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Moby
M83

Hamburg, CCH
24.05.2005
Moby
Ein Konzert irgendwo auf der Welt. "Ich hol' uns mal zwei Pils", heißt es. Bei Moby sagt man: "Nehmen wir noch einen Drink, bevor es losgeht?" Sätze wie "Gehst auch zu Maximo Park?" oder "Scumbucket gestern haben derbe Arsch getreten." sind an sich keine Seltenheit. Bei Moby hört man: "Mist, Meat Loaf spielt genau an meinem Geburtstag." Während man sonst selten mehr als eine Käsestange im Club zu essen bekommt, werden bei Moby belegte Brötchen gereicht. Natürlich, Moby ist ein Star, bekannt aus Funk und Fernsehen. Aber er ist auch ein Punk, ein Visionär, ein kreatives Genie. Moby ist eben anders. Und auf seinen Konzerten ist es das auch.
Im Saal des CCH 3 darf auf Wunsch des Künstlers nicht geraucht werden. Das ist okay, hat aber zur Folge, dass der Großteil der Zuschauer sich noch im verqualmten Foyer aufhielt, als M83 anfingen. Die Franzosen haben gerade ihr drittes Album "Before The Dawn Heals Us" veröffentlicht und legten mit wummernden Bässen und verzerrten Gitarren fulminant und überraschend los. Denn das hier war kein süßer Elektro-Pop á la Air, hier wurde geschrotet. M83 taten das in (fast) klassischer Vier-Mann-Besetzung. Zwei Gitarristen (einer im Anzug, einer mit Mikro und Keyboard), ein Basser (mit Cowboyhut) und ein Drummer und gemeinsam boten sie eine anfangs etwas statische, fast schon schüchterne Performance, die so gar nicht zur druckvollen Musik, den heftigen Gitarren-Klängen, feinen Pop-Melodien und kräftigen Elektro-Teppichen passte. Doch mit der Zeit tauten sie auf, besonders der Cowboy-Basser stand kaum noch still und kaum war das CCH gefüllt und alle von M83 mehr als angetan, war nach einer knappen halben Stunde schon wieder Schluss.

Als Moby dann nach einem etwas zu lang gerateten Intro ("My Weakness") auf die Bühne stürmt und mit "Find Me Baby" und "Extreme Ways" anfing war klar, dass die Zeiten, in denen der kleine New Yorker die Clubs zum Kochen brachte (unvergesslich sein Auftritt im Vorprogramm der Red Hot Chili Peppers), vorbei sind. Heute sind die Zuschauer zwar noch immer begeistert, doch sowohl die neuen ("Raining Again", "Spiders") als auch die älteren Songs wie "Natural Blues" sind einfach kein Underground-Dancefloor, sondern gemäßigter, glatter, aber trotzdem toller Radio-Pop. Es wurde geklatscht, gejubelt und vom einen Bein aufs andere getippelt. Alles fein, hallo NDR 2. Doch Moby ist noch immer mehr, ihm reichte die bloße Zufriedenheit nicht, er wolte Euphorie. Also griff in sein Schatzkästchen und holte nach einer großartigen Version von "In My Heart" den Klassiker "Go" heraus, drehte das Licht auf Bombast und schon hatte er sie, die Euphorie. Nur um dann anzukündigen, einen Song von seinem Album "Animal Rights" zu spielen. Natürlich "That's When I Reach For My Revolver", natürlich in derber Punkrock-Manier. Und natürlich machten die gesetzten Herren und sich in Schale geworfenen Mütter großen Augen. Verwirrung, Staunen, fast schon Stille im Publikum. Es erinnerte ein wenig an "Zurück in die Zukunft" und einen Chuck Berry spielenden Michael J. Fox. Das war Rock N Roll und nur einer der vielen Höhepunkten eines mit der Zeit fantastisch werdenen Konzerts.

Da wäre zum Beispiel der neue Song "Beautiful". Auf Platte ein feiner, aber recht unspektakulärer Song. Live aber suchte Moby ihn aus, um ein Experiment zu machen und ihn in unterschiedlichen Variationen zu spielen. Vermutlich war die Aktion nicht wirklich spontan, klasse waren die Bossa Nova-, Western-, Punkrock-, Reggae- und Moll-Versionen dann aber trotzdem. Zuvor covert er New Order ("Temptation"), später wirken "We Are All Made Of Stars" und das eigentlich ja recht ausgelutschte "Why Does My Heart Feel So Bad?" im an sich ungemütlichen CCH überraschend gut, "Bodyrock" versetzte die Masse erneut in Extase und auch "Lift Me Up", vor dem sich Moby für seine Regierung entschuldigte, kam als letzter Song des regulären Sets klasse. Zu dem Zeitpunkt stand Moby mit seiner Band übrigens schon zwei Stunden auf der Bühne und es sollte noch fulminat weiter gehen. Und - mal wieder - überraschend anders. Denn als ersten Track der Zugabe gab es wieder Kuschelrock mit dem Velvet Underground-Cover "Walk On The Wild Side", ehe Gitarrist / Bassist Darren ans Mikro trat und "Break On Through" von den Doors sang und Keyboarderin Lucy ihre an der Musikschule erworbenen Fähigkeiten in Form von Beethovens "Für Elise" zeigte. Abwechslungsreich könnte man es nennen. Und dann fehlte nur noch ein Song: "Feeling So Real". Alle Hände hoch, zeigt her eure Gänsehaut. Wahnsinn, großartig, wie damals vor den Peppers. Ok, die weibliche Stimme kam zum Teil von Band, aber ja und? Alle flippten aus, jeder lachte, eine unglaubliche Atmosphäre. Nach fast zweieinhalb Stunden war das Konzert beendet. Und was für eines. Gehört "Hotel" sicher nicht zu Mobys besten Alben, ist er live weiterhin ein ganz Großer!

Playlist:
01. My Weakness (Intro)
02. Find My Baby
03. Extreme Ways
04. Raining Again
05. Natural Blues
06. Spiders
07. Where You End
08. In My Heart
09. Go
10. That's When I Reach For My Revolver
11. Temptation
12. Beautiful
13. Very
14. Next Is The E
15. Porcelain
16. In This World
17. Dream About Me
18. Why Does My Heart Feel So Bad?
19. We Are All Made Of Stars
20. Slipped Away
21. Honey
22. Bodyrock
23. Lift Me Up
24. Walk On The Wild Side
25. Break On Through
26. Feeling So Real

Surfempfehlung:
www.moby.com
www.ilovem83.com
Text: -Mathias Frank-
Foto: -Danny Clinch-


 
 

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