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Konzert-Bericht
 
Think Floyd

Porcupine Tree
Anathema

Köln, Bürgerhaus Stollwerck
12.04.2005
Porcupine Tree
Ein enorm stimmiges Package war in diesen April-Tagen mit Porcupine Tree und den Liverpooler Verwandlungskünstlern von Anathema - präsentiert von Gaesteliste.de - auf Tour. Von extrem unterschiedlichen Ausgangspunkten aus haben sich beide Bands zu einem Stil hinentwickelt, der sich zwar eindeutig von der frühen und mittleren Schaffensphase von Pink Floyd inspiriert fühlt, aber gleichzeitig jeweils unverwechselbar ist.
Anathema
Während der in Deutschland bislang leider selten zu sehende Headliner Steven Wilson (Mastermind von Porcupine Tree) dem psychedelischem ProgRock und - gerade seit den letzten zwei Alben - dem Progressive Metal verwurzelt ist, seine Vielseitigkeit aber schon in unterschiedlichsten Produzententätigkeiten (u.a. Paatos oder Opeth) sowie Nebenprojekten (u.a. No-Man oder Blackfield) bewies, haben Anathema eine der wohl längsten musikalischen Odysseen absolviert: Vom kruden, biestigen Growl-Metal der frühen Jahre über den kommerziellen Durchbruch mit gothic-lastigen Meisterwerken wie "Alternative 4" oder "Eternity" bis hin zu den nicht mehr recht kategorisierbaren, wiewohl starken aktuellen Alben "A Fine Day To Exit" sowie "A Natural Disaster". Und um dieser Wandlungsfähigkeit beizuwohnen, waren viele der Besucher des komplett ausverkauften Bürgerhauses Stollwerck in einen von Kölns schönsten Live-Tempeln (Backstein außen, alter Holzdielenboden innen, umlaufende Empore) gekommen. Der Empfang, als die Cavanagh-Brüder noch vor dem offiziellen Konzertbeginn um 21 Uhr die Bühne betraten, ließ daran keinen Zweifel: Mit "Vorgruppe" hatte dies nichts zu tun - ein guter Teil der Anwesenden war schlicht wegen Anathema erschienen! So empfangen stahl sich schnell ein freudiges Lächeln auf die Gesichter der um das Jahr 2001 herum von Streitigkeiten unter den Brüdern ziemlich zerfressen und schon halb aufgelösten Düsterheimer. Und sie gaben mit beispielsweise "Closer", dem Vocoder-verzierten Höhepunkt von "Disaster" den Leuten, was sie hören wollten, gefolgt vom verzweifelt-traurigen "One Last Goodbye" (Gothseidank noch nicht) von "Judgement". Sogar unveröffentlichtes Material wurde dem Kölner Publikum geboten - mit einem nach etwa dem Abmischfiasko vom ProgPower Europe 2001 erfreulich klaren Sound. Dass "Fragile Dreams" (vom Klassiker "Alternative 4") auch losrocken kann wie Wutz, wurde ebenso bewiesen wie die akustische, an Nick Drake gemahnende Eindringlichkeit von Tracks wie "Flying" (übrigens wurde auf Tour erstmals Danny Cavanaghs Tribut-Album für Nick Drake, "A Place to Be" vertrieben). Unter tosendem Applaus wurden Danny, Vincent, Jamie, Les und John schließlich ungern entlassen.
Porcupine Tree
Projektionen der zum aktuellen Porc Tree-Album "Deadwing" erhältlichen Postkartenserie auf der gigantischen Backdrop-Leinwand überbrückten die kurze Umbaupause, bis es um 22:20 Uhr richtig weiterging. Und zwar grob der Tracklist des '05er Albums folgend gleich mit dem wegen seines dynamischen Intros ja auch besonders als Opener geigneten "Deadwing", gefolgt von "The Sound Of Muzak" vom relativ metallischen "In Absentia". Inzwischen hatten sich die vorher statischen Projektionen zu aufwendigen, künstlich gealterten Kurzfilmen gesteigert, welche die Thematiken der Songs meist gekonnt unterstrichen.

Das nur in Deutschland als Single (plus wunderbaren "B-Seiten") ausgekoppelte zart-melancholische "Lazarus" (leider heute ohne den Hintergrundgesang von Mikael Akerfeldt (Opeth)) und das mit Loops und Scratches sehr "modern" daherkommende "Halo" nahmen den "Deadwing"-Faden wieder auf, bis das balladeske "Smart Kid" (von "Stupid Dream") abermals einen Ruhepol schaffte. Überhaupt spielen Wilson & Co. heuer einfach souverän mit den Gefühlen des ihnen ohnehin aus den Händen futternden Auditoriums - und wurden im mittlerweile einem Schnellkochtopf gleichenden Bürgerhaus sogar mit zaghaften, für Prog jedenfalls extrem seltenen Ansätzen zu Stagediving und Crowdsurfing belohnt. Zeit für "Hatesong" und - persönlicher Höhepunkt des gesamten Konzerts - eine berückend intensive Fassung von "Arriving Somewhere (But Not Here)". Das vermochten auch "Fadeaway", "Burning Sky", das harmlose "Mellotron Scratch" oder "Blackest Eyes" nicht mehr zu toppen, vielleicht aber das hypnotische "Even Less". Das angesichts der inzwischen lebensfeindlichen klimatischen Verhältnisse enorm leidensfähige Publikum (mit für Prog erstaunlich hohem Frauenanteil) steuerte nach "Trains" mit beglückten Minen ihren Trains, Planes or Automobiles zu.

Surfempfehlung:
www.porcupinetree.com
www.deadwing.com
www.voyage-pt.de
www.anathema.ws
Text: -Klaus Reckert-
Fotos: -Robert Kril-


 
 

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