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Clubrock

The Hellacopters

Hamburg, Molotow
01.06.2005
The Hellacopters
Stadionrock? Nein, die Hellacopters suchten wieder den Weg in die Clubs und spielten neben ihren Auftritten bei den Giganten-Festivals Rock am Ring und Rock im Park auch zwei intime Gigs in Hamburg und Berlin. Die waren natürlich in kürzester Zeit ausverkauft und obwohl das aktuelle Album "Rock & Roll Is Dead" noch gar nicht erschienen war, wurde die Hamburg-Show zu einem vollen Erfolg.
Auf eine Vorband wurde verzichtet, die hätte heute eh keiner sehen wollen. Die kanpp 300 Zuschauer waren für die Hellacopters da und sicherten sich frühzeitig die guten Plätze im engen, niedrigen Saal. Dort war es voll. Wie in letzter Zeit so häufig. Und warm, stickig und ideal für diesen Abend. Man spürte den Hellacopters an, dass sie es genossen, den Fans so nah zu sein, wie sie es schon lange nicht mehr waren und sicher auch länger nicht mehr sein werden. Und man spürte es den Fans an, dass sie sich über dieser vermutlich leider einmalige Gelegenheit mächtig freuten. Kaum stimmten die Schweden den "Payin' The Dues"-Klassiker "You Are Nothin'" an, kam Bewegung in den Laden. Und das sollte knappe 80 Minuten auch so bleiben. Menschen flogen durch die Luft, Bier spritze auf die Bühne und nicht selten musste man sich um die wackelnden Boxen ernsthafte Sorgen machen.

Wie im Interview mit Gaesteliste.de angekündigt (siehe unten), gab es zwar in Form von "Before The Fall", "I'm In The Band" oder "Everything Is On T.V." auch einige neue Songs, doch die Hellacopters ließen es sich nicht nehmen, auch ein paar Schätzchen wie das von vielen geforderte "Crimson Ballroom" oder "1995" zu spielen, bei "Toys And Flavors" den Zuschauern das Singen zu überlassen und zum Abschluss "Kick Out The Jams" von MC5 zu covern. Ja, die Band um Nicke Anderson weiß, wie man einen Saal zum Kochen bringt. Und dafür brauchen sie keine große Worte. Denn außer ein paar Danksagungen, Alberreien und der Ankündigung, dass man im September erneut auf Tour kommen würde, gab es wenig Konversation. Dafür aber die volle Portion Rock N Roll und nur das ist es, was zählt.


NACHGEHAKT BEI: THE HELLACOPTERS

Gemütliches Treiben herrschte am Nachmittag vor dem Konzert. Eine Schar Schreiberlinge, erste Autogrammjäger und die Molotow-Crew warteten auf die Hellacopters, die verspätet aus Schweden anreisten. Als diese dann kamen, verlegte sich das nette Beisammensein in die zum Club gehörende Meanie Bar, Interviewer und Musiker wurden in Grüppchen eingeteilt und Gaesteliste.de machte es sich mit Keyboarder Anders Lindström aka Boba auf zwei verwarzten Sesseln gemütlich.

GL.de: Euer Album erscheint erst nächste Woche, aber ihr seid jetzt auf Tour. Warum?

Boba: Wir veröffentlichen das Album in Deutschland schon früher als im Rest der Welt und sind trotzdem zu früh (lacht). Wir sind für Rock am Ring gebucht worden und dachten uns, es wäre cool, auch ein paar Clubshows zu spielen. Im September kommen wir dann auf reguläre Tour und spielen in größeren Hallen, die auch schon gebucht sind.

GL.de: Es ist zwar sicher eine großartige Sache für eure Fans, euch in einem solch intimen Rahmen zu sehen, aber sie kennen ja die neuen Songs noch gar nicht.

Boba: Das ist sicher schwierig, aber das ist auch der Grund, warum wir in den kleinen Clubs spielen. Das haben wir auch gerade in Schweden mit den Backyard Babies gemacht. Die waren schon lange auf Tour und ihr Album ist alt, unser ist noch nicht mal draußen. Wir hatten Lust auf solch private Shows.

