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Konzert-Bericht
 
Sing, du Schlampe!

Ben Folds
Clem Snide

Köln, Live Music Hall
05.06.2005

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Ben Folds
Was für ein Drama! Da musste erst eine Petition der Ben Folds Society her, damit der Herr mal wieder nach einer halben Ewigkeit eine Bühne in Deutschland betritt. Vor etwas mehr als einem Jahr startete die Petition, ein paar Wochen später war es dann geschafft: "Ben Folds & A Piano", live in Berlin und Köln im November 2004 wurde angekündigt. Riesengroße Freude, doch kurz vor den geplanten Shows kam die traurige Nachricht: "I'm very sorry and disappointed to have had to reschedule my tour. Rarely in my career have I had to do this; I take missing a show very seriously. But in this case there was no choice. Short of taking daily cortisone shots and having roadies prop me up on stage, it wasn't going to happen. I got very run down and got a nice respiratory infection, which the doctor has warned me to take care of since I recently had pneumonia." Also nochmal schier endlose Monate ausharren, bevor es dann tatsächlich im Juni 2005 soweit war: Ben Folds in Deutschland! Nicht alleine mit dem Piano, sondern in Begleitung seiner Buddies Jared Reynolds am Bass und Lindsay Jamieson am Schlagzeug.
Wer hingegen alleine und nur mit einer Gitarre bewaffnet zunächst auf der Bühne stand, war Eaf Barzelay, Kopf der New Yorker Combo Clem Snide. Würde das funktionieren, ihn als Einheizer für die Folds-Massen zu bringen? Absolut kein Problem für Barzelay, er ist so ziemlich mit den ersten paar Textzeilen auf viele offene Ohren gestoßen. Witz, Charme und Melodie - das sind nur einige wenige Zutaten, die ihn und seine Musik ausmachen. Hier gibt es aberwitzige Geschichten darüber zu hören, wie er zu deutschem HipHop aufgewacht ist, oder über betrunkene Mädchen, oder den wohl sexiest Song über die Apokalypse. Und als ob das noch nicht genug ist, covert er Christina Aguileras "Beautiful". Zwischendurch verrät er noch, dass Ben Folds ein zärtlicher Liebhaber sei, der genau weiß, welche Stellen man wie berühren muss.

In der ausverkauften und proppevollen Live Music Hall in Köln hat er jedenfalls in den folgenden knapp zweieinhalb Stunden (!) die absolut richtigen Stellen getroffen - sei es mit Band, alleine am oder als Dirigent auf dem Piano, es passte einfach alles. Doch zurück zum Anfang - los ging es mit dem aktuellen Album-Opener "Bastard", gefolgt von "Gone" und "There's Always Someone Cooler Than You". Und wo bei anderen Combos die Gitarren-Saiten reißen, musste sich Folds hier bereits zu Beginn einen Fingernagel abkleben, der soeben eingerissen war. Es sollten noch weitere folgen. Kein Wunder, hatte er doch weiland anlässlich der verschobenen Daten verlauten lassen:"I promise I'll get healthy and play my ass off, old and new music, requests and extra dance moves." Die Tanzeinlagen kamen dann doch nicht so zur Geltung, dafür aber ein wunderbarer Trip durch seine Alben und die seiner ehemaligen Band, Ben Folds Five. Nachdem "All You Can Eat" gegessen war, folgte ein erstes Highlight: "Still Fighting It", dieser hinreißende Song vom "Rockin' The Suburbs"-Album. Nach "Landed" vom aktuellen Album "Songs For Silverman" hat es mit "In Between Days" von The Cure die erste Cover-Nummer des Abends gegeben - eigentlich unnötig zu erwähnen, dass die Folds-Fassung dem Song noch eine weitere schöne Nuance hinzufügte. Was er allerdings aus Dr. Dres "Bitches Ain't Shit" machte, war unfassbar. Unfassbar witzig. Obwohl das ja gar nicht so gemeint war, wie Folds vorher verlauten ließ. Er wollte einfach den Schmerz von Dr. Dre musikalisch neu untermalen. Sein breites Grinsen konnte man bis in die letzte Reihe erkennen. Und so spielte sich die Band durch die mit explicit lyrics nur so durchtränkten Zeilen, jeder der drei auf der Bühne durfte einen Part des Textes übernehmen, Drummer Jamieson hatte dabei den besten Flow. Im Break, nachdem Folds ein wenig herumalberte, raunte Bassist Reynolds zu ihm herüber: "Ben? Sing, du Schlampe!" In deutscher Sprache wohlgemerkt. Beim anschließenden "Zak And Sara" gab es dann fast so etwas wie einen Moshpit zu verzeichnen, und die Freude wieder groß, nach "Annie Waits" Hot Butters "Popcorn" zu hören. Kurz danach, ungefähr zur Mitte der Show, gab es dann eine Ben Solo-Einlage - nur er und sein Piano. "Brick", "Lullaby" (Erfüllung eines Extra-Wunsches, der ihm tags zuvor in Berlin übermittelt worden war), "Eddie Walker", "Evaporated" und das großartige "Army" aus Ben Folds Five-Zeiten - doch vorher wurde das Publikum in zwei Hälften geteilt: Saxofon und Trompete! Schließlich galt es den nicht vorhandenen Bläser-Einsatz durch Stimmes-Kraft zu ersetzen. Zu "Trusted" gesellten sich Reynolds und Jamieson wieder hinzu, um den letzten Teil des Hauptsets einzuläuten - und das direkt auch noch mit "Rockin' The Suburbs", inkl. großen "Fuck"-Geschreie und Ben Folds, wie er am Bass in die Saiten haut. Das traurig-schöne Elliott Smith-Tribut "Late" und "Philosophy" beschlossen dann erstmal das Konzert.

Nach einer kurzen Pause wollte Ben eigentlich mit "Not The Same" weitermachen, doch durch Zurufe ließ er sich zunächst zu anderen Nummern hinreißen ("You want me to play 'Gracie' now? Well, I don't care, I only come here once every ten years..." ließ er lachend verlauten), die er wiederum solo vortrug: "Gracie" und das wunderschöne "The Luckiest". Dann war schließlich doch noch die Zeit reif für "Not The Same", wo auch wieder Publikums-Beteiligung gefragt war: Der Hintergrund-Chor wurde hervorragend dreistimmig wiedergegeben. Gegen Ende des Songs dirigierte Folds dann auf seinem Piano stehend das Publikum ohne Mühe. Wie bereits erwähnt - er weiß eben die richtigen Stellen zu berühren. Nach "One Angry Dwarf And 200 Solemn Faces" und knapp zweieinhalb Stunden Spielzeit war es dann soweit - Ben Folds & Co. gehen von der Bühne, das Licht an und man war sich sicher: Das war das Konzert des Jahres. Mindestens.

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Surfempfehlung:
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Text: -David Bluhm-
Foto: -David Bluhm-


 
 

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