weiter ging es mit The (International) Noise Conspiracy, die natürlich auch wieder vom ersten Ton an Vollgas gegeben hat - allen voran Sänger und Energiebündel Dennis Lyxzén, der wieder einmal jeden Zentimeter der Bühne beackerte, auf Boxen kletterte, im hohen Bogen wieder heruntersprang, in der ersten Reihe den direkten Kontakt zum Publikum suchte. Das volle Programm, zu jeder Zeit, an jedem Ort. Und wenn ihm jemand ein "Fuck you!" entgegenschleudert, dann antwortet er auch darauf. Eigentlich hätte ein simples "Fuck you, too!" gereicht, was er zunächst auch verlauten ließ, doch er wollte sich noch kurz dafür rechtfertigen und erklärte es den Anwesenden - und auch wenn man dem Redeschwall nicht ganz folgen konnte, am Ende war man davon überzeugt, ein "Fuck you!" mit einem ebensolchen beantworten zu dürfen. Überzeugungsarbeit in Sachen Musik leisten T(I)NC schon seit Ewigkeiten, zuletzt mit dem großartigen Album "Armed Love", von dem sich natürlich einige Nummern im Set wiederfanden - neben alten Bekannten wie "Capitalism Stole My Virginity".

Kurz vor Mitternacht musste man sich schon zweimal die Augen reiben - nicht nur wegen der Uhrzeit, sondern auch ob des eher spartanischen Bühnen-Aufbaus: Ein Drumkit, zwei Keyboards und ein Mikrofon-Ständer. Keine Verstärker. Eine Rockshow ohne Verstärker? Duke Erikson von Garbage erklärte diese Maßnahme im Gaesteliste.de-Interview vor der Show: "Ja, es sieht schon recht seltsam aus. Auf der neuen Platte sind wir zwar zu den Gitarren und einfacher Ausstattung zurückgekehrt, aber bei den Live-Shows benutzen wir immer noch eine Menge Elektronik, um den Sound zu verbessern. Und wir haben in letzter Zeit festgestellt, dass auf der Bühne herumplärrende Verstärker den Sound matschig werden lassen. Deswegen haben wir sie verbannt. Aber ich kann natürlich das alte Argument verstehen, dass man bei einer Rock-Show irgendwo auf der Bühne einen Marshall-Stack sehen will!" Ohne Marshall-Stack, dafür mit neuem Bassisten Eric Avery (u.a. Jane's Addiction, Alanis Morissette) betraten Shirley Manson & Co. nach dem Intro (das "Hurt"-Cover von Johnny Cash) die Bühne, um mit "Queer" behutsam zu beginnen. Denn was danach folgte, war Garbage in alter, in erstklassiger Form. Es war eine Rockshow mit einer zwar etwas erkälteten aber dennoch sehr gut gelaunten Shirley Manson, die dann auch prompt eine neue Berufssparte etablierte: Schuh-Roadie. Die ersten Songs absolvierte Shirley noch in hochhackigen, roten Schuhen, die aber eher etwas für's Auge und nicht dafür geeignet waren, um auf der Bühne herumzulaufen. Somit kam besagter Schuh-Roadie zum Einsatz, der Frau Manson - während sie weitersang - in ein neues, bequemeres Paar half. Damit tigerte sie im kleinen Schwarzen über die komplette Bühne, freute sich über den regen Zuspruch aus dem Publikum - eigentlich kein Wunder bei der ausgewogenen Setlist. Hier gab es aus allen Alben Songs zu hören, hervorzuheben sind vor allem "Vow", "I Think I'm Paranoid", "Only Happy When It Rains", und auch "Cherry Lips (Go Baby Go!)". Duke Erikson hatte die Rückkehr zu den Gitarren erwähnt - live sowieso und vor allem bei den neuen Stücken, darunter "Bad Boyfriend", die aktuelle Single "Why Do You Love Me?", "Sex Is Not The Enemy" und den Rausschmeißer "Right Between The Eyes". Den Titel-Song des Albums, "Bleed Like Me", widmete sie allen Garbage-Fans und der Tatsache, dass sie die Band seit nunmehr zehn Jahren begleiten. Garbage sind zurück - das ist gut zu wissen.

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Surfempfehlung:
www.garbage.com
www.garbage.de
alt.digitalfarmers.com/tinc/
www.turbonegro.com
www.urgeoverkill.net
www.thezutons.co.uk
www.theframes.ie
Text: -David Bluhm-
Foto: -David Bluhm-


 
 

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