GL.de: Da wird es vermutlich auch egal sein, welche Songs ihr spielt, die Gigs dürften große Parties werden.

Boba: Wir spielen zwar auch ein paar neue Nummern, aber natürlich auch eine Menge alte. Es wird interessant sein, wie das wird. Auf jeden Fall sehr intim.

GL.de: Besonders wenn man das mit den kommenden Gigs bei RaR und RiP vergleicht.

Boba: Oh ja, absolut. Hier spielst du für Leute, die deine Musik kennen und mögen, am Ring aber ist das Publikum sehr gemischt, viele kennen dich nicht und wollen einen auch nicht sehen. Das ist schon ein Unterschied, aber es ist toll, die Möglichkeit zu haben, beide Sachen zu machen.

GL.de: Lass uns über das Album reden. Es klingt sehr pur und direkt.

Boba: Ja, da stimme ich dir absolut zu. Wir haben bewusst Sachen vermieden, die nicht unseren genauen Vorstellungen entsprachen, und haben dabei trotzdem Sachen ausprobiert, die wir vorher noch nie getan haben. Und das macht das Album eben so pur.

GL.de: Liegt das auch daran, dass ihr das Album live aufgenommen habt?

Boba: Sicher. Wir haben zwar nicht alles komplett eingespielt, ein paar Overdubs oder das Piano haben wir zum Beispiel nachträglich gemacht, aber das behält den Vibe der Musik und passt zum Album.

GL.de: Glaubst du, dass einige Fans von "Rock & Roll Is Dead" überrascht sein werden?

Boba: Unsere Identität ist zwar schon deutlich, aber bei einigen Songs werden sie schon aufhorchen. Doch wer es uns kennt, weiß ja inzwischen, dass wir uns nicht wiederholen wollen und jedes Mal ein etwas anderes Album machen. Immer das erste Album zu duplizieren, würde für uns keinen Sinn machen, auch wenn ich sagen muss, dass "Rock & Roll..." wieder mehr nach unserem Debüt, aber gleichzeitig auch wieder ganz anders klingt.

GL.de: Der erste Song dürfte mit seinem Chuck Berry-Riff schon überraschen.

Boba: Klar, wir haben etwas Traditionelles mit dem Hellacopters verbunden und das musste natürlich an den Anfang der Platte, weil es sich von den übrigen Songs unterscheidet und eine schöne Überraschung darstellt. Käme es später, würde es keinen Sinn machen.

GL.de: Einige Zeit war nur der Titel eures Albums auf euer Homepage zu sehen und nicht wenige befürchteten, ihr verkündet damit das Ende der Band.

Boba: Ja, stimmt, aber darum ging es uns gar nicht, wir wollten auch niemanden verwirren. Es war von Anfang an nur der Album-Titel. Weißt du, wenn heute vom Rock N Roll die Rede ist, geht es um T-Shirt-Verkäufe und Britney Spears, das hat alles nichts mehr mit der Sache an sich zu tun. Der Begriff wurde mit der Zeit immer mehr verwässert und man kann ihn für nichts mehr benutzen, weil man ihn eben für alles benutzen kann. Natürlich spielen wir noch immer Rock N Roll, aber die wirkliche Ära ist vorbei. Denn was ist es noch? Justin Timberlake kann sagen, er möchte einen coolen Rock N Roll-Song auf seinem Album, aber das hat nichts mit Rock N Roll zu tun. Auch wenn er es vermutlich glaubt.

GL.de: Aber ist es nicht eher so, dass vielleicht nur die Bezeichnung, nicht aber die Sache an sich tot ist?

Boba: Ja, da hast du im gewissen Sinne natürlich recht. Denn natürlich gibt weiterhin eine Menge Bands, die Rock N Roll sind.

Surfempfehlung:
www.hellacopters.com
www.universal-rock.de/_artists/thehellacopters/
www.thehellacopters.cjb.net
Text: -Mathias Frank-
Foto: -Michael Johansson-


 
 

